Gesundheit

Kräuterelixiere

Tinkturen und Elixiere haben sich seit Jahrhunderten in der Volksmedizin als gute Heilmittel bewährt. Kräuterfrau Gabriele Bickel zeigt uns, wie sie nach den alten Rezepten angesetzt werden.
Von Angelika Krause

Wie in einer Hexenküche muss es im Mittelalter in den Experimentierstuben der Klöster gebrodelt haben, wenn die Ordensleute aus Kräutern, Wurzeln und anderen geheimnisvollen Zutaten allerlei Salben, Tinkturen und Pulver mischten. Diese Mittel erprobten sie dann an den Kranken in ihren Hospitälern. So entstanden viele hervorragende Rezepturen – darunter eine ganze Reihe von Heiltränken auf alkoholischer Basis. Denn die Mönche und Nonnen hatten nicht nur Kenntnisse von der Wirkung bestimmter Pfl anzen, sondern verfügten auch über einen alchemistischen Erfahrungsschatz im Brauen und Destillieren. 

HOCHWIRKSAMER AUSZUG

»Heute wissen wir, warum gerade diese Art der Zubereitung so wirkungsvoll ist«, erklärt Gabriele Bickel, die im ehemaligen Zisterzienserkloster von Maulbronn den »Kräuterhexenladen« betreibt. Schon als junge Frau hat sie die alten Quellen erforscht und mit der Herstellung von Heilelixieren experimentiert: »Viele wertvolle Pflanzenwirkstoff e sind in Wasser schwer oder gar nicht löslich – dafür aber in Alkohol. Da dieser in flüssiger Form etwas Wasser enthält, werden auch die wasserlöslichen Bestandteile frei und ergeben so einen hochwirksamen Auszug.« Die traditionellen Rezepte, die sie gefunden hat, klangen zum Teil abenteuerlich und mussten in aufwendiger Recherchearbeit überprüft und oft auch abgewandelt werden. Die dafür nötige Erfahrung sammelte Gabriele Bickel in ihrem ersten Beruf als Pharmazeutisch- Technische Assistentin. Die erprobten und bewährten Zubereitungen hat sie in ihrem Buch »Das Beste von der Kräuterhexe« (Kosmos Verlag, 12,95 Euro) zusammengestellt – ein Anleitungswerk für Experimente in der heimischen Küche. Die Kräuter zum Ansetzen des Blumenwiesenelixiers findet man problemlos in der freien Natur. Schwieriger ist es mit den Wurzeln, die für den Theriak benötigt werden: Die Zutaten für den klassischen Bittertrank, dessen Urrezept aus der Antike stammt und den Kaiser Nero aus Angst vor einem Giftmord regelmäßig als präventives Gegenmittel geschluckt haben soll, gibt es nur im gut sortierten Fachhandel. Die Expertin rät darüber hinaus, möglichst viele Heil- und Würzkräuter selbst im Garten zu ziehen – und bei der Ernte größte Sorgfalt walten zu lassen: »Um die Qualität eines Heiltranks nicht zu beeinträchtigen, sollte man keine verwelkten, fleckigen, vertrockneten oder verschimmelten Pflanzenteile verwenden.«

FRISCHE UND REIFE FRÜCHTE

Das Gleiche gilt für die Früchte, die in einige Elixiere – wie etwa dem Kräuterhexen- Traumlikör – eingelegt werden: Sie sollten frisch, reif, unverletzt und möglichst unbehandelt sein.
Vor dem Ansetzen probieren ist Pflicht: Nur so kann man feststellen, ob sie wirklich ein vollmundiges Aroma haben. Deshalb ist es nur von Vorteil, Heiltränke zur natürlichen Haupterntezeit der verwendeten Zutaten zuzubereiten. Der Alkohol, in dem die Kräuter, Wurzeln und Früchte angesetzt werden, sollte ebenfalls hochwertig sein.
Empfehlenswert sind vielfach die Angebote der kleinen regionalen Erzeuger: Sie haben meist sogenannte Hausbrände, die in höherer Alkoholkonzentration erhältlich sind – sodass man sie ohne Qualitätseinbußen verdünnen kann. Geeignet sind vor allem Obstler aus Äpfeln oder Birnen, die besonders gut mit blühenden Kräutern harmonieren. In einen Ansatz mit Samen, Wurzeln und Rinden passt dagegen eher ein Korn oder ein Doppelkorn.
Grundsätzlich hat die Badenerin herausgefunden: »Je höher der Alkoholgehalt, desto effektiver findet der Auszug der eingelegten Pflanzen statt.« Das Zusammenstellen der Zutaten für den Heiltrank nimmt meist mehr Zeit in Anspruch als die Zubereitung: Im Prinzip gibt man einfach die vorgesehene Menge an Kräutern oder Früchten in eine Flasche und füllt diese mit Alkohol auf. Das Ganze muss etwa vier bis sechs Wochen an einem warmen Ort stehen, wird eventuell abgeseiht – und schon kann das Elixier getrunken werden.

Tinkturen für die äußerliche Anwendung – pur, als Kompresse oder als Bad – werden genauso hergestellt.
Auch hier ist der Einsatzbereich von der Zutat abhängig: Die schöne, rote Johanniskraut- Tinktur unterstützt die Wund- und Schmerzbehandlung, ein Auszug von Gänseblümchen wirkt entzündungshemmend bei Akne und unreiner Haut, Arnika wird für ein Mittel bei Verstauchungen und Prellungen angesetzt. Die Gerätschaften, die man für die Herstellung von Elixieren und Tinkturen braucht, sind in jeder Küche vorhanden. Wer Flaschen mit Korken verwendet, sollte unbedingt darauf achten, dass diese kompakt und nicht porös sind – sonst verflüchtigt sich der alkoholische Ansatz nach und nach.
Ein Tipp von Gabriele Bickel: »Optisch ansprechender ist es, wenn die Kräuter in der Flasche bleiben. Wen das stört, der seiht das Elixier durch einen Filter oder ein Mulltuch ab.«

Angelika Krause 

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