DIE RÜCKKEHR DES REETS
Die Germanen bauten damit ihre ersten Häuser, als sie sesshaft wurden, um Familie und Vieh zu schützen. Auf dem Land hat das Reet eine lange Tradition. Seit einigen Jahren wird es in vielen Regionen wiederentdeckt. Von Torsten Dewi
Es ist ein Handwerk mit viel Tradition und wenig Maschinen: Reet-Dachdecker müssen nicht nur geschickt sein, sondern auch schwindelfrei und gelenkig. Den ganzen Tag schleppen sie Bunde auf das Dach, arbeiten mit Eisennadeln und Klopfbrettern, laufen über hölzerne Stege und tragen Knieschutz, damit das Reet nicht durch die Hosen sticht. Es staubt Pflanzenfasern, die Halme piken. Ein gutes Auge ist nötig, damit die Reetfläche dicht und gleichmäßig liegt. So ist es heute wie vor Urzeiten.
Vor 7000 Jahren besiedelten die ersten Menschen die Region zwischen Nord- und Ostsee. Zuerst Jäger und Sammler, stellten sie in den nächsten Jahrhunderten langsam auf Ackerbau und Viehzucht um. Wo bis dahin einfache Hütten und Zelte gereicht hatten, mussten nun festere Behausungen her für Familien und das Vieh. Holzbalken wurden mit Stricken und Latten zu Gerüsten aufgebaut und darauf kam: Reet. Das getrocknete Schilfgras war überall zu finden, leicht zu verarbeiten und es schützte vor Regen ebenso gut, wie es die lebenspendende Wärme staute. Löcher an den Giebelspitzen sorgten dafür, dass der Rauch aus den offenen Feuerstellen abziehen konnte. Feuer und ein Strohdach? Doch, das geht zusammen – der Ruß isolierte so-gar das Dach, machte es dadurch noch widerstandsfähiger gegen Insekten.





