Drechseln: Der letzte Hakendreher Österreichs

Die Werkstatt gleicht der von Meister Eder. Im Raum stehen alte Maschinen und es riecht nach frisch geschlagenem Holz. Herbert Schenner ist Drechslermeister: Er beherrscht eine Technik, die außer ihm kaum noch jemand kennt – das Hakendrechseln.

Der eingespannte Holzrohling dreht sich rasant. Hochkonzentriert setzt Herbert Schenner den Meißel an und schon fliegen die Späne: Fenstersims, Drehbank, Fußboden und der Drechsler selbst sind schnell von oben bis unten damit bedeckt.
Mit jeder Umdrehung wird das Holz filigraner: Herbert Schenner arbeitet sich von außen nach innen vor, durch den Druck des Metallmeißels löst sich Span um Span aus dem Holz – bis es die Form einer hübschen Schüssel hat. Ein Maßband oder einen Meterstab braucht Herbert Schenner für diese Arbeit nicht: Österreichs einziger Hakendreher hat ein präzises Augenmaß.
„Wie viel weggedreht werden muss, das spürt man einfach“, sagt der 54-Jährige aus Bad Ischl im Salzkammergut. Wahrscheinlich spürt Herbert Schenner es „so einfach“, schließlich ist ihm die Arbeit mit Holz schon fast in die Wiege gelegt worden: Restauratoren, Tischler und Bildhauer reihen sich in der Ahnengalerie des sympathischen Oberösterreichers.
Die uralte Kunst des „Hakldrehens“ hat Schenner in den 1980er-Jahren nach der Meisterprüfung von einem berühmten österreichischen Drechslermeister gelernt. „Der ,alte Hasengschwandtner‘ hat das nicht vielen zugetraut“, erzählt Herbert Schenner stolz und fügt an, in der Holzfachschule werde das Hakendrechseln schon lange nicht mehr gelehrt. Der Umgang mit dem schweren, circa 1,30 Meter langen Eisen verlangt viel Geschick – und Kraft. „Auskommen darf dir das nicht, das kann richtig wehtun“, sagt der Drechslermeister, klemmt sich den „Hakl“ unter die rechte Achsel und packt mit beiden Händen fest zu. Vorsichtig setzt er das hakenförmige, selbst geschmiedete Eisen auf das Holz auf – nur mit dem richtigen Druck gelingt es, das teilweise noch feuchte Holz genau zu bearbeiten. Ein Balanceakt, den der Oberösterreicher als letzter seines Standes meisterlich beherrscht. „Je schwerer der Haken, desto besser“, sagt Schenner. Allerdings werde die Arbeit mit der Zeit dann schon etwas anstrengend – das gebräuchliche Drechselwerkzeug ist wesentlich kürzer und leichter. Durch das Hakendrechseln aber schafft Schenner es, aus einem Stück Holz drei oder manchmal sogar vier Schüsseln herauszuarbeiten. Mithilfe des gebogenen Meißels kommt der Drechsler flach und tief in das Holz hinein. „Da kann ich dann so einen richtigen Satz ,rausdraxeln‘.“ Eine materialsparende Technik. Lesen Sie den vollständigen Artikel zum Thema "Drechseln" in der aktuellen LandIdee Wohnen & Deko, S. 90
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