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Weihnachten: alte Bräuche im Advent und zu Neujahr

Vor Weihnachten und zum Jahreswechsel pflegen wir Bräuche und lassen Traditionen aufleben. Es ist die stille Zeit, die man mit der Familie genießt und in der man sich auf Früher besinnt. Viele althergebrachte Bräuche helfen uns dabei. Doch woher stammen sie? Von Britta Werth

Damals, als ich klein war, da haben wir das auch schon so zu Weihnachten gemacht! Diesen Satz hat jeder schon gehört oder selbst ausgesprochen. Es ist etwas Wertvolles, sich auf ein Ritual, eine Familientradition  oder ein altes Brauchtum zu besinnen. Dabei werden Sehnsucht und Geborgenheit wachgerufen. Brauchtum dient als Brücke zwischen den Generationen, als Wurzel und Halt. Es hilft, den eigenen Rhythmus im Leben zu finden. Bräuche haben allesamt eine Geschichte, berichten darüber, wie es einst war und drücken so den Respekt sowie die Achtung vor den früheren Generationen, der alten Zeit aus. Und: Bräuche führen zusammen. Man feiert den Nikolaustag gemeinsam, Weihnachten ist ein Familienfest. Durch Bräuche fühlt man sich zugehörig, aufgehoben. Bei den traditionellen Bräuchen gibt es keine Überraschungen. Es ist alles wie immer, eine Wiederkehr, auf die man sich, egal was im eigenen Leben auch zwischenzeitlich passiert sein mag, verlassen kann. Weihnachten wird jedes Jahr gefeiert. Und es ist schön, dass, auch wenn die Monate dazwischen vielleicht nicht so gut verlaufen sind, Weihnachten wiederkehrt und man die Chance hat, in das Gefühl einzutauchen, aufgehoben zu sein im Schoß der Familie und so eine Pause von allem zu nehmen. Danach geht man gestärkt in den Alltag zurück und hat Kraft geschöpft.

BRÄUCHE IM WANDEL
Das Faszinierende ist, dass Bräuche für Beständigkeit stehen und dennoch zeitgemäß sind. Schleichend, kaum merklich, passen wir das Brauchtum unseren Möglichkeiten, unseren Lebensumständen immer wieder neu an. So verbinden wir ganz harmonisch Altbewährtes und Moderne. Unveränderte Bräuche wird man heutzutage nicht mehr finden. Dank der Technik kann man Brauchtum heute lebendiger und traditioneller feiern als je zuvor. Wer will, fliegt samt Weihnachtsbaum in den Urlaub oder bestellt die Geschenke übers Internet. Das alles schmälert das Erlebnis des Weihnachtsfestes nicht. Die Feier bleibt, die Tradition lebt und Brauchtum wirdder nächsten Generation überliefert.

DAS BRAUCHTUM & SEINE ENTSTEHUNG
Bereits im 14. Jahrhundert luden deutsche Städte Handwerker, Zuckerbäcker, Korbflechter und Spielzeugmacher in der Vorweihnachtszeit ein, Stände aufzubauen und ihre Kunst darzubieten. Damals war es in erster Linie ein Handelsmarkt. In der besonderen Atmosphäre, die auch durch Schne und Kälte bedingt war, gab es so die Möglichkeit, besondere Waren einzukaufen. Daraus entwickelte sich der Weihnachtsmarkt, auf dem – angepasst an heutige Bedürfnisse – verschiedenste Waren verkauft werden. Die Wurzeln der Weihnachtslieder gehen – wie bei so vielen Bräuchen – auf die Liturgie zurück. Die darin erzählten Geschichten dienten dazu, die Heilige Schrift, besonders die Weihnachtsgeschichte, anschaulich näherzubringen. In den letzten Jahrzehnten wurden alte Weihnachtslieder modern aufgenommen, in verschiedenen Musikstilen interpretiert, um auch die Lieder mit der Zeit gehen zu lassen. Ein schöner Brauch ist es, das Haus oder die Wohnung in der Adventszeit und für Weihnachten liebevoll zu schmücken. Dies gab es schon vor dem Christentum und drückte die große Freude über die Wiederkehr des Lichtes, das Ende der dunklen Jahreszeit zur Wintersonnwende aus. Durch die Dekoration sollten Schaden bringende Mächte ferngehalten und Gesundheit sowie Fruchtbarkeit gesichert werden.

DER ADVENTSKRANZ STAMMT AUS HAMBURG
Der Adventskranz ist dagegen nur etwas mehr als hundert Jahre alt. Der evangelische Pastor Johann H. Wichern (1808–1881) feierte mit schwierigen Jugendlichen die Adventszeit, indem er täglich aus der Bibel vorlas und eine Kerze auf einem großen Holzring anzündete. Kirchen ahmten diesen Brauch nach, die Kerzen wurden auf vier reduziert, der Ring mit Zweigen geschmückt. So verbreitete er sich von Hamburg aus in ganz Deutschland.

Die Tradition, am 4. Dezember abgeschnittene Zweige in eine Vase zu stellen, geht auf die heilige Barbara zurück, die im 3. Jh. vor ihrem Kerkerfenster einen kahlen Kirschzweig zum Blühen brachte. Zwanzig Tage brauchen die Barbarazweige, um pünktlich zu Weihnachten als Sinnbild für Wachstum und Hoffnung zu erblühen. Der Weihnachtsbaum sollte Farbe ins Heim bringen und Leben symbolisieren in der Jahreszeit, in der nichts auf den Feldern wuchs. Früher schmückte man ihn mit Essbarem. Kinder durften den Baum nach den Feiertagen beim Baumplündern leer essen. Am 6. Januar ziehen Kinder verkleidet als die Heiligen Drei Könige von Tür zu Tür. Früher war das für Arme eine Möglichkeit, würdevoll Geld zu ersingen. Heute sammeln die Sternsinger für arme Kinder in der Dritten Welt. Die Zeiten haben sich geändert, aber die Herzlichkeit und der Zusammenhalt, der über Bräuche entsteht, ist so lebendig wie früher. Durch Brauchtum erleben wir eine kleine Zeitreise ins Damals, was sich in unseren modernen Alltag einbetten lässt, Inseln bietet, um sich zu besinnen, um der Sehnsucht nach dem, wie es einmal war, mit Achtung und Freude zu begegnen.

Britta Werth

 

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