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Schattenbilder

Seit ihrer Kindheit ist Susanne Schläpfer vom Scherenschnitt fasziniert. In LandIdee gibt die Schweizer Künstlerin einen Einblick in das filigrane, fast in Vergessenheit geratene Handwerk.
Von Angelika Krause

Eine Schere und einen Cutter – mehr benötigt Susanne Schläpfer nicht, um ein Stück Papier in ein fantasievolles Kunstwerk zu verwandeln. Eine abwechslungsreiche Landschaft mit Pflanzen, Tieren und Menschen, ein feingliedriger Baum, neben dem die Kinder Drachen steigen lassen, ein achtstöckiges Handwerkerhaus, in dessen Räumen die Bewohner allerlei Tätigkeiten nachgehen, traumhaft anmutende Fabelwelten und klassische Porträt- Silhouetten: In jahrzehntelanger Arbeit hat die Schweizerin einen ganz eigenen, liebevoll gestalteten Kosmos erschaffen, der die Besucher ihres Ateliers in ehrfürchtiges Staunen versetzt.
„Mit Figuren aus Papier hat meine Mutter mein Interesse am Scherenschnitt schon früh geweckt und seit diesen ersten Experimenten aus Kindertagen hält meine Leidenschaft für das traditionsreiche Handwerk und seine Geschichte an“, erzählt die Ikebana-Lehrerin. Die Papierkunst hat sie bis nach China geführt, wo der Scherenschnitt schon vor tausend Jahren außerordentlich beliebt war. Erst Ende des 17. Jahrhunderts kam er nach Europa, seine Blütezeit erlebte er dann im 19. Jahrhundert. 

VOR DEM VERGESSEN RETTEN

Mit Ausstellungen und Kursen in ihrem Atelier in Hinteregg bei Zürich will die Meisterschneiderin das alte Handwerk vor dem Vergessen retten. Ihr Buch „Scherenschnitte“ (Edition Susanne Schläpfer, ca. 45 Euro inkl. Porto, unter www.scherenschnitte.ch) bietet eine Fülle von Informationen für alle, die die Papierkunst erlernen wollen. Das wichtigste Utensil ist eine gute Spezialschere aus hartem Stahl mit einer sehr scharfen Spitze. Dieses empfindliche Gerät, das etwa 50 Euro kostet, sollte nur für den Scherenschnitt verwendet werden.
Susanne Schläpfer: „Die Schraube der Schere darf nicht zu fest angezogen sein, weil es sonst bei längerem Arbeiten zu Verkrampfungen in Arm und Hand kommt. Und halten Sie das Werkzeug so zwischen Daumen und Mittelfinger, dass der Schraubkopf zu Ihnen zeigt.“
Für einige Arbeiten, die aus kleinsten Schnitten entstehen, ist ein Cutter erforderlich – beispielsweise, um Vogelgefieder nachzuahmen. Als Unterlage sind alte Fotos tauglicher als eine Matte, die die Spitze stumpf macht. Anfänger tun sich mit dünnerem, langfaserigem Papier etwas leichter. Gut geeignet ist beschichtetes schwarzes oder braunes Scherenschnittpapier, das hinten weiß ist. Auf der hellen Seite kann man besser mit dem Bleistift vorzeichnen – und das Schneiden ist für die Augen weniger anstrengend als auf der dunklen. Schön lässt sich auch Origami-Papier bearbeiten, das intensive Farben ins Spiel bringt. Als Untergrund, auf den der fertige Scherenschnitt geklebt wird, empfiehlt sich Büttenpapier: Es saugt den Leim sehr gut auf. 

DIE NATUR BEOBACHTEN

„Wer wenig Erfahrung hat, kommt besser zurecht, wenn der Entwurf ganz exakt mit dem Bleistift vorgezeichnet wird“, rät die Künstlerin. „Mit fortschreitendem Können reicht es später, die Idee in groben Zügen zu skizzieren und der Fantasie beim Schneiden freien Lauf zu lassen.“ Sie selbst  findet ihre Motive auf Spaziergängen durch die hügelige Landschaft – und hat dabei gelernt, die Natur ganz sorgfältig zu beobachten: Das schult das Vorstellungsvermögen und ist Voraussetzung für die künstlerisch freie und kreative Darstellung von Tieren, Pflanzen und Landschaften.
 

Die Kunst des Scherenschnitts (Fotos: Bodo Mertoglu)
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