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Neuer Glanz für alte Schätze

Künstlerin Birgit Blau-Paar verwandelt abgewohnte Möbelstücke mit viel Kreativität und handwerk-lichem Geschick in liebenswerte Unikate mit ganz besonderer Ausstrahlung.
Von Angelika Krause

Atelier geöffnet – dieser Einladung kann garantiert keiner widerstehen. Wer vor dem malerischen Backsteingebäude steht, in dem Birgit Blau-Paar lebt und arbeitet, fühlt sich von dem kreativen Miteinander von nostalgisch anmutenden Kommoden, schrillen Tischen und Stühlen, originellen Schränken und individuellen Accessoires geradezu magisch ange-zogen. Meist werkelt die Dresdner Künstlerin, die seit sechs Jahren mit ihrem Mann und den beiden Töchtern in der niedersächsischen Gemeinde Edewecht wohnt, im Hintergrund gerade an einem neuen alten Möbel, das sie vor dem Verfall gerettet hat. „Das sind keine Antiquitäten oder besonders wertvollen Stücke“, erklärt Birgit Blau-Paar, „sondern  abgenutzte und unmoderne Einrichtungsgegenstände, mit denen aber ganz viele Geschichten und Erinnerungen verbunden sind.“ Zu schade also, um sie im Keller verstauben zu lassen oder auf den Sperrmüll zu werfen. Mit einem einfachen Anstrich allein ist es jedoch nicht getan.

Die Innenarchitektin: „Großmutters alte unscheinbare Holzkommode braucht ein neues und zeitgemäßes Gesicht, damit sie in das Wohnambiente ihrer Enkel passt. Wenn mir jemand so ein Teil bringt, lasse ich mir vom Besitzer immer detailliert erklären – oder besser noch mit Fotos zeigen –, in welchem Umfeld es später einmal stehen soll.“

Manchmal romantisch, sonst eher flippig
Auch bei Möbeln, die sie auf dem Floh-markt oder bei Haushaltsauflösungen findet, fliegen ihr die kreativen Ideen nur so zu. „Für das Gesamtkonzept stellt sich natürlich erst die Frage, wie das Stück wirken soll, ob es am Ende eher romantisch, eher zurückhaltend oder flippig sein soll“, so die Künstlerin. Oft ist es ein schönes Detail, das sie betonen kann. Oder eine Besonder-heit in der Formgebung wird unterstrichen. Oder die Eigenarten eines längst vergangenen Trends werden her-vorgehoben: „Ich versuche dabei mit den unterschiedlichsten Techniken, seine besten Seiten sichtbar zu machen und den Blick des Betrachters in eine ganz bestimmte Richtung zu lenken.“ Und das zu vernünftigen Preisen: Für einen aufgemöbelten Nachttisch verlangt die Designerin etwa 80 bis 120 Euro, für einen Küchenschrank mit Glasfenstern zwischen 500 und 600 Euro. Eine Anrichte kostet etwa 300, ein Tisch um die 150 Euro.

Doch wie wird aus einem langweiligen und schäbigen Küchenstuhl ein echter Hingucker, ein Unikat mit einer besonderen Ausstrahlung? Über diese Frage kann Birgit Blau-Paar nur lachen: „Da gibt es so viele Möglichkeiten. Allein schon mit frischen Farben, Farbkombinationen und Lasuren lassen sich wunderbare und höchst interessante Effekte erzielen.“ Dabei verwendet sie häufig Gestaltungstechniken, mit Hilfe derer sie Elemente oder Motive aus der Natur einarbeitet. Das kann der Wedel eines Farns als Applikation sein. Oder eine exotische Pflanze, die sie mit einer gekauften oder selbst hergestellten Schablone als Dekor aufmalt. Ungewöhnliche Oberflächen schafft die Künstlerin durch Frottage – eine Methode, mit der Formen und Strukturen von Geweben, Holz oder Blättern reliefartig auf den Untergrund aufgebracht werden. Häufig spielt sie auch mit dem Shabby-Effekt: „Dann werden die Kanten zum Schluss noch mit feinem Schmirgelpapier angeraut, dann sehen sie nicht wie frisch lackiert aus. Das macht die alten Stücke irgendwie glaubwürdiger.“

MARMORIERTE PAPIERE SIND EINE BESONDERHEIT

Genauso fantasievoll verarbeitet Birgit Blau-Paar schönes Papier: „Ich liebe Papier, es lässt sich so vielfältig einsetzen. Wenn ich in einer fremden Stadt eine Papeterie sehe, decke ich mich immer mit Material ein.“ Das findet sich dann nicht nur verleimt und lackiert auf ihren Möbeln wieder, sondern kleidet auch viele ihrer Wohnaccessoires ein. Eine Besonderheit sind die marmorierten Papiere, die sie nach einem traditionellen Verfahren – und jahrelanger Übung – selbst herstellt. Sie schmücken höchst individuelle Schachteln, Stiftboxen, Briefpapierkästchen, Zettelblöcke und Notizbücher. Witzige Details runden die Objekte in ihrem Laden-Atelier ab. Das kann eine hintersinnige Aufschrift sein, kleine Rosen als Schubladenknöpfe oder Griffe in Besteckform fürs Büfett – an originellen Ideen mangelt es der Dresdnerin wirklich nicht. Ihr fällt sogar noch ein Verwendungszweck für einen Küchenschrank ein, der für eine weitere Bearbeitung zu beschädigt ist: Er steht jetzt als ein mit Pflanzen begrüntes Gesamtkunstwerk im Garten.

Angelika Krause
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