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Milchkosmetik

Schon in der Antike wussten die Menschen, dass sich Milch besonders gut für die Hautpflege eignet. Bäuerin Maria Walser hat das alte Hausmittel neu entdeckt und zeigt die Zubereitung der natürlichen Schönmacher.
Von Angelika Krause

Eine Postkartenidylle tut sich jedem auf, der Maria Walser auf dem Glaswinkler Hof besucht: Umgeben von saftigen Weiden und dunkelgrünen Wäldern liegt das Einödanwesen malerisch in die hügelige Tölzer Voralpenlandschaft eingebettet. Ein kleiner Stadel vor dem mit blühenden Rosen und Geranien geschmückten Wohnhaus ist das Reich der Altbäuerin. Nachdem sie den Hof vor vier Jahren an ihre Tochter übergeben hatte, renovierte sie mit Hilfe ihrer Familie das denkmalgeschützte Gebäude aus dem 16. Jahrhundert und richtete sich darin ein Kräuterstüberl ein. Wo ihre Vorfahren einst Kühe und Schweine beherbergten, gibt sie heute in Kursen und Seminaren nicht nur ihr Wissen über Nutzen und Verwendung von heimischen Wildkräutern weiter, sondern experimentiert auch mit Kosmetik aus Milchprodukten.

»Milch hat eine unglaubliche Konzentration an wertvollen Inhaltsstoffen, die sowohl innerlich wie auch äußerlich ihre Wirkung entfalten«, schwärmt Maria Walser, die gemeinsam mit ihrem Mann morgens und abends die 30 Kühe des Hofs versorgt. »In Bädern, Masken, Cremes oder Peelings ist sie eine ganz natürliche Pfl ege für Haut und Haare, die sich jeder schnell und unproblematisch zusammenmischen kann.«

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KLEOPATRA UND NOFRETETE
Schon die ägyptische Herrscherin Kleopatra und vor ihr die Königsgemahlin Nofretete erkannten die wohltuende Wirkung eines Milchbads für ihre Körperhülle. Auch die österreichische Kaiserin Sisi setzte auf das Schönheitselixier.
Dazu meint die Glaswinkler Bäuerin: „Heute weiß man, warum Milch die Haut geschmeidig, elastisch und glatt macht. Sie enthält Fette, die den Hautfetten sehr ähnlich sind. Trockene, gereizte und beanspruchte Partien können sich mit ihrer Hilfe bestens regenerieren und beruhigen.“ Ein wahres Wundermittel ist der Milchzucker, der die Feuchtigkeit besonders gut in die Haut einbinden kann. Aus ihm bildet sich darüber hinaus Milchsäure, die den natürlichen Säureschutzmantel der Körperhülle stabilisiert und so zur Stärkung der hauteigenen Abwehr gegen Keime und Bakterien beiträgt. Obendrein besitzt Milch eine Reihe von Mineralien, Proteinen und Vitaminen, die die Haut nicht nur glätten, sondern auch die Zellerneuerung und den Stoffwechsel anregen. Diese wertvollen Wirkstoffe sind auch eine Wohltat für strapaziertes und sprödes Haar: Eine Sahnekur lässt den Schopf schnell wieder seidig glänzen. Cremes, Bäder und Co., die aus Milchprodukten hergestellt werden, sind für jeden Hauttyp geeignet.
»Durch die Zugabe von ganz bestimmten Kräutern kann man aber auch gezielt auf individuelle Probleme einwirken«, erklärt die Kräuterpädagogin. Empfindliche Haut freut sich über die Beimischung von entzündungshemmendem Schachtelhalm, Kamille ist ideal für trockene Haut. Schafgarbe, Salbei und Thymian beruhigen gereizte Partien, Zitronenmelisse fördert die Durchblutung. Auch mit Möhren als »kosmetischer Zutat« hat die Glaswinklerin gute Erfahrungen gemacht: »Gelbe Rübe stabilisiert die Hornschicht der Haut und verleiht ihr gleichzeitig einen goldenen Schimmer. Deshalb hat die Gesichtsmaske eine so wunderbare Wirkung.«

Fast allen Pflegemitteln mischt die Kräuterfrau das Multitalent Honig bei, das die Haut regeneriert und mit einer Extraportion Feuchtigkeit versorgt. Die Verbindung des Frühstücksklassikers mit Milch ist unschlagbar – beispielsweise im »Samt und Seide«-Bad: Denn erst in dieser Kombination werden die ätherischen Öle aus den eingestreuten Blütenblättern gelöst und können ihre wohltuende Wirkung entfalten. Da die selbst gemachte Milchkosmetik keine Konservierungsstoffe enthält, sollte sie zügig verbraucht werden. Wer sich die feine Blüten-Milch-Creme (Seite 55) anrührt, kann sie in einem fest verschließbaren Tiegel im Kühlschrank zwei oder drei Wochen aufbewahren – vorausgesetzt, man fasst bei der täglichen Anwendung nicht mit den Fingern hinein, sondern nimmt einen Spatel zu Hilfe. Noch etwas länger bleibt sie haltbar, wenn man nach dem Pürieren langsam einen Teelöffel Honig untermischt. Dazu noch ein Tipp der Milch-Expertin: Wenn die Creme nicht fest werden will, hilft ein Esslöffel Sahnequark dabei, eine schöne, geschmeidige Konsistenz zu erreichen.
Angelika Krause 
 
Selbst gemachte Pflege für Haut und Haare
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