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Heilmittel für Frauen

Seit Jahrhunderten wissen heilkundige Frauen, welche Kräuter helfen können.
Susanne Seethaler hat das Wissen um diese alten Hausmittel zusammengetragen.

Über ein Jahr lang war Susanne Seethaler in ihrer oberbayerischen Heimat unterwegs. Bei schönem Wetter ist sie in stundenlangen Fußmärschen zu verwitterten Almhütten aufgestiegen, an anderen Tagen steuerte sie stattliche Gehöfte und denkmalgeschützte Bauernhäuser mit dem Auto an.

Die Frauen, die sie oben in den Bergen und unten im Tal traf, haben sie häufig hinausgeführt an ihre Lieblingsplätze in der freien Natur oder in ihre prächtig blühenden Gärten. Dort zeigten sie ihr ganz besondere Pflanzen – Frauenkräuter, die bei ihren weiblichen Vorfahren seit Jahrhunderten in hohem Ansehen standen.

„Mit diesen Gewächsen haben früher Sennerinnen, Bäuerinnen, Hebammen und ,Kräuterweiberl‘ Tees, Salben, Tinkturen und andere Heilmittel zubereitet, die bei speziell weiblichen Beschwerden Linderung verschaffen sollten. Auf abgelegenen Almen und Höfen waren die Frauen damals im Krankheitsfall meist auf sich selbst gestellt und vertrauten auf die von Generation zu Generation überlieferten Hausmittel“, erklärt die Brauchtumsforscherin, die den alten Erfahrungsschatz in ihrem unterhaltsam geschriebenen Buch „Das Heilwissen der Frauen vom Land für den weiblichen Körper“ zusammengetragen hat.

Susanne Seethaler erinnert sich immer noch an die Ehrfurcht, die sie des Öfteren ergriffen hat, wenn die Bäuerinnen bei ihren Besuchen die Aufzeichnungen ihrer Mütter und Großmütter aus den Kommodenschubladen hervorkramten: zerlesene Kräuterfibeln, die mit Unterstreichungen und Kommentaren gespickt waren, abenteuerlich anmutende Zettelsammlungen oder mit handgeschriebenen Texten und Pflanzenzeichnungen fein säuberlich gefüllte Notizhefte.

Darin fand sie bewährte Rezepturen, die Frauen auf dem Land heute weiterhin anwenden – zur Linderung von Blasenentzündungen, Menstruationskrämpfen, Schwangerschaftsübelkeit und Beschwerden in den Wechseljahren, zur Erleichterung der Geburt und zur Stärkung des Unterleibs, aber genauso zur Pflege von Haut und Haar.

Alte Bauernweisheit
Oft bekam die Autorin, die sich auch mit ihren Kochbüchern einen Namen gemacht hat, bei ihren Gesprächen eine alte Bauernweisheit zu hören: Was ums Haus herum gedeiht, das braucht der Mensch, der darin wohnt.

„Viele der Heilpflanzen für Frauen stehen in jedem Garten – beispielsweise Salbei, der seit der Antike sogar ,Frauenkraut‘ genannt wird. Seine Wirkung bei lästigen Hitzewallungen während der Wechseljahre und als Hilfe beim Abstillen schätzen die Frauen bis in die Gegenwart“, so die Köchin.

Die Schafgarbe, die im Volksmund so klangvolle Bezeichnungen wie „Augenbraue der Venus“, „Frauendank“ oder  „Gotteshand“ hat, besitzt in der Frauenheilkunde ebenfalls hoch geachtete Eigenschaften. Der zart duftende Korbblütler soll die Blutung während der Periode regulieren, in der Stillzeit wunde Brustwarzen heilen und Unterleibskrämpfe lösen.

„Wie vielen anderen Frauenkräutern auch wurden der Schafgarbe darüber hinaus große magische Kräfte zugeschrieben“, ergänzt die Brauchtumsexpertin. „Jahrhundertelang haben ,weise Frauen‘ die Blüten verräuchert, um im aufsteigenden Rauch die Zukunft lesen zu können. Dieses Ritual wird manchmal heute noch in den Raunächten zwischen Heiligabend und dem Dreikönigstag vollzogen.“

„Weiberkittel“ für den Tee
Großes Ansehen genießt in der bäuerlichen Frauenheilkunde nach wie vor der Frauenmantel, der mit seinen gefingerten Blättern die Almböden überzieht. Traditionell wird der „Weiberkittel“ als Tee während der Periode eingesetzt, um starke Blutungen zu mindern und Krämpfe zu lindern.

Eine weitere Heilpflanze, mit der bei dieser Art von Beschwerden Generationen von Landfrauen gute Erfahrungen gemacht haben, ist das Gänsefingerkraut. Der kleinen Pflanze wird nicht nur eine entkrampfende, sondern ebenso eine beruhigende Wirkung nachgesagt. Die Kräutermilch, deren Rezeptur von einer Bäuerin aus dem Tegernseer Tal stammt, hilft deshalb, vor dem Zubettgehen getrunken, auch beim Einschlafen.

Neben den Frauenkräutern kommen in den überlieferten Rezepturen „Zutaten“ zum Einsatz, die auf jedem Hof oder in der Küche zu finden sind. Wickel mit Lehm – ein weit verbreitetes Heilmittel – helfen nach dem Abstillen bei schmerzenden Brüsten, getrocknete Pflaumen bringen bei Verstopfung den Darm wieder in Schwung und ein Fußbad in kaltem Wasser kräftigt die Organe im Unterleib.

Susanne Seethaler: „Und für ihre Schönheit haben die Frauen schon damals die Speisekammer geplündert und sich mit Eiern Haarkuren, mit Sahne und Quark Gesichtsmasken und mit lauwarmem Kartoffelpüree Handpackungen angerührt.“
 
Heilmittel für Frauen - Text: Angelika Krause, Fotos: Peter Raider
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