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Filztiere zum Selbermachen

Das Filzen von Schafwolle ist ein schönes altes Handwerk. Ute Staudacher hat die kreativen Möglichkeiten dieser traditionellen Textilkunst neu entdeckt und fertigt aus den farbigen Vliesen Frösche, Vögel, Hasen und Co.
Von Angelika Krause

Wenn das die Professoren gewusst hätten. Als Studentin saß Ute Staudacher immer fleißig in der Bibliothek der juristischen Fakultät. Doch statt sich mit den Fallstricken der Rechtsprechung vertraut zu machen, zeichnete sie. Ein neues Stickmuster, eine Vorlage für einen witzigen Topflappen, eine verwegene Deko-Idee, eine Skizze für ein Puppengesicht –  es gab immer irgendein kreatives Projekt, das viel wichtiger war als die Lehrbücher. Das Examen hat sie trotzdem mit guten Noten bestanden.  

VOM FILZ-FIEBER HAT SIE SICH ANSTECKEN LASSEN

Die Gesetzestexte, die immer noch unberührt im Schrank verstauben, werden heute flankiert von zahlreichen Handarbeitsbüchern mit dem Schwerpunkt auf textilen Techniken. Einige davon hat die fingerfertige Juristin auch selbst verfasst – allein oder zusammen mit Koautoren.Vom Filz-Fieber hat sie sich schon vor Jahren anstecken lassen, wobei sie das Trockenfilzen vorzieht. Hierbei benötigt man – im Gegensatz zum Nassfilzen, bei dem mit heißem Wasser, Seife und Reibung gearbeitet wird – nur eine Filznadel. „Diese hat am Ende kleine Widerhaken, sodass sich bei jedem Stich in die Wolle die Fasern immer stärker ineinanderziehen und das Ganze stetig fester wird“, erklärt die Expertin. Gängig sind drei Stärken. Die grobe wird für die anfängliche Formgebung verwendet, die mittlere und die feine für die Details. Ute Staudacher: „Wichtig ist bei allen Nadeln, dass sie immer senkrecht eingestochen werden und während des Filzens das Modell immer wieder gedreht wird, um eine optimale Stechposition zu haben.“ Als Arbeitsunterlage dient dabei ein vier Zentimeter dicker Schaumstoffrest oder ein Autoschwamm.

Das Wichtigste beim Filzen ist natürlich die Wolle. Grundsätzlich eignen sich zum Nadelfilzen die kurzfaserigen, nicht gekämmten Wollqualitäten besser als die langfaserigen im Kammzug, weil sie schneller verfilzen. „Gut sind vor allem Filzwollen im Vlies, Bergschafwolle, Märchenwolle und Wolle, die speziell zum Nadelfilzen angeboten wird“, so die Textil-Künstlerin.

NATURALISTISCHE TIERE,  DIE LEBENDIG WIRKEN

Eine Blaumeise, die ständig die Futterstelle vor dem Fenster ihres Ateliers belagerte, hat sie vor einem Jahr auf die Idee gebracht, Vögel und andere kleine Tiere so naturgetreu wie möglich nachzufilzen. „Im Internet und in Biologiebüchern habe ich mir ganz genau angesehen, wie ihr Federkleid strukturiert ist, was für eine Kopfhaltung sie hat und so weiter“, erinnert sie sich. „Dann habe ich mir eine Arbeitsvorlage gezeichnet und so lange mit der Filzwolle herumexperimentiert, bis die Meise fast lebendig aussah.“ Ein zu plumper Korpus oder eine zu starre Augenstellung wirken dabei genauso unnatürlich wie ein falsch angesetztes Ohr. „Aber das ist ja das Gute beim Trockenfilzen, dass sich vieles auch wieder rückgängig machen lässt“, beruhigt Ute Staudacher.

Was an der falschen Stelle aufgefilzt wurde, kann man wieder herauszupfen und zu tiefe Kerben lassen sich einfach aufpolstern. Auch kleine Blessuren, die die wolligen Geschöpfe manchmal davontragen, wenn die Kinder zu wild mit ihnen spielen, werden so behoben. Mittlerweile ist die animalische Filz-Schar im Hause Staudacher zu einem veritablen Kleintierzoo angewachsen. Neuestes Mitglied im Kuschel-Clan ist eine pfiffi ge junge Waldohreule namens Willma. Exklusiv für alle Leser der LandIdee verrät die Textilkünstlerin Schritt für Schritt, wie der etwa zwanzig Zentimeter hohe Vogel angefertigt wird. Der Zeitaufwand beträgt etwa drei Stunden. „Das sieht schwieriger aus, als es ist“, betont Willmas Schöpferin. „Auch Anfänger werden mit der ausführlichen Anleitung gut zurechtkommen und sicherlich ein schönes Erfolgserlebnis haben.“

Angelika Krause
 
Fabelhafte Filztiere
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