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Edle Blüten aus den Alpen

Der Familienbetrieb von Giselher Cramer gilt als eine der schönsten Gärtnereien Bayerns:
Im idyllischen Berchtesgadener Land gelegen, werden dort wunderschöne, zum Teil auch winterharte Orchideen gezüchtet. Wir besuchten die Gärtnerei am Fuße des Watzmanns.

Orchideen am Fuße des Watzmann

Der Watzmann. Groß und mächtig, schicksalsträchtig. Um seinen Gipfel jagen Nebelschwaden. Der markante Berg im Berchtesgadener Land ist nicht nur unter Alpinisten eine feste Größe. Spätestens seit Wolfgang Ambros’ Drama „Der Watzmann ruft“ genießt der 2700 Meter hohe Eisriese Kultstatus.

Nur einen Steinwurf von Schründen, Schrägen und Scharten entfernt blühen indes tropische Orchideen. Orchideen in Sichtweite des Watzmanns? Verantwortlich für dieses Wunder ist ein passionierter Gärtner: Giselher Cramer.

Wer seine Gewächshäuser betritt, lässt die raue bayerische Bergnatur hinter sich und betritt einen tropischen Garten Eden. Eine blühende „Allpracht“ leuchtet mir in Rosa, Purpurrot, Violett, Weiß und Gelb entgegen. Die Orchideen sind wahrhafte Paradiespflanzen, die himmlische Duftmarken setzen. Ich bin schier erschlagen von der Vielfalt symmetrischer Formen, der Fülle poppiger Farben, dem harmonischen Ganzen ihrer Erscheinung. Die unbändige Leuchtkraft, die bunt getüpfelte Palette ihrer Blütenblätter lassen die „Wundertüten“ als Boten des ewigen Sommers erscheinen.

Neben mir steht der Schöpfer dieses Paradiesgartens mitten im Gebirge. Cramer züchtet und kultiviert seit 40 Jahren Orchideen und hat rund 2500 Kreuzungen auf dem „Kerbholz“. Eine seiner ersten Züchtungen benannte er nach seinem Vater Gerd Cramer', andere Familienangehörige wie Sohn Alexander folgten. Und auch der Berchtesgadener Landrat Georg Grabner bekam zu seinem sechzigsten Geburtstag vor zwei Jahren eine von Cramer designte Orchidee geschenkt.

Und er findet immer noch etwas Neues, etwas Interessantes für seine Kollektion. Der 65-Jährige kennt alle seine Schützlinge beim korrekten lateinischen Namen – von Paphiopedilum pinocchio über Dactylorhiza purpurella bis Phalaenopsis 'Bischofswiesen'. Ich bin schon froh, dass ich die gängigsten Gattungen am Blütenmarkt im Kopf behalten habe: Paphiopedilum, die Venusschuhfraktion, Cattleya, Phalaenopsis und Vanda.

Insgesamt wachsen um die 800 Orchideenarten unter den Glasdächern seiner Gärtnerei. Weltweit sind rund 30.000 Naturformen bekannt, die mit Abstand meisten davon als Epiphyten in den tropischen Wäldern Asiens oder Südamerikas. Doch es gibt auch farbenprächtige Gattungen wie Cymbidium oder Dendrobium, bei denen einige Arten kühlere Gefilde und Felsspalten bevorzugen.

Bei uns in Deutschland sind immerhin 60 Orchideenarten heimisch – 40 davon im Berchtesgadener Land. Die Zahl der von Gärtnerhand gezüchteten Hybriden weiß nicht einmal ein Experte wie Cramer zu beziffern.

„Weshalb ich zu den Orchideen gekommen bin?“ Cramers Stimme klingt amüsiert: „Eigentlich ganz profan. 1972 habe ich meinen Meister gemacht – und habe überlegt, wie ich mich von den anderen Gärtnereien absetzen könnte. Wir waren ja nur ein kleiner Betrieb. Mein Vater hat nach dem Krieg mit Gemüse angefangen, später kamen dann Topfpflanzen und Schnittblumen hinzu. Also was tue ich? Ich habe damals in Berlin gearbeitet – und da hatten wir drei Tische mit Orchideen.


Von der Paprika zur Phalaenopsis

Davon habe ich 40 Stück in meine alte Karre gepackt und bin zurück ins Berchtesgadener Land getuckert. Am Anfang war das also keine Liebhaberei, sondern der Gedanke, etwas zu haben, das in den anderen fünf Gärtnereien, die es hier damals noch gegeben hat, fehlt.“

Doch die Infektion mit dem Orchideen-Bazillus war unausweichlich: „1975 waren wir für drei Tage beim Weltorchideenkongress in Frankfurt – und da hat es mich dann ,erwischt‘. Ab dem Zeitpunkt sind wir dann regelmäßig jedes Jahr einmal quer durch Deutschland gefahren und haben uns Orchideengärtnereien angeschaut – und haben eingekauft.

Das Geld, das wir mit den Geranien verdient haben, haben wir für Orchideen ausgegeben.“ Der eigentliche Boom kam jedoch erst Ende der 1970er-Jahre, rekapituliert Cramer. „1978 war am Nockherberg eine Orchideen-Ausstellung. Da haben wir uns gesagt: Da stellen wir jetzt einfach mal unsere erste eigene Kreuzung aus. Und die Resonanz der Züchter war: Uiih, was habt’s denn ihr da Schönes!“

Phalaenopsis-Kreuzungen wurden daraufhin sukzessive zur Spezialität des Hauses: „Als Erstes bestimmt man die Auswahlkriterien. Also was will ich? Kleinere oder größere Blätter in welcher Farbe, dann der Aufbau der Rispe, will ich Topfpflanzen oder Schnittblumen? Dann geht man her und sucht aus Hunderten von möglichen Mutterpflanzen die zwei vermeintlich besten, schönsten heraus – und die vermehrt man.“

Beim Züchten kam Cramer seine Vorstellungskraft zugute: „ Ich hab vielleicht so einen Art siebten Sinn, wo ich hin möchte. Und eine Gabe zu erkennen, welches Exemplar sich als Mutterpflanze eignet und welche nicht. Dadurch, dass ich sie von klein auf gezogen habe, habe ich ein relativ gutes Gespür entwickelt, welche Pflanze schneller wächst und früher zum Blühen kommt.

Und die habe ich mir dann schon mal zur Seite gelegt.“ Die Selektion der Jungpflanzen bestimmt ganz wesentlich den Erfolg einer Neuzüchtung. „Ich habe mich immer gefragt: Warum hat die stabilere Blätter? Warum blühen die einen früher? Weshalb ist der Aufbau harmonischer? Also das Gute bleibt im Stall – dann kann ich weiter kreuzen.“

Dabei ist die Vermehrung und Kreuzung von Orchideen nicht so einfach, denn in der Natur brauchen sie spezielle Pilze, um zu wachsen.

 

Noch viel mehr über unseren Besuch in Giselher Cramers Orchideen-Gärtnerei finden Sie im aktuellen Heft.

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