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Die Heilkraft der Rose

Schon in der Antike wurde die „Königin der Blumen“ wegen ihres Duftes und ihrer kostbaren Wirkstoffe geschätzt. Die Heilpraktikerin Heike Maringer stellt in ihrem Rosengarten die schönsten Anwendungen vor.

Schwer hängen die gefüllten rosafarbenen Blütenköpfe an den dornigen Zweigen. Ein betörender, sinnlicher Duft steigt in die Nase, sobald man sich dem kräftigen, hoch gewachsenen Strauch nähert. „Die Damaszener-Rose erregt wegen ihres ganz besonders edlen und intensiven Geruchs sofort Aufmerksamkeit“, bestätigt Heike Maringer bei einem Rundgang durch ihren wunderschönen Rosengarten, in dem es mit jedem Schritt etwas Neues zu entdecken gibt.

„Sie gehört zu den ganz alten Rosensorten und ist vermutlich im 13. Jahrhundert mit den Kreuzrittern aus Kleinasien, wo sie schon seit der Antike kultiviert wurde, zu uns nach Europa gekommen.“

Tinkturen, Salben und Tees
Wenig später landete sie dann – wie andere Rosensorten auch – in den Klostergärten und diente den heilkundigen Ordensleuten zur Herstellung von Tinkturen, Salben, Tees und weiteren Arzneimitteln. Jahrhunderte hindurch kamen ihre Rezepturen bei einer ganzen Reihe von Krankheiten und Beschwerden zur Anwendung – bei Hautproblemen, Abschürfungen, Infektionen und Verbrennungen genauso wie bei Blasenentzündungen, Magen-Darm-Problemen und vielerlei Schmerzen.

„Glücklicherweise sind diese alte Erkenntnisse nicht verloren gegangen, sodass wir auch heute noch wissen, wie wir die kostbaren Inhaltsstoffe der Rose für unsere Gesundheit und zur Steigerung des Wohlbefindens nutzen können“, so die Heilpraktikerin, die ihre Erfahrungen in Kursen und Workshops in ihrem unterfränkischen Heimatort Schöllkrippen weitergibt.

Heilen und pflegen
Ihren Rosengarten – ein lange gehegter Traum – hat die Mutter zweier Kinder vor vielen Jahren angelegt, weil sie von Duft und Schönheit der königlichen Blumen fasziniert war. Bei der Arbeit mit den Pflanzen entdeckte sie dann deren kulinarische, heilende und pflegende Einsatzmöglichkeiten. „Die vielfältigen Wirkstoffe sind vor allem in den Blütenblättern und den Früchten – den Hagenbutten – enthalten“, erklärt die Kräuterpädagogin, die in ihrer Praxis Phytotherapie mit Ernährungsberatung kombiniert.

„Die wertvollsten Bestandteile, die die Blüten bergen, sind ihre ätherischen Substanzen – beispielsweise Nerol und Geraniol. Insgesamt enthalten sie mehr als 400 dieser Stoffe, die aber bis heute bei Weitem noch nicht alle von der Wissenschaft identifiziert werden konnten.“

Kostbarstes Rosenöl
Ätherisches Rosenöl ist daher nicht nur eines der komplexesten, sondern ebenso eines der kostbarsten Öle – für die Herstellung von einem Milliliter werden fünf Kilogramm Blüten benötigt. Beim Kauf empfiehlt Heike Maringer, darauf zu achten, dass es sich um eine naturreine und keine synthetische Essenz handelt: „Entsprechend der vielfältigen Inhaltsstoffe hat nur das echte ätherische Rosenöl ein breites Wirkungsspektrum.

Seine wundheilenden, entzündungshemmenden, desinfizierenden, entkrampfenden und beruhigenden Eigenschaften können vor allem bei Hautproblemen, Kreislaufbeschwerden oder Kopfschmerzen zum Einsatz kommen.“ Gleichzeitig hat der Duft über den Geruchssinn auf die Gefühle Einfluss: Bei depressiven Verstimmungen, Stress und Ängsten wirkt ätherisches Rosenöl harmonisierend und stärkend.

Deshalb pflegt ein Rosen-Badesalz nicht nur die Haut, sondern hebt auch die Stimmung und lässt den Alltag vergessen. Ein Tipp der Expertin für alle, die dieses Badesalz verschenken wollen: Ohne Jojobaöl hergestellt, kann man es gut portionsweise in Teefilter aus Papier füllen und mit einem Bändchen und einer Rosenblüte verzieren. In Kunststoffbeutel verpackt – nicht aus Zellglas, denn das wird vom Salz weich – bewahren sie ihr Aroma etwa ein Jahr.

Heilkraft der Blüten
Doch die Blütenblätter enthalten neben den ätherischen Ölen noch weitere heilkräftige Substanzen – beispielsweise Gerbstoffe und Flavonoide. „Diese Inhaltsstoffe wirken blutreinigend, entzündungshemmend, antiseptisch, zusammenziehend und stopfend. Sie fördern die Wundheilung und lindern Hauterkrankungen, helfen aber genauso bei Durchfall, Infektionen und Entzündungen“, erläutert die Phytotherapeutin.

In einem mit Rosenblüten angesetzten Likör oder Essig kann man sich diese Wirkstoffe ebenso zunutze machen wie im Rosenhonig oder einer krampflösenden Teemischung. Besonders vielseitig einsetzbar ist darüber hinaus Rosenwasser, das sich gut selbst herstellen lässt. Eine kleine 0,5-Liter-Destille für den Hausgebrauch, für die keine Zollgenehmigung erforderlich ist, kostet etwa 75 Euro.

Die Heilpraktikerin: „Egal ob bei der Zubereitung frische oder getrocknete Blüten verwendet werden: Wichtig ist, dass sie von stark duftenden Rosen stammen. Am besten eignen sich dafür Damaszener-Rosen wie die Rosa damascena ’Trigintipetala’ oder Rosa damascena ’Ispahan’. Auch die Centifolien haben sich bewährt.“

Nur ungespritzte Rosen
Grundsätzlich rät Heike Maringer, bei allen Zubereitungen unbedingt nur die Blätter von ungespritzten Rosen zu verarbeiten. In ihrem Garten hat sie hauptsächlich alte Sorten und Wildrosen angebaut, da diese intensiver duften und robuster sind als die Neuzüchtungen. Neben den oben erwähnten findet sich die geruchsstarke und öfter blühende Rose de Resht, die vor allem für kleinere Gärten empfehlenswert ist. Herrliche Farben und betörende Düfte bringen Rosa rugosa ’Hansa’ und ’Roseraie de l’HaŸ’ in die Beete.

Prachtvolles Aussehen mit wertvollen Inhaltsstoffen kombinieren die Sorten ’Sidonie’ und ’Indigo’, die außerdem zur Freude jedes Gartenbesitzers im Spätsommer noch einmal nachblühen.  Zum Trocknen eignen sich die Apothekerrosen gut – Rosa gallica ’offici-
nalis’ und Rosa gallica ’Versicolor’.

Wenn die letzten Blütenblätter im Hochsommer geerntet sind, wachsen an den Sträuchern der Wild- und Heckenrosen allmählich die Hagebutten heran, die ebenfalls reich an heilkräftigen Substanzen sind. „Diese Scheinfrüchte, die aus vielen kleinen Nüsschen bestehen, sind wahre Wirkstoffwunder“, schwärmt die Ernährungsberaterin.

„100 Gramm Hagebutten können bis zu drei Gramm Vitamin C enthalten. Dazu kommen die Vitamine A, E, B, K, viele Mineralstoffe, ätherische Öle, Lecithin und Karotinoide.“ Ein aus den frischen oder getrockneten Früchten gekochter Tee hilft daher hervorragend zur Vorbeugung und Behandlung von Infektionskrankheiten.

Wer die roten Vitaminbomben trocknet, hat einen schönen Vorrat für die Wintermonate – und kann daraus ein schmerzlinderndes Mittel für Gelenkrheumatismus zubereiten. Heike Maringer: „Dazu muss man die Hagebutten einschließlich der Nüsschen mit dem Blitzhacker so fein wie nur möglich pulverisieren. Dieses Pulver wird kurmäßig über einen längeren Zeitraum hinweg täglich einmal in etwas Quark oder Joghurt eingerührt und eingenommen.

Die lindernde Wirkung bei Gelenkrheumatismus wurde in Studien bestätigt, ebenso scheint eine Anwendung bei Rückenschmerzen vielversprechend.“ Empfindliche Menschen verspüren allerdings beim Schlucken des Pulvers ein Kratzen im Hals: Dieses leicht unangenehme Gefühl verursachen die feinen Haare, die die Nüsschen über und über bedecken.

Öl aus Hagebuttenkernen
Aus diesen Kernen wird auch ein Öl für die äußerliche Anwendung hergestellt, das reich an ungesättigten Fettsäuren und Vitamin A ist. Es fördert die Zellerneuerung, reguliert den Hautstoffwechsel, strafft und nährt die Körperhülle, vermindert die Faltenbildung und beugt Schwangerschaftsstreifen vor.

„Aufgrund seiner wundheilenden Eigenschaften kann man es gut bei der Narbenbehandlung einsetzen – zum Beispiel bei Akne oder Verbrennungen. Die Creme für die Lippen, die wir mit diesem Öl zubereitet haben, kann deshalb genauso als milde Wund- und Heilsalbe für betroffene Körperpartien verwendet werden“, ergänzt die Rosenexpertin.

Von Angelika Krause
Die Heilkraft der Rose - Fotos: Peter Raider
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