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Der Zug der Kraniche: Eleganz im Anflug

Im Herbst machen die Graukraniche auf ihrem Flug in den Süden Station in und um den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Diese imposanten, scheuen Vögel versetzen die Region in ein wahres »Kranichfieber«.
Von Britta Werth

Majestätisch schweben die grauen Vögel morgens in großen Schwärmen von ihren Schlafplätzen auf die nahe gelegenen Felder, um sich dort tagsüber satt zu fressen. Der Herbstzug der Kraniche, das einzigartige Naturschauspiel an der Ostseeküste, zieht jedes Jahr viele Vogelliebhaber in die Region. Alle wollen einmal diese atemberaubende Rast der Tiere miterleben. Die Küstenregion von Mecklenburg-Vorpommern ist das größte Sammelgebiet für Kraniche in Mitteleuropa. Die Vögel kommen aus ihren Sommerquartieren in Skandinavien und stärken sich unterwegs in Deutschland für ihren langen Flug nach Spanien oder teils noch weiter südlich. Zu Tausenden sammeln sich die Vögel, die auch als Glücksboten oder Wahrzeichen für ein langes Leben gelten, an der Ostseeküste.

FRÜHE MUSIKANTEN
Der Morgen beginnt meist mit lautstarkem Kranich-Trompeten, das wie ein Soundtrack der Tiere für die Natur klingt. Bis zu 45 000 Kraniche halten sich gleichzeitig im Naturschutzgebiet auf. Sie alle begrüßen jeden neuen Tag mit ihren unvergesslichen Trompetenrufen. Jungvögel lassen dagegen nur ein hohes Fiepen hören. Die Kraniche starten in Scharen von ihren Schlafplätzen in den Feuchtgebieten der Region und fliegen anmutig zu den Feldern der Umgebung. Dort fressen sie auf den Stoppelfeldern die Körner, mit Vorliebe Mais, die nach der Ernte auf den Feldern liegen geblieben sind, oder sie graben die Könerleckerbissen mit ihren spitzen, langen Schnäbeln aus der Erde.

MARATHON-FLIEGER
Mit Rückenwind erreichen Kraniche eine Fluggeschwindigkeit von 100 km/h. Charakteristisch fliegen sie in einem Schwarm und ordnen sich während des Fluges in einer v-förmigen Keilformation an. Normalerweise legen die Kraniche auf ihrem Zug an einem Tag 300 bis 800 Kilometer zurück. Aber wenn es sein muss, können die ausdauernden Vögel auch bis zu 2000 Kilometer am Stück fliegen.  Bei den Kranichen unterscheiden sich Hahn und Henne optisch nur auf den zweiten Blick. Der männliche Vogel ist etwas größer und kräftiger gebaut. Seine Schmuckfedern fallen jedoch deutlich prächtiger aus. Hähne wiegen circa sieben Kilo und Hennen im Schnitt ein Kilo weniger. Ein Kranichpaar bindet sich fürs ganze Leben. Daher werden die Vögel auch als Synonym für Treue angesehen. Stirbt ein Partner, sucht der andere oft über lange Zeiträume nach seiner fehlenden Hälfte.

SCHUTZ VOR DEM ANSTURM
Als Grundregeln für die Beobachtung der wachsamen, scheuen Kraniche gelten: unauffällige Kleidung, Abstand halten und keine hektischen Bewegungen. Man sollte, wenn man Kraniche auf den Feldern sieht, unbedingt im Wagen sitzen bleiben, um die scheuen Tiere nicht zu erschrecken und dadurch zu vertreiben. Teils sind sogar spezielle Plattformen für vogelbegeisterte Besucher aufgebaut. Von dort hat man einen guten Überblick über die Futterplätze der Kraniche. Für den Ort Pramort und das dortige Umfeld benötigt man eine so genannte Nationalpark-Card. Um die Tiere nicht zu stören, werden die Besucherzahlen begrenzt. Die speziellen Eintrittskarten werden für den jeweiligen Tag am Kontrollpunkt östlich der Nationalparkausstellung verkauft. Sie gelten für den Zeitrahmen von 15 bis 19 Uhr, nur am selben Tag. Eine Karte zu ergattern, ist ein bisschen Glückssache. Doch wer eine bekommt, wird mit einem ganz besonderen Kranicherlebnis belohnt, da hier unzählige Vögel rasten.

PER SCHIFF ZUM SCHWARM
Um die Ungestörtheit der Tiere sicher zu stellen, wird die Region von den sogenannten Kranich-Ranchern kontrolliert. Aufregend ist die Kranichbeobachtung auch vom Schiff aus. Am Abend bieten Fahrgastschiffe Fahrten zum Kranicheinflug in deren Schlafgebiete an. Bleibt das Schiff weit genug von den Schlafplätzen entfernt, wird es nicht selten von den Vogelschwärmen über- und umflogen.

Mehr Infos über den Zug der Kraniche gibt es unter www.kraniche.de und www.nationalpark-vorpommersche-boddenlandschaft.de 
Britta Werth
Eleganz im Anflug
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