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Der geflügelte Garten

Das Paradies des Markus Gastl hat einen Namen, der Programm ist. „Hortus Insectorum“ – Insektengarten, so hat der Öko-Freund seinen Wundergarten genannt. In jahrelanger harter Arbeit hat der überzeugte Artenschützer ein Refugium für Pflanzen und Insekten geschaffen.

Kleine, freche, schlaue Biene Maja. Maja fliegt durch ihre Welt, zeigt uns das, was ihr gefällt.“ Der „Hortus Insectorum“ würde Maja garantiert gefallen. Sie würde den über einen Sandhaufen schwirrenden Wildbienen Hallo sagen und der über den Teich propellernden Libelle mit grazilem Flügelschlag zuwinken.

Die kesse Fernsehbiene würde mit einem orangeroten, mit schwarzen Flecken besprenkelten Schmetterling, einem Landkärtchen, um die Wette flattern und zwei Gelbbauchunken dabei zusehen, wie sie mit kräftigen Schenkelschlägen durch eine schlammbraune Pfütze pflügen. Wie Maja bin auch ich auf Besuch im Hortus des Markus Gastl im mittelfränkischen Beyerberg. Was mir als erstes auffällt, als sich das Gartengatter vor mir auftut, ist das berauschende Gefühl, in ein einziges Blütenmeer einzutauchen.

Ein wilder, aromatischer Duft liegt in der Luft. Alle Arten von Pflanzen heimischer Provenienz wurzeln in den mageren, nährstoffarmen Böden, die sie brauchen, um zu voller Blütenpracht heranzureifen. Die Stauden, Sträucher und Büsche der sogenannten „Pufferzone“ schirmen den inneren Bereich, den „Hot Spot“ des Steingartens, gegen die überdüngten Wiesen in der Nachbarschaft mit ihrem monotonen Hahnenfuß- und Löwenzahn-„Plantagen“ ab.

Im naturnahen „Gastl-Garten“ schüttet dagegen Flora ihr Füllhorn aus. Die Blüten von Hunderten von Blumen versorgen die geschäftig surrenden und brummenden Insekten mit dem nötigen Nektar. Im Frühjahr sind es Tausende von Krokusse und Huflattiche, die Sandwespe, Wollschweber und andere Haut- und Netzflügler mit ihren Pollen anlocken. Im Sommer blühen neben Schafgarbe, Wilder Möhre und Färberkamille auch Klappertopf, Skabiosen und die ganze bunte Palette anderer Wildblumen.
 

Die blühenden Wiesen versorgen die „fleißigen Bienchen“ mit Futter, die dafür wiederum die Bestäubung erledigen, um so im ewigen Wechselspiel den Kreislauf der Natur im Gang zu halten. Im Zeichen des Bienensterbens und des rapiden Rückgangs der Zahl der Insekten allein in den letzten 10 Jahren ist der Akt der Bestäubung indes kein „Selbstläufer“ mehr. Und hier kommt der „Kapitän“ der kleinen Arche Noah ins Spiel, der mithelfen will, dass die Rädchen weiter ineinandergreifen und jeder Passagier den ihm zustehenden Platz an Bord bekommt.

Ein insektenfreundlicher Garten aus einem Gelübde

Obstbäume pflanzen, Blumenzwiebel stecken, säen, jäten, Steine schleppen. Seit nunmehr sieben Jahren hat sich Gastl abgemüht und mit „eigener Hände Arbeit“ den Humus in die Randzonen verfrachtet, Lkw-Ladungen voller Bruchsteine in den Garten gekarrt, Dachziegel zu Insektenhotels ausgebaut. Stück für Stück, Schaufel für Schaufel, hat der Garten in seiner Vorstellung sichtbar Gestalt angenommen.

Der 45-jährige hat Steinpyramiden aufgetürmt, Schotter-und Sandbeete aufgehäuft, Totholzhaufen aufgeschichtet. Dort findet alles, was da „kreucht und fleucht“, Schutz und Unterschlupf, da finden Wildbienen ideale Nistbedingungen. Oberstes Ziel des Bauvorhabens: eine an der natürlichen Vielfalt orientierte Gartenanlage zu schaffen und alle ökologischen Nischen zu besetzen.

Mit seiner „Händewerk“ hat er auch ein Gelübde erfüllt, das er am Ende einer zweijährigen Fahrradtour quer durch Amerika abgelegt hatte. Zu Hause eine Art „Garten Eden“ anzulegen, um etwas gegen die immer weiter um sich greifende Zerstörung der Natur – wie er sie im Amazonasgebiet hautnah erlebte – zu unternehmen. Ein Zeichen zu setzen, dass es auch anders geht, dass wirklich jeder – und sei es auch nur im kleinen Maßstab – etwas tun kann.
 

Noch viel mehr über unseren Besuch in Markus Gastls Hortus Insectorum sowie Tipps für einen eigenen Insektengarten finden Sie im aktuellen Heft.
Der geflügelte Garten - FOTO: Markus Gastl TEXT: Dinesh Bauer
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