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In den Ofen geguckt bei ... der Apfelgräfin

In der Uckermark, wo die Natur fasziniert und das Land dünn besiedelt ist, verwandelt Gräfin von Arnim Äpfel aus eigenem Anbau in eine erstaunliche Vielfalt von Plätzchen, Säften und Brotaufstrichen.

Die kurze Fahrt führt von Berlin nach Norden, durch das bezaubernde Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ins Herz der Uckermark. Endlose Alleen mit altem Baumbestand, goldenes Licht, malerische Dörfer und immer wieder kleine Seen (über 400!): Das Leben schlägt hier in einem ruhigeren, freundlicheren Takt.

In der Nähe des Boitzenburger Schlosses findet der Besucher Gut Lichtenhain, das Zuhause der Daisy von Arnim, genannt „Die Apfelgräfin“.

URDEUTSCHER ADEL
Bis ins Jahr 1204 kann die Familie ihre Wurzeln zurückverfolgen. Damals wurde ein „Alardus de Arnem“ erstmals urkundlich erwähnt. Achim von Arnim gehörte zu den großen Schriftstellern der deutschen Romantik, seine Frau Bettina zierte einst den Fünfmarkschein.

Über verschiedene Zweige des Stammbaums sind die von Arnims über Jahrhunderte hinweg ein fester Bestandteil europäischer Kultur geblieben. Einer der Stammsitze war seit jeher Schloss Boitzenburg in der Uckermark, das der Familie jedoch 1945 genommen wurde.

Als Daisy von Arnim und ihr Ehemann Michael sich Mitte der 90er-Jahre entschlossen, von Helmstedt zurück in die alte Heimat zu ziehen, mussten sie daher bei Null anfangen. Das Gut Lichtenhain, gerade mal vier Kilometer von Boitzenburg entfernt, wurde ihr neues Heim.

DER GARTENSCHATZ
Im Jahr 2000, auf der Suche nach einer neuen Aufgabe, stieß Daisy von Armin auf den Schatz vor der eigenen Haustür: Die Bäume am alten Apfelweg trugen so üppig Früchte, dass sie unter dem Gewicht fast brachen. Sie biss in einen Prinzenapfel: „Da fand ich meine Be­stimmung.“ Das Ehepaar kaufte eine Mostmaschine und die Gräfin begann, im Stall des Gutshofs Tag und Nacht zu experimentieren, bis es ihr gelang, köstlichen Apfelsaft herzustellen.

Es folgte Gelee, das mittlerweile in vier beliebten Sorten erhältlich ist: Vanille, Zimt, Ingwer und pur. Auch im Angebot: getrocknete Apfel­scheiben, Chutney, Liköre, Apfel in Schokolade.

APFEL – OBST MIT ZUKUNFT
Äpfel wurden so in wenigen Jahren ihr Leben – und aus Daisy von Arnim wurde „die Apfelgräfin“. In ihrem beschaulichen Hofladen bietet sie eine fast unüberschaubare Menge an Keksen, Brotaufstrichen und Getränken auf Apfelbasis an. Einige davon wurden ausgezeichnet.

Neuste Kreation: der Apfel-Groschen, ein Plätzchen.

Besonders begeistern Daisy von Arnim die alte Apfelsorten, über die sie in ihrer Biografie schreibt: „Jeder kennt das Aroma eines Elstar, eines Golden Delicious, eines Gala oder Jonagold, aber das besondere Aroma der alten Apfelsorten, die den Weg vom Gut zum See hinunter säumen, ist heute weitgehend vergessen.“

Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern. Mit dem „Mostmobil“, das im Oktober durch die Dörfer fährt, ermöglicht sie auch Privatleuten, aus der eigenen Ernte Saft herzustellen. Im Internet kann man die Produkte von Gut Lichtenhain unter haus-lichtenhain.de finden. Und gerade ist ihr schön bebildertes Buch „Himmlische Köst­lichkeiten“ erschienen (Francke- Verlag), das mehr als nur Rezepte und Deko-Ideen bietet: Immer wieder finden sich darin kleine Geschichten von Glaube und Andacht – Themen, die der Gräfin auf der Seele liegen.

GUT(SHAUS) FÜR DAS LAND
Man merkt Daisy von Arnim an, dass es ihr um mehr geht als um einen Betrieb für die Verarbeitung von Frischobst: „Jemand hat mal gesagt, man soll nicht fragen, was das Land für einen tun kann, sondern was man selbst für das Land tun kann. Ich will etwas für die Menschen dieser Gegend tun. Sie haben es verdient.“ Sie gibt Menschen der Umgebung Arbeit, wo Arbeit schwer zu finden ist. Und sie macht aus dem, was das Land gibt, das Beste.

Für uns hat sie die beiden Apfel-Lieblingsrezepte zubereitet. Ein Genuss!

Wie dichtete bereits Achim von Arnim, der berühmte Poet der Familie aus dem 19. Jahrhundert: „Das Herz an rechter Stelle, Den Geist in rechter Helle, Die Augen aufgemacht, Gehandelt wie gedacht.“
Torsten Dewi

 
Der Apfelgräfin in den Ofen geguckt
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