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Das 1 x 1 des Fliegenfischens

Fliegenfischen bietet einmalige Naturerlebnisse. Rudi Heger und Ralf Raacke betreiben den Angelsport mit Leidenschaft.

Mit eleganten Bewegungen lässt Rudi Heger die Angelschnur hoch über seinem Kopf durch die Luft gleiten. Fließend gehen die Vor- und Rückschwünge, mit denen er Flugschnur und Köder immer wieder in Richtung einer großen Gumpe (Wasservertiefung) dirigiert, ineinander über, ohne dass die glitzernde Wasseroberfläche berührt wird.

Bei jedem Wurf gibt er der Leine mehr Spiel, bis sie schließlich so lang ist, dass die künstliche Steinfliege zielgenau landen kann. Doch der kleine „Leckerbissen“ treibt unbemerkt von der Forelle, die neben einem bemoosten Stein auf Beute lauert, flussabwärts. Heger holt seine Fliegenimitation wieder ein – und startet den nächsten Versuch. 

Anspruchsvolle Technik
„Fliegenfischen ist eine sehr schonende und unglaublich faszinierende Art, einen Fisch zu fangen. Man ist durch die anspruchsvolle Wurftechnik und das manchmal kilometerweite Waten im Fluss körperlich richtig gefordert und kann sich mit allen Sinnen voll auf die Natur und die Geschehnisse im Wasser konzentrieren.

Da ist der Alltag schnell vergessen“, erklärt der gelernte Konditormeister, der vor über 30 Jahren seine Passion zum Beruf gemacht hat: Seine Firma in der oberbayerischen Gemeinde Siegsdorf bietet alles an, was das Herz jedes Fliegenfischers höher schlagen lässt – angefangen von Angelruten und Ködern über verschiedene Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene bis hin zu traumhaften Revieren an der glasklaren Deutschen Traun, der Weißen Traun und der schön zugewachsenen Roten Traun.

In Gedanken am Wasser
Geködert werden Äsche oder Forelle bei diesem Angelsport nicht mit Würmern oder Maden, sondern – wie der Name schon sagt – mit künstlichen Fliegen. Diese Imitationen, die auf einem Haken ohne Widerhaken gefertigt werden, kann man kaufen – aber auch selbst binden.

„Das ist die Lieblingsbeschäftigung jedes leidenschaftlichen Fliegenfischers im Winter während der Schonzeit – dabei kann man wenigstens in Gedanken am Wasser sein“, gibt Ralf Raacke, einer der zwölf Mitarbeiter von Heger, lachend zu.

Das Binden selbst lässt sich innerhalb einiger Stunden erlernen, der richtige Einsatz der verschiedenen Insekten ist allerdings eine Wissenschaft für sich,  denn „unbekannte Flugobjekte“ verführen die wählerischen Wassertiere nur selten zum Anbeißen. Raacke: „An einem ruhig dahinströmenden Fluss oder einem See sind in der Natur oft andere Fliegen zu finden als an einem Gebirgsbach.

Auf diese regionalen ,Spezialitäten‘ sind die Fische scharf, alles andere lassen sie meist links liegen.“ Außerdem wechselt ihre Speisekarte nicht nur im Tagesverlauf, sondern auch mit den Jahreszeiten und – damit korrespondierend – mit dem jeweiligen Entwicklungsstand der verschiedenen Insekten. Keine leichte Aufgabe also, dem Fisch das richtige Menü zu servieren!

Nymphen imitieren Larven
In den heimischen Gewässern setzen Heger und Raacke vor allem künstliche Trocken- und Nassfliegen oder Nymphen ein. Erstere imitieren in Form, Umriss und Farbe Insekten, die auf beziehungsweise unter der Wasseroberfläche treiben.

Nymphen dagegen sind Nachbildungen von Larven, die in Flüssen und Bächen in Grundnähe leben – etwa die der Steinfliege. Sie werden beim Binden mit Bleidraht oder anderen Materialien künstlich beschwert, sodass sie nach der Präsentation möglichst schnell auf den Boden sinken können.
 
Um diese Fliegengewichte überhaupt beschleunigen und in die Nähe des Fischmauls befördern zu können, muss die eingangs erwähnte Wurftechnik mit wiederholten Vor- und Rückschwüngen angewendet – und spezielle Schnüre benutzt werden, die das beim normalen Angeln gebräuchliche Bleigewicht ersetzen.
Vorn – am sogenannten Vorfach – werden dünne, sich verjüngende Schnüre angeknüpft. Die mit Korkgriffen ausgestatteten Ruten sind heute meist aus leichter und strapazierfähiger Kohlefaser hergestellt, aber es wird auch wieder häufiger mit edlen, handgearbeiteten Bambusruten gefischt.

Wer diesen Sport erlernen will, sollte im Besitz eines gültigen Fischereischeins sein. Es empfiehlt sich, die nicht ganz einfache Wurftechnik zu Beginn in einem Kurs unter der Aufsicht eines Profis zu üben. Selbst antrainierte falsche Bewegungsabläufe gewöhnt man sich nur schwer wieder ab. Eine solide Grundausrüstung (Rute, Schnüre, Rollen) kostet etwa 400 Euro, hinzu kommen die regional unterschiedlichen Lizenzgebühren: An der Traun gibt’s Tageskarten ab 40 Euro.

Jagd auf Salmoniden
„In unseren Gewässern gehen wir vor allem auf Salmoniden, also Bach- und Regenbogenforellen, Äschen und Saiblinge. Es lassen sich aber fast alle Süßwasserfische und auch viele Meeresbewohner mit Fliegen überlisten“, so Raacke, während er am Ufer weiterwandert, den Blick immer auf den Fluss gerichtet. Eine Polarisationsbrille, die reflektierende Strahlen herausfiltert, ermöglicht ihm über eine längere Distanz hinweg eine klarere Sicht auf das Geschehen unter Wasser.

Auch ein an der Oberfläche zerfließender Ring – von einem nach einer Fliege schnappenden Fisch – kann ihm den Standort der potenziellen Beute anzeigen. Das ist wichtig, da bei dieser aktiven Art des Angelns dem Fisch der Köder sozusagen auf dem Silbertablett serviert wird – er braucht sich nicht von der Stelle zu bewegen, sondern nur zuzuschnappen.

Eine Minute später taucht er wieder in den Wellen ab. Da die künstlichen Fliegen keine Widerhaken haben, kann man sie problemlos aus dem Maul des Fischs entfernen und ihn zurücksetzen: Um das ökologische Gleichgewicht nicht zu gefährden, lassen die Fischer an der Traun viele Tiere wieder frei. Da diese durch ein Schonmaß geschützt sind, ist hier außerdem jedem Angler pro Tag nur eine einzige Entnahme erlaubt.
 
Wenn es die Möglichkeit gibt, nach dem Angeln den frisch gefangenen Fisch direkt am Ufer auf den Grill zu legen oder über dem offenen Feuer zu braten, so ist das sicher für viele Fliegenfischer der krönende Abschluss eines erfolgreichen Tages. Rudi Heger hat für diese Gelegenheiten seine Kochkiste und einen kleinen Holzkohlenofen dabei – und zaubert nach getaner Arbeit eine köstliche Fischpfanne auf die Teller.

Von Angelika Krause
Das 1 x 1 des Fliegenfischens - Fotos: Peter Raider
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