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Beim Schneeschuhbauer

Der Schneeschuh-Pionier Christian Golfetto baut die traditionellen Modelle nach, die Jäger, Trapper und Indianer bei ihren winterlichen Streifzügen an den Füßen trugen.
Von Angelika Krause

Wer Christian Golfetto besuchen will, muss hoch hinaus: Der Natur- und Wanderführer lebt in den Bergen oberhalb des Dorfes Ricken im Kanton St. Gallen. In den Wintermonaten braucht der Schweizer nur vor die Haustür zu treten, um seiner großen Leidenschaft frönen zu können – dem Schneeschuhlauf. Die über einen Meter langen traditionellen Biberschwanz-Schneeschuhe, die er dabei an den Füßen trägt, hat er aus Holz, Leder und Schnüren selbst gebaut. »In Alaska und Kanada habe ich vor 20 Jahren ganz alte Modelle entdeckt, wie sie früher von den Indianern und Trappern benutzt wurden«, erzählt Christian Golfetto. Vergeblich suchte er nach Quellen und Überlieferungen, die die Konstruktion genau beschreiben konnten. »Das alte Wissen ist leider verloren«, bedauert er.

Den Naturführer, der in seiner Heimat sommers wie winters außergewöhnliche Wander- und Erlebnistouren anbietet, aber hatte der Ehrgeiz gepackt und er begann, in seiner Werkstatt mit dem Schneeschuhbau zu experimentieren. Die größte Herausforderung war der vorne aufgebogene und hinten in einem Steg zusammenlaufende Rahmen, der aus einer einzigen Leiste gefertigt wird. Fünf Jahre dauerte es, bis er nach vielen entmutigenden Versuchen den richtigen Dreh heraus hatte.
Ganz entscheidend ist dabei die Wahl des Holzes. Bewährt hat sich die Esche – aber der Schneeschuh-Pionier musste erst herausfi nden, dass er nur das äußere Splintholz und nicht das innere Kernholz verwenden kann. Diese »Filetstücke« müssen drei bis vier Jahre an der Luft getrocknet werden, bevor sie einsatzbereit sind. Ein weiteres Problem: »Angeblich wurden die Leisten früher im Dampf gebogen, aber das hat mir nicht das gewünschte Ergebnis gebracht. Dann bin ich dazu übergegangen, Hitze und Feuchtigkeit zu kombinieren und sie zu kochen.« Heute weiß er ganz genau, wie lange er die Hölzer in einem Spezialbehälter »garen« muss, damit sie sich gut verformen lassen.

Kein zweiter Versuch
Danach muss jeder Griff sitzen: Nur zwei Minuten hat er Zeit, die heißen Leisten auf die selbst konstruierte Rahmenschablone zu spannen, bevor sie erkalten. Einen zweiten Versuch gibt’s nicht – deshalb bekommen die Teilnehmer seiner Schneeschuhbau-Kurse in dieser Phase tatkräftige Unterstützung. Über Nacht trocknet das Holz und wird dann mit Feile und Schleifpapier earbeitet, sodass es sich angenehm glatt anfühlt. Eine besondere Präzision ist beim Befestigen der vorderen und hinteren Querleiste notwendig, die beide absolut gerade sitzen müssen. Sie werden – wie der Steg auch – geleimt, damit keine Feuchtigkeit in die Zwischenräume eindringen kann.

Rohleder wird brüchig
Der einzige Tribut an moderne Zeiten: Das Flechtwerk der Schneeschuhe besteht aus verschieden dicken Nylongarnen. »Früher war die Bespannung aus Rohleder, das aber schnell brüchig wurde«, erklärt der gelernte Buchbinder. Vor allem das Knüpfen des Hauptteils mit der 20 Meter langen Schnur erfordert höchste Konzentration, denn Fehler und Unregelmäßigkeiten sind deutlich zu sehen. »Manchmal trenne ich deshalb alles wieder auf, wenn ich schon fast fertig bin«, gibt der Fachmann zu.
Von Angelika Krause

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Fotos: Peter Raider
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