Handgemachtes aus der Printen-Bäckerei

Jedes Jahr pünktlich zur Weihnachtszeit stellen die Brüder Markus und Andreas Jenniches traditionelles Printengebäck in ihrem kleinen Familienbetrieb in der Eifel her. Das Rezept ist geheim, die besondere Güte darf jeder schmecken.

Wenn sich der Spätsommer in der Eifel noch einmal von seiner schönsten Seite zeigt, denkt niemand gerne an den bevorstehenden Winter. Doch wer in diesen Tagen an der Backstube der Bäckerei Jenniches vorbeikommt, kann Weihnachten schon riechen.

Dann beginnt in Hellenthal die Hochsaison für Genießer und Liebhaber echter Eifeler Printen, die von Markus und Andreas Jenniches traditionell in Handarbeit und nach altem Familienrezept hergestellt werden. Den Vergleich zur weltbekannten Konkurrenz aus Aachen scheuen die Brüder nicht.

Stolz berichten sie, dass sogar Kunden aus der Printenstadt eigens für ihre genussreiche Weihnachtsspezialität die Fahrtzeit von etwa einer Stunde auf sich nehmen. „Denen schmecken unsere Printen eben besser“, schmunzelt Andreas Jenniches.

Der Ursprung der Printe
Die Geschichte der Printe geht zurück bis ins Mittelalter, als Bronzegießer aus dem benachbarten Belgien fantasievoll geformte Wecken als „Gebildbrot“ in die Kaiserstadt brachten. Aachener Bäckermeister entwickelten daraus die ersten Printen, welche anfangs noch große Ähnlichkeit mit dem heutigen Spekulatius hatten.
Der Teig wurde in hölzerne Formen, sogenannte Modeln, gedrückt. „Diese Tätigkeit hieß im Volksmund ‚pränten‘, woraus im Laufe der Zeit der Name ‚Printe‘ wurde“, erklärt Markus Jenniches, dessen Familie noch einige dieser alten Holzformen besitzt. Meist handelte es sich bei den kunstvoll geschnitzten Figuren um religiöse oder bürgerliche Motive.

Der Legende nach waren im frühen 19. Jahrhundert Soldatenformen besonders beliebt, da man auf diese Weise den die Stadt Aachen besetzenden Großmächten Frankreich und später Preußen zumindest symbolisch den Kopf abreißen konnte.

Ihre heutige, rechteckige Form hat die Printe einem französischen Feldherrn zu verdanken. Als Napoleon im Jahr 1806 die Kontinentalsperre gegen England verhängte, fehlte plötzlich der für die Zubereitung so wichtige amerikanische Wildblütenhonig. Auch Rohrzucker und Gewürze wurden knapp.

Schließlich kam ein findiger Bäcker notgedrungen auf die Idee, den Sirup der heimischen Zuckerrübe für die Printenherstellung zu verwenden. So wurde der Teig zäher und schwerer formbar. Die Modeln hatten  ausgedient, und die flache Schnittprinte war geboren.

Bis heute liegt darin der Unterschied zu den Nürnberger Lebkuchen, die immer noch mit Honig gesüßt werden und dadurch weicher sind. Doch auch Printen lassen sich je nach Geschmack fester oder lockerer genießen. „Printen sind im backfrischen Zustand hart.

Setzt man sie jedoch einige Zeit der frischen Luft aus, so werden sie von ganz allein wieder weich. Dafür sollte man sie in einem nicht zu warmen Raum bei normaler Luftfeuchtigkeit aufbewahren. Während dieser Zeit entfalten die Printen im Geruch und Geschmack ihr volles Aroma, was auf die langsame Entfaltung der Gewürze zurückzuführen ist“, erklärt Bäckermeister Markus Jenniches.

Alleskönner Gewürze
In früheren Zeiten wurden Printen noch in Apotheken verkauft, da man den im Teig enthaltenen Gewürzen eine bestimmte Heilwirkung zusprach. Das genaue Rezept für die Zusammensetzung der Gewürzmischung wird bis heute von traditionsbewussten Printenbäckern streng gehütet.

Die Variationen sind dabei vielfältig und von Betrieb zu Betrieb verschieden. Meist werden Zimt, Anis, Nelken, Koriander und Piment zusammen mit Mehl, Zuckersirup, Kandis und Pottasche zu einem Teig vermengt. Auch Jenniches vertrauen bei der Herstellung ihrer Printen einem Familiengeheimnis: „Die verschiedenen Gewürze, sieben an der Zahl, stellen wir selbst zusammen.

Diese geben unseren Printen ihren unverwechselbaren Geschmack“, verrät Andreas Jenniches und ergänzt: „Das Abwiegen der Rohstoffe und Herstellen des Teiges muss akribisch genau erfolgen. In unserem Betrieb ist das reine Chefsache.“ Mit Maschinen- und Muskelkraft, lautet zudem das Motto der beiden Brüder bei der Teigzubereitung.

Nach dem maschinellen Verrühren wird dieser portionsweise aus dem Rührgerät entnommen und von Hand zügig in Form gebracht. Wenn der Teig ausgerollt ist, schneiden ihn die Bäcker mithilfe einer speziellen Printenrolle horizontal und vertikal zu. Danach wandern die Teigstücke – ebenfalls per Hand – auf ein Blech und anschließend in den Ofen. Eine festgelegte Backzeit gibt es nicht. Bei Jenniches’ entscheidet der erfahrene Blick des Fachmanns, wann die Printen fertig sind.

Ausgewählte Qualität
Traditionell wird im Rheinland die klassische Kräuterprinte angeboten, jedoch gibt es sie auch in vielen anderen Geschmacksvarianten, etwa mit Zuckerglasur („Prinzessprinte“) oder Schokoladenüberzug sowie mit Nüssen, Mandeln oder Marzipan. Die Bäckerei Jenniches stellt inzwischen zwölf verschiedene Sorten her, darunter auch ausgefallene Köstlichkeiten wie Rotwein-, Whisky- oder Erdbeerprinten.

Bevor es zu diesen nahezu exotischen Varianten kam, wurde  lange in der Backstube getüftelt und ausprobiert. Welcher Wein passt am besten zu der erlesenen Marzipanfüllung, und muss es wirklich der teure Whisky sein? Es muss, denn auf die einzigartige Qualität ihrer Produkte legen die Bäckermeister großen Wert.

Ebenfalls eine Besonderheit sind die ganzen Haselnüsse, die auf den original Eifeler Printen zu finden sind. „Das ist nur in Handarbeit möglich, da Maschinen lediglich kleine Stückchen verarbeiten können“, erläutert Markus Jenniches den aufwendigen Herstellungsprozess.

Der Tradition verpflichtet
Ebenso liebevoll, wie die beiden Brüder ihre Printen herstellen, werden sie danach auch verpackt. Meist ist dies aber reine Frauensache. „Da verziehe ich mich dann mit ein paar Mitarbeiterinnen in einen Nebenraum und mache die Tür zu, damit die Männer unser Geschnatter nicht anhören müssen“, lacht Markus’ Ehefrau Sabine, die in dem kleinen Familienbetrieb für die Buchhaltung und das Marketing zuständig ist.

Für den Versand der leckeren Backware stehen extra angefertigte Holzkistchen bereit, die von den Bäckermeistern nach dem Befüllen eigenhändig mit Hammer und Nagel verschlossen werden. In den Augen von Markus Jenniches ist die Printe ein würziges Dauergebäck, das nicht nur im Advent schmeckt.

Trotzdem fühlen er und sein Bruder Andreas sich der Tradition verpflichtet und beginnen rechtzeitig im September mit der Produktion ihrer kleinen Leckerbissen fürs Fest. Und wenn aus der Backstube wieder der verlockende Duft frischer Printen durch die Straßen von Hellenthal strömt, freut sich so mancher in der Gemeinde schon auf die bevor-stehende Weihnachtszeit.

Von Melanie Breuer
Handgemachtes aus der Printen-Bäckerei - Fotos: Bodo Mertoglu
Küchenreihe Ausgabe 01/13 Jetzt abonnieren!
Mehr zum Thema