LandIDEEn

Zauberkraut Petersilie

Für viele ist Petersilie nur ein Küchenkraut. Die Autorin und Heilpraktikerin Astrid Süßmuth aber weiß vieles über die Wirkkräfte dieser erstaunlichen Pflanze, und warum sie einst als liederlich galt.
Petersilie © Brigitte Sporrer


So, hier ist er, unser Wohltäter.“ Astrid Süßmuth wuchtet eine Kiste mit Petersilie auf den Gartentisch. Die Heilpraktikerin und Autorin („Kräuterbrauchtum übers Jahr“, Freya Verlag) empfängt uns bei strahlender Sommersonne in ihrem großzügigen Garten im bayerischen Gauting, um uns die erstaunlichen Heil- und Wirkkräfte der Petersilie, botanisch Petroselinum crispum, zu erklären. Petersil, Peterli, Petergrün oder Silk, Felsensilge, Stehsalat und Steineppich, das Kraut hat viele Namen. „Dabei gibt es eigentlich nur krause, glatte Petersilie und die Wurzelpetersilie (Petroselinum crispum var. tuberosum),“ erklärt uns Astrid Süßmuth. In allen Teilen, Wurzeln, Blättern und Stängeln finden sich die gleichen Wirkstoffe. Diese wenigen Sorten haben es in sich: Petersilie enthält sehr viel Vitamin C, Myristicin wie in der Muskatnuss, Omega-12-Fettsäuren, Furanocumarine wie in der Angelica, das Cumarin Bergapten und das Apiol.“

Unmoralische Pflanze

Phenylpropane steigern dazu die Harnausscheidung stark, wie man bereits seit der Antike wusste und das Kraut gegen Blasenund Nierenleiden nutzte. Apiol, besonders in den Samen vorkommend, verbessert die Durchblutung des Unterleibs. So wirkt es positiv bei Menstruationsbeschwerden, aber auch abtreibend. Männern verabreichte man es gegen Prostataleiden und Erektionsstörungen. „So entstand der Spruch: ‘Petersilie hilft dem Mann aufs Pferd‘. Die zweite Hälfte des Spruchs ‚...und der Frau unter d‘Erd‘ kam daher, dass Petersiliensamen als abortives Mittel, also zum Schwangerschaftsabbruch genutzt wurden. Dabei aber sind viele Frauen verblutet.“ Bis in die Neuzeit schienen Frauen das Kraut gegen ungewollte Schwangerschaften zu nutzen, denn noch 1989 ist eine Italienerin bei einem Abtreibungsversuch mit Petersiliensud gestorben. „Schwangere sollten nicht zu viel Petersilie essen“, rät die Fachfrau daher.

Mittelaltermedizin

Vor allem die Wirkung der besseren Durchblutung des Unterleibs ließ mittelalterliche Kräuterkundler zur Hochform aufdrehen. Astrid Süßmuth: „Petersilie galt als aphrodisierendes Hexenkraut, man mengte die Wurzeln in Flugsalben und Liebestränke und Männern bereitete man einen Salat aus dem Kraut zu, wenn man mangels Interesse des Gatten nicht schwanger wurde. Daher der frühere Name ‚Stehsalat‘ für die Petersilie. Auch nannte man die Gassen, in denen Prostituierte ihr Handwerk betrieben, die die Petersilie oft als Abortivum nutzten, ‚Petersiliengassen‘.“

Hildegards Herzenkraut

Ganz andere Vorzüge fand die weise Hildegard von Bingen: „Wer im Herzen oder in der Milz oder in der Seite Schmerzen leidet, der koche Petersilie in Wein, unter Zugabe von etwas Weinessig und reichlich Honig und seihe durch ein Tuch ab. Den so zubereiteten Herzwein trinke er oft und es heilt ihn.“ Der Herzwein von Hildegard gilt bis heute in der Kräutermedizin als universelles Herzmittel. Herzschmerzen, die Auswirkungen von Infarkten, Herzklappenfehler und andere Leiden sollen damit gelindert werden können.

Leckerer Vitaminlieferant

Ansonsten gibt es kaum Beschwerden, gegen die Petersilie nicht hilft. Im Laufe der Jahrhunderte nutzte man sie bei Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Blähungen, Verstopfung, Mundgeruch, Frühjahrsmüdigkeit, Gicht, Rheuma, Blasensteinen und -entzündungen, Nierensteinen. Dazu gegen Bluthochdruck, Ohrenschmerzen, Depression, Müdigkeit, Kater, Wechseljahrsbeschwerden, zum Einleiten der Wehen, bei Insektenstichen, gegen Schuppen und bei Geschwüren. „Vor allem aber ist sie eine beliebte Kräuterpflanze in unseren Küchen. Petersilie tut unserem Körper Gutes in Form von Vitamin C, Zink und Gerbstoffen.“ 

Kontakt
Astrid Süßmuth
Heilpraktikerin und Autorin
Ulmenstraße 22
82131 Gauting
info@astridsuessmuth.de
http://www.astridsuessmuth.de

 

Gärtnerinnensalbe 

gegen rissige Hände

Zutaten:
  • 1 Handvoll Petersilienblätter
  • 100 ml Mandelöl
  • 10 g Kakaobutter
  • 10 g Bienenwachs
Zubereitung:
  1. Petersilie klein schneiden und mit Mandelöl im Wasserbad mindestens 60 Minuten erhitzen, dabei aber nie zum Kochen bringen; anschließend abseihen.
  2. Das Petersilienöl bis zur Weiterverwendung in ein luftdichtes Schraubglas füllen.
  3. Petersilienöl mit Bienenwachs im Wasserbad schmelzen, Hitze abstellen und Kakaobutter einrühren.
  4. Kaltrühren und in Salbentiegel abfüllen.
  5. Nach Belieben während des Kaltrührens 3 Tropfen ätherisches Öl (z.B. Weiße Rose, Zistrose oder Kamille) eintropfen.
Anwendung:
Salbe abends auftragen, da die Petersilie Furanocumarine enthält, die bei empfindlichen Personen im Kontakt mit Sonnenlicht zu Rötungen und Hautreizungen führen können.
Tipp: Das Petersilienöl eignet sich auch zum Abschminken.


Petersilien Augen- und Erfrischungswasser   

bei müden Augen und zur Erfrischung nach heißen Tagen

Zutaten:
  • 2 EL Petersilie
  • 1 Tasse heißes, nicht mehr kochendes Wasser
Zubereitung:
  1. Petersilie klein schneiden, mit heißem Wasser übergießen.
  2. Abkühlen lassen, dann abseihen und in ein Schraubglas füllen.
Anwendung:
Zur Augenpflege Wattepads in das Petersilienwasser tauchen und auf die geschlossenen Augen legen. Zur Erfrischung nach heißen Tagen Petersilienwasser in eine Sprühflasche geben und damit großzügig Gesicht und Dekolleté einsprühen.

Viele weitere Rezepte finden Sie in der aktuellen Ausgabe der LandAPOTHEKE.



 
Text von Kati Hofacker
Landapotheke Ausgabe 04/19 Jetzt abonnieren!
Fotos: 
Brigitte Sporrer
Mehr zum Thema