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Vorbeugen & Linderung: Ruhe für den Reizdarm

Ein nervöser Darm belastet körperlich und psychisch. Die überraschenden Ursachen des Reizdarmsyndroms (RDS) und Tipps zur Linderung von Blähungen, Bauchweh, Durchfall und Verstopfung erklärt uns Michaela Marx. Aus LandAPOTHEKE Ausgabe 01/2022.
E s zwickt und rumort im Bauch, Schmerzen, Blähungen, Verstopfung, manchmal sogar alles an einem Tag: Dies könnten Anzeichen für ein Reizdarmsyndrom (RDS) sein. Noch vor nicht allzu langer Zeit bezeichnete man die Erkrankung als „Reizkolon“, also irritierten Dickdarm. Dann erkannte man, dass der gesamte Darm in dieses Syndromspektrum involviert ist und dazu auch noch die Steuerung, die den Darm kontrolliert.
 

AUFRUHR IM GESAMTEN DARM

Einige Jahre danach glaubte man, dass Reizdarm ein psychosomatisches Problem sei, eine Stresserkrankung. Heute, so erklären es auch die beiden Ärzte Prof. Dr. med. Martin Storr und Dr. med. Constanze Storr in ihrem Buch „Das Reizdarmprogramm“, erkennt man den Reizdarm als somatische Erkrankung an. Also als ein von den Organen ausgehendes Leiden. Um es weltweit einheitlich zu diagnostizieren, werden die so genannten Rom-Kriterien eingesetzt: Ein Katalog an Beschwerden wie Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung, häufige Darmentleerung und andere.
 

KRITERIEN ZUR DIAGNOSE

Wer die letzten drei Monate an mehreren der Symptome litt, und das mindestens an einem Tag die Woche, könnte an einem Reizdarm leiden. 15 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind inzwischen betroffen, in Asien sogar mehr, eventuell wegen noch mehr Stress und einer größeren Umweltbelastung, die neben körperlichen und genetischen Ursachen auch zur Erkrankung beitragen können. Die meisten Betroffenen konsultieren anfangs keinen Arzt und versuchen, sich durch Ernährungsumstellung zu helfen. Zumal Nahrungsmittelintoleranzen, Allergien, eine schadhafte Darmflora oder Candida ähnliche Beschwerden hervorrufen können. „Wenn Sie stark unter diesen Beschwerden leiden: Wagen Sie den Gang zum Arzt“, erklärt unsere Kräuterexpertin Michaela Marx, die mit Kräutermedizin und Ernährung an einem der vielen Schalthebel von RDS ansetzt.
 

UNVERTRÄGLICHKEIT ODER RDS?

Reizdarm hat viele Ursachen: Auslöser ist sehr oft ein Magen-Darm-Infekt oder die Einnahme von Antibiotika. Aber auch Ernährung, Genetik, eine Störung der DarmHirn-Achse, eine viszerale Hypersensitivität, psychische Faktoren, eine gestörte Darmmotorik oder eben Umweltbelastung sind wichtige Faktoren. Interessanterweise helfen Reizdarmpatienten, selbst wenn die Ursache ihres RDS eine rein körperliche ist, auch erapien aus dem psychotherapeutischen Bereich wie Gesprächstherapien oder Entspannungstechniken sehr effektiv. Man sollte also ruhig an allen Punkten ansetzen, die Medizin und Alternativmedizin bieten: Nahrungsmittel ausschließen, um Unverträglichkeiten zu erkennen. Eine Ernährungsumstellung (siehe unten) vornehmen, Reizdarmyoga, Tees und Naturheilmittel, Atem- und Achtsamkeitsübungen, Meditation, AromaölBauchmassagen, Wärmetherapie und Entspannungstechniken einplanen. 
 

VERMEIDEN UND LINDERN

Erst wenn das nicht hilft, greift man zu Probiotika oder Medikamenten. Auch die Ärzte im Buch „Das Reizdarmprogramm“ greifen mit ihren Therapien all diese Ideen auf, Michaela Marx als Kräuterexpertin sowieso. Michaela Marx: „Ein guter Schutz gegen Reizdarm ist das schlichte Umgehen von Darminfekten, denen bei manchen Menschen ein Reizdarmsyndrom folgt: Hygiene und Händewaschen, auf Fernreisen die Nahrung stets schälen oder kochen.“ Und Antibiotika nur dann einsetzen, wenn es nicht anders geht. Wenn RDS bereits vorliegt, betrachtet man zuerst die Ernährung: Kauen Sie gut genug? Essen Sie ca. 30 g Ballaststoffe am Tag? Ernähren Sie sich Sie wirklich ausgewogen? Trinken Sie 1,5–2 Liter Wasser täglich? Im nächsten Schritt reduzieren Sie Obst und Rohkost auf 100 g am Tag, Essen Sie wenig Fleisch, nichts Frittiertes, meiden Sie Zucker und Süßstoff, Alkohol, Kohlensäure und greifen Sie zu geschroteten Lebensmitteln. Oft führt das schon zur Linderung. Für Menschen, die wegen einer viszeralen Hypersensitivität unter Reizdarm leiden, wurde die so genannte FODMAP-Diät entwickelt.
 

PFLANZEN ZUR ENTSPANNUNG

FODMAP bedeutet fermentierbare Oligo-, Di-, Monosaccharide und (engl. and) Polyole: kurzkettige Kohlenhydrate, die der Dünndarm nicht verarbeiten kann und die von den Mikroben des Dickdarms dann fermentiert werden. Ein für RDS-Geplagte extrem unangenehmer Prozess. Bei den auftretenden Blähungen und Bauchschmerzen kann man sich mit Klassikern aus der Naturapotheke Linderung verscha en. Michaela Marx: „Auch Ärzte haben die Wirksamkeit von Heilpflanzen, speziell Doldenblütlern wie Anis, Angelica, Pastinake, Fenchel oder Kümmel erkannt. Manchmal helfen schon Entspannung, Wärmewickel und Tee zur Linderung.“ Um diese Fermentationsprozesse zu vermeiden, raten die Buchautoren des „Reizdarmprogramms“ zu einer FODMAP-Diät, d.h. der Vermeidung von Lebensmitteln mit hohen Anteilen an diesen kurzkettigen Kohlenhydraten. 80 Prozent der RDS-Patienten, die sich FODMAP-reduziert ernähren, spüren eine deutliche Verbesserung ihrer Beschwerden. Phase 1 dauert sechs Wochen, in denen man sich streng nur an die Nahrungsmittelmit niedrigen FODMAP-Gehalt orientiert. In Phase 2 probieren Sie einzelne Nahrungsmittel mit einem hohen FODMAP-Gehalt für sich aus. Und in Phase 3 haben Sie so Ihre individualisierte Ernährung gefunden, die Sie dann dauerhaft essen können - und hoffentlich weitgehend beschwerdefrei leben. 
 

KONTAKT

Michaela Marx ist Biologin und Ethnobotanikerin. Die Wildpflanzenexpertin leitet Kurse in Bayern und Baden Württemberg. Sie wohnt mit ihrer Familie auf einem Hopfenhof in der Nähe von Abensberg in Bayern. Dort finden in ihrem nostalgischen Seminarraum ab März 2022 Kräuterkurse und Heilpflanzenkurse statt. Ein lustiges Pflanzenbingo können Sie ebenfalls bei ihr bestellen.
Michaela Marx
Obere Dorfstr. 2
93358 Train
Telefon: 09444 / 98 13 09
E-Mail: post@nahtour.info
 

REZEPTE

Leberwickel

ZUTATEN:
  • 1 kleines Baumwoll- oder Leinentuch oder auch ein Waschlappen
  • 1 größeres Wolltuch oder Handtuch zum Herumwickeln
  • Schüssel
  • Wärmeflasche
  • Decke zum Zudecken
  • frischer Tee aus 2 EL Schafgarbenblüten (spasmolytisch) oder auch Kamille-Schafgarbe (spasmolytisch, schmerzstillend)

ZUBEREITUNG:
1 Für den Tee etwa 2 EL Schafgarbe oder Schafgarbe-KamilleMischung mit 500 ml kochendem Wasser aufgießen und zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen.
2 In der Zwischenzeit die Wärmeflasche mit warmem Wasser füllen und die Tücher vorbereiten. Den Tee abseihen und davon eine Tasse beiseite stellen, den Rest in eine Schüssel gießen. Alle benötigten Dinge stellt man sich neben das Bett oder die Couch.

ANWENDUNG:
Das kleinere Baumwolltuch in den Tee tunken, sodass die Temperatur angenehm ist, auswringen, auf die rechte Körperseite aufl egen. Das größere Wolltuch darüberlegen, eventuell das Handtuch darauf, die Wärmefl asche ebenso und gut zudecken. 10–15 Minuten so liegen bleiben und entspannen. Keine Krimis, kein Internet, kein Fernsehen nebenher. Durch Wärme und Feuchtigkeit wird die Durchblutung der Leber verbessert und somit die Entgiftung angeregt. Der Leberwickel bewirkt eine bessere Durchblutung im gesamten Bauchraum und ist so eine gute Vorbeugung gegen Darmkrämpfe. Der gesamte Stoff wechsel wird angekurbelt und die Verdauung wird verbessert. Auch die Gallenblase und die Gallengänge werden angeregt. Durch die Wärme werden die Gefäße erweitert und der Abfluss der Galle aus den Gallengängen der Leber wird erleichtert. Wer nicht gut Einschlafen kann oder generell keinen guten Schlaf hat, dem kann ebenfalls ein Leberwickel helfen: Er sorgt für ein schnelleres Einschlafen und einen tieferen Schlaf. 

 

Verdauungsbad

ZUTATEN:
  • 200 g grobes Meersalz
  • 30 g getrocknete Kräuter oder 50 g frische Kräuter (ebenfalls Schafgarbe und Kamille)
  • Säckchen

ZUBEREITUNG:
1 Das Salz in eine Schüssel geben und mit den getrockneten Kräutern vermischen.
2 Das fertige Kräuterbadesalz in einen oder mehrere kleine Gläser zur Aufbewahrung geben.
3 Bei frischen Kräutern diese mit dem Salz vermischen und eine Stunde bei 40 Grad im Backofen trocknen lassen, dann verreiben.

ANWENDUNG:
Für ein wohltuendes Bad ein paar Löff el des Badesalzes in ein Organzasäckchen geben und dieses in das Badewasser hängen. Die ätherischen Öle werden freigesetzt, die Wärme sorgt für bessere Durchblutung und wirkt sich angenehm und wohltuend auf die Verdauung aus. Die Bitterstoffe, ätherischen Öle und das Cumarin der Schafgarbe wirken auch durch die Haut gallenflussanregend, antibakteriell, zusammenziehend (adstringierend) und krampflösend (spasmolytisch). Die Kamille wirkt mit ihren ätherischen Ölen, Cumarin, Flavonoiden und Schleimstoffen entzündungshemmend, entkrampfend, entblähend, magenberuhigend, antimikrobiell, hautheilend. Magen- und Darmbeschwerden wie Gastritis, Enteritis, Colitis, Blähungen, krampfartige Beschwerden im Verdauungstrakt und Menstruationsbeschwerden können gelindert werden. Auch ein wunder Analbereich kann durch das Baden gelindert werden. 

 
Text: Kati Hofacker
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Fotos: 
Birgid Allig
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