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Sonnenhut, Salbei & Co.

Zur Stärkung der Abwehr und Linderung von Erkältungen: Die Kräuterfrau Iris Bein weiß, welche Heilpflanzen sich bei Husten und Schnupfen bewährt haben.

Sogar zur Behandlung von Schlangenbissen und anderen Vergiftungen soll er verwendet worden sein: „Der Sonnenhut ist eine uralte Heilpflanze, die schon vor Jahrhunderten von den Indianern in Nordamerika bei den unterschiedlichsten Erkrankungen genutzt wurde“, erzählt die Kräuterexpertin Iris Bein, als wir in der Alten Schlossgärtnerei in Plön die stattlichen, über einen Meter hohen Stauden mit den wunderschönen großen Blüten bewundern.

„Mittlerweile gibt es Neuzüchtungen in allen erdenklichen Farben“, so die Phytotherapeutin weiter. „Die wirksamen Inhaltsstoffe besitzt jedoch vor allem der ursprüngliche Rote Sonnenhut (Echinacea purpurea), der heute als Hausmittel hauptsächlich bei Erkältungen zur Anregung des Immunsystems und Stärkung der Abwehrkräfte zum Einsatz kommt.“

WIRKSAM IN KRAUT UND WURZEL

Die wichtigsten Bestandteile der Pflanze sind die sogenannten Alkamide, Polysaccharide und Flavonoide, die die „Fresszellen“ des Immunsystems aktivieren und vermehren. Diese Zellen sind dafür zuständig, unerwünschte Fremdkörper und Krankheitserreger unschädlich zu machen. Der Rote Sonnenhut enthält diese Substanzen im Kraut (Blüten, Blätter, Stängel) und in der Wurzel.

Iris Bein: „Das Kraut bietet die höchste Konzentration der Wirkstoffe zu Beginn der Blüte – je nach Wetter und Region im Juli oder August. Die beste Zeit zum Ausgraben der feinen Wurzeln dagegen ist der Herbst, wenn die Pflanze alle lebenswichtigen Stoffe in ihre unterirdischen Teile einlagert hat.“ Für die Herstellung einer Echinacea-Tinktur ist deshalb etwas Geduld erforderlich.

Im Sommer werden die Blätter und Blüten geerntet und klein geschnitten. Dafür braucht man ein sehr scharfes und stabiles Messer, denn nicht nur die Stängel, auch die stacheligen, orangefarbenen Blütenköpfe sind ungewöhnlich hart. Letztere haben dem Sonnenhut übrigens den Namen „Igelkopf“ eingebracht. Mit Alkohol übergossen bleiben diese Pfanzenteile dann einige Wochen stehen, bis im Herbst eine Wurzel ausgegraben und hinzugefügt wird.

Anschließend muss das Elixier nochmals zwei bis drei Wochen reifen. Wichtig ist, dass die Einnahme der Tinktur, des vergleichsweise milden Honigs oder eine Teekur sofort bei den ersten Anzeichen einer Erkältung beginnt. Auch vorbeugend wird das bewährte Hausmittel häufg eingesetzt. Allerdings sollte man nach spätestens sechs Wochen eine längere Pause machen – die Daueranwendung kann die Immunabwehr schwächen.

Die infekthemmenden Inhaltsstofe des Sonnenhuts können bei der äußeren Anwendung ebenfalls ihre Wirkung entfalten. Sie schützen die Haut vor der weiteren Ausbreitung von Entzündungen und stimulieren die Neubildung des Gewebes. Für die Pf ege der wunden Schnupfennase, unter der vor allem erkältete Kinder häuf g leiden, ist die Echinacea-Salbe deshalb genauso geeignet wie für die Behandlung von Hautverletzungen und Abschürfungen.

FAMILIÄRER ERFAHRUNGSSCHATZ

„Diese Salbe hilft auch, die Heilung von Lippenherpes zu beschleunigen. Deshalb kann man sie im Winter gut beim Skifahren unter der intensiven Bergsonne gebrauchen“, ergänzt die Pf anzenexpertin, die schon als Kind ihren Vater auf seinen Streifzügen durch die Natur begleitete und so all die schmackhaften und heilsamen Gewächse am Wegesrand kennenlernte.

Auch die Großmutter, die in ihrem Garten und auf gepachtetem Land mit großer Leidenschaft Obst und Gemüse, Kräuter und Blumen anbaute, hat ihr vieles beigebracht. Diesen seit Generationen in der Familie gesammelten und durch eigene Ausbildungen ergänzten Erfahrungsschatz gibt Iris Bein heute in abwechslungsreichen Kursen, Seminaren und Führungen weiter (siehe Seite 42).

„Neben dem Sonnenhut gibt es aber noch eine Reihe weiterer Pf anzen, die sich bei Erkältungskrankheiten schon seit Jahrhunderten als natürliche Hausmittel bewährt haben“, meint die zertif zierte Natur- und Landschaftsführerin. „Mein persönlicher Favorit ist der Fenchel (Foeniculum vulgare), den ich auch wegen seiner hübschen gelben Blütendolden im Gartenbeet schätze.

Die Anwendung seiner Früchte bei Katarrhen der oberen Atemwege ist heute sogar wissenschaftlich anerkannt.“ Seine Samen enthalten ein schleimlösendes ätherisches Öl, das gleichzeitig die Bewegung der Flimmerhärchen in den Atemwegen anregt und dadurch für den besseren Abtransport des Sekrets sorgt. Auch eine keimtötende Wirkung des Öls konnte inzwischen nachgewiesen werden.

Zubereitet wird der Fenchel am häuf gsten als Tee (1 TL mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen, abseihen und mit Honig süßen) oder Sirup. Auch in Honig eingelegt können die Früchte ihre wohltuende Wirkung entfalten. Damit sich die Inhaltsstof e gut lösen können, sollten die Samen vor der Zubereitung immer im Mörser angestoßen werden.

Ebenfalls ein schöner Hingucker im Garten und ein Anziehungspunkt für Bienen und Hummeln ist die Königskerze (Verbascum densif orum), die die Menschen seit Jahrhunderten vor Blitzeinschlag und anderem Unheil schützen soll und ihnen als zuverlässiges Hausmittel bei Husten und Heiserkeit dient.

Die Kräuterfrau: „Ihre wichtigsten Bestandteile sind Schleimstoffe, die reizlindernd auf die entzündeten Schleimhäute wirken. Um diese nicht zu zerstören, bereitet man mit den Blüten einen Kaltansatz zu, der vor dem Einnehmen noch einmal leicht erwärmt wird. Auch eine Mischung der Königskerze mit Eibisch, Huflattich, Spitzwegerich oder Malve beruhigt die gereizten Atemwege.“

ERPROBTE HAUSMITTEL

Bei den klassischen Erkältungsp anzen darf der Thymian nicht fehlen. Sein schleim- und krampflösendes ätherisches Öl gilt als ein ausgezeichnetes „Desinfektionsmittel“, das das Wachstum von Bakterien und Viren erfolgreich hemmen kann. Angewandt wird Thymus vulgaris, dessen graugrüne Blättchen bis in den Winter hinein geerntet werden können, am häufigsten als Tee oder als Tinktur (10 g mit 100 ml Alkohol übergießen und 3–4 Wochen ziehen lassen) zum Gurgeln.

Auch Hustenbonbons lassen sich mit dem Kraut herstellen – wegen des frischeren Geschmacks rät Iris Bein allerdings zur Verwendung von Zitronen- oder Orangenthymian, der einen etwas geringeren Wirkstoffanteil aufweist. Ein erprobtes Hausmittel, das oft zur Linderung von Husten und Schnupfen angewandt wird, ist die Inhalation.

Neben Thymian empfehlen sich Fenchel, antiseptisch wirkender Dost, beruhigende Kamille, krampflösende Pfefferminze und entzündungshemmender Salbei für das Gesichtsdampfbad, das die Atmung erleichtert. Die Kräuter werden in einer Schüssel mit heißem Wasser übergossen. Sobald die Temperatur erträglich ist, atmet man unter einem Handtuch den Dampf zehn Minuten lang ein.

Danach das Gesicht trocken tupfen und ruhen. Die schmerzlindernden und desinfizierenden Inhaltsstoffe des Salbeis wirken bei Hals- und Rachenentzündungen auch im Tee – zum Trinken oder zum Gurgeln. Auch die Hustenbonbons (siehe oben) kann man statt mit THymian mit Salvia o cinalis zubereiten. Und nicht zuletzt lässt sich mit Salbei ein schmackhafter Likör herstellen, der in der empfohlenen Dosierung bei Halsschmerzen und Heiserkeit ebenfalls gute Dienste leistet.
Sonnenhut, Salbei & Co - TEXT: ANGELiKA KRAUSE, FOTOS: VOLKER DAUTZENBERG;
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