Pflege aus frischen Kräutern

Petersilie, Minze und Co. genießen im Garten die Frühlingssonne. Die Kraft der frischen Kräuter nutzt Heilpflanzenexpertin Stella Reimers für die Pflege von Haut und Haar.

F ür den Frühling haben sie sich ordentlich herausgeputzt: Petersilie, Dill, Minze, Melisse, Rosmarin, Salbei und Thymian beherrschen mit ihrem saftig-frischen Grün die Kräuterbeete und konkurrieren mit Gänseblümchen, Stiefmütterchen und Veilchen um unsere Aufmerksamkeit.

„Schon jetzt gibt es im Garten und in der freien Natur viele Kräuter und Blüten, die wir wunderbar für die Pflege von Haut und Haar verwenden können“, erklärt die Heilpflanzenexpertin Stella Reimers, die in ihrer eigenen Praxis in Kisdorf (Schleswig-Holstein) praktische Kurse zum Thema „Naturkosmetik“ anbietet. Dort lernen die Teilnehmer, wie Gesichtscremes angerührt und Körperöle angesetzt werden, und erfahren das Wichtigste über die wohltuenden Eigenschaften der dafür benutzten Pflanzen.

Schon im Alter von zwölf Jahren hatte Stella Reimers begonnen, sich mit dem traditionellen Kräuterwissen zu beschäftigen – auf das sie damals durch ihr Interesse für das Mittelalter gestoßen war. Als Hobby hat es sie immer begleitet, aber erst als sie bereits als Sozialpädagogin arbeitete, ließ sie sich nebenbei zur Heilpflanzenexpertin und Aromatherapeutin, später zur Heilpraktikerin für Psychotherapie ausbilden.

„Es ist wirklich erstaunlich, wie groß der Erfahrungsschatz der kräuterkundigen Frauen und Männer schon vor Hunderten von Jahren war“, meint sie. „Viele ihrer intuitiven Erkenntnisse sind heute wissenschaftlich belegt.“

Alle Pflanzen, die Stella Reimers für die Zubereitung der Kräuterkosmetik benötigt, kann man im eigenen Garten kultivieren. Brennnessel und Spitzwegerich, die für viele als lästiges Unkraut gelten, lassen sich dort in der Regel ebenso finden. Wer die Gewächse aus den eigenen Beeten und Töpfchen pflückt und weiterverarbeitet, kann sicher sein, dass sie absolut frisch sind – und weder gedüngt noch mit chemischen Substanzen behandelt wurden.

Wenn darüber hinaus die verwendeten Öle und Fette aus biologischem Anbau stammen, ist gewährleistet, dass die selbst hergestellten Cremes und Lotionen echte Naturprodukte sind. Die nötigen Zutaten kann man entweder im Kräuterpark Stolpe bestellen oder in Kräuterläden und Geschäften für Kosmetik-Rohstoffe erwerben.
Kräuter für die Pflege
„Vermutlich nicht so einfach erhältlich ist das Pfefferminzhydrolat. Aber es lässt sich zu Hause ohne eine Destille problemlos herstellen und zwar mit einem klassischen italienischen Espressokocher. Das daraus gewonnene Minzwasser hat zwar eine etwas geringere Konzentration, kann aber vielseitig für die Zubereitung von Gesichtsund Haarwasser, Cremes, Shampoos und erfrischenden Fußbädern eingesetzt werden“, so die Pflanzenexpertin.

Die Pfefferminze mit ihren kühlenden, durchblutungsfördernden und desinfizierenden Inhaltsstoffen hat seit jeher einen festen Platz in der Kräuterkosmetik. In der Erfahrungsheilkunde wurde sie gern bei juckenden Hauterkrankungen genutzt; Waschungen mit Pfefferminztee waren sehr beliebt, um Körper und Geist zu erfrischen.

Vor allem unreine, großporige und schlecht durchblutete Haut profitiert von den wohltuenden Bestandteilen der Mentha piperita. Ein Gesichtsdampfbad (eine knappe Handvoll Blätter mit einem Liter kochendem Wasser übergießen, eventuell ein bis zwei Tropfen ätherisches Pfefferminzöl zugeben) ist deshalb ein wunderbares Mittel zur Klärung des Teints.

Die Aromatherapeutin: „Der in unserem Gesichtswasser wirksame Spitzwegerich ist gleichfalls gut für die unreine und fettige Haut. Seine Schleimstoffe haben einen reizlindernden und seine Gerbstoffe einen zusammenziehenden Effekt. Darüber hinaus weist er antiseptische und entzündungshemmende Substanzen auf, von denen die jugendliche Aknehaut profitieren kann.“

Die bakterienhemmenden Kräfte des Spitzwegerichs sind umso größer, je jünger die Blätter sind – deshalb empfiehlt es sich, für die Zubereitung der Kräuterkosmetik im Garten vor allem die neueren Triebe abzuzupfen.

Eine Vielzahl von Hauterkrankungen wurde in der mittelalterlichen Klostermedizin mit frischer, zu einem Brei verrührter Petersilie behandelt, die damals eher als Arznei- denn als Küchenkraut geschätzt wurde. Heute macht sich die nährstoffreiche Pflanze innerlich um die Gesundheit der Haut verdient, weil sie sehr viel Vitamin E enthält. Aber auch äußerlich – in einer Gesichtsmaske oder einem Kräuterbad – kann sie ihre pflegenden Qualitäten entfalten.

„Alternativ kann man dieser Gesichtsmaske Salbei zugeben. Salvia officinalis gehört durch seinen hohen Gehalt an ätherischem Öl zu den wirksamsten pflanzlichen Mitteln bei Akne und unreiner Haut. Seine entzündungshemmenden und antibakteriellen Inhaltsstoffe macht man sich in der Kräuterkosmetik gern bei der Herstellung von Gesichtswasser, Cremes oder Peelings zunutze“, ergänzt die Heilpraktikerin.

Blüten für die Schönheit
Neben den Kräutern zeigen sich im Frühling schon einige Blüten, die für die Schönheitspflege zur Verfügung stehen. So ist das Stiefmütterchen nicht nur eine Augenweide in Beeten und Blumentöpfen: Die Anwendung bei Akne und Ekzemen ist heute wissenschaftlich anerkannt. Seine entzündungshemmenden und reizlindernden Eigenschaften kommen in einer beruhigenden Gesichtscreme zur Geltung, die eine frische, leicht grünliche Färbung hat.

Auch das kleine Gänseblümchen, das uns fast bis in den November hinein treu bleibt, besitzt große Kräfte. Als altes Hausmittel werden seine zerquetschten Blüten und Blätter – oder ein mit dem Tee getränkter Wickel – heute noch genutzt, um die Heilung von Hautausschlägen und Wunden zu unterstützen. In der selbst hergestellten Naturkosmetik eignet es sich gut als klärende und pflegende Zutat für die empfindliche und sensible Haut.

Für die Haare bietet der Frühlingsgarten desgleichen eine Vielzahl von hilfreichen Kräutern, beispielsweise den schon erwähnten Spitzwegerich, der entzündungswidrig und ausgleichend wirkt, die Pfefferminze, die die Kopfhaut erfrischt, und den desinfizierenden Salbei.

Stella Reimers: „Die wichtigsten Pflanzen für den Schopf und die Kopfhaut sind jedoch Birken und Brennnesseln. Beide fördern die Durchblutung, hemmen Entzündungen und werden bei schnell fettendem Haar, Schuppen und Haarausfall eingesetzt.“

Ein bewährtes Mittel für stark fettendes Haar wird mit je einem Esslöffel Brennnessel, Birke und Melisse in 100 Milliliter 70-prozentigem Alkohol hergestellt. Die Tinktur muss etwa drei Wochen kühl und dunkel ziehen und wird nach dem Abseihen mit 150 Milliliter Minzhydrolat aufgegossen. Dieses Haarwasser massiert man nach dem Waschen in die Haare ein und spült es nicht aus.

Schönen Glanz bekommt das Haar mit einer Spülung, für die Brennnesseltee (zwei Handvoll frische Blätter auf einen halben Liter kochendem Wasser; erst nach dem Erkalten abseihen!) mit einem Viertelliter Obstessig vermischt wird. Die Spülung wird ebenfalls nicht ausgewaschen.
Pflege aus frischen Kräutern - Text: Angelika Krause, Fotos: Peter Raider
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