Gesundheit

Natürliche Reise-Apotheke

Zur Linderung von Übelkeit und anderen Reiseerkrankungen hält die Natur bewährte Wirkstoffe bereit. Judith Koch weiß, welche Kräuter und Hausmittel dabei helfen können, den Urlaub unbeschwert zu genießen.

Endlich Urlaub – und dann das: Der Hals kratzt. „Ich habe für solche Fälle meist ein Tütchen getrockneten Thymian aus eigenem Anbau im Reisegepäck“, meint Judith Koch, die in ihrem Garten in Remagen, Rheinland-Pfalz, gerade ein „lebendes Herbarium“ mit Heil- und Wildpflanzen aufbaut.

„Aufgrund seiner antiseptischen und schleimlösenden Eigenschaften hat sich ein damit aufgebrühter Tee als Gurgelwasser gut bewährt. Auch Anissamen – einfach fünf bis sechs im Mund zerkaut – sind effektive Bakterienkiller.“

Unkomplizierte Anwendungen
Wer im Urlaub bei allgemeinen Befindlichkeitsstörungen und typischen Reisebeschwerden nicht auf die natürlichen Hausmittel verzichten will, braucht keinen großen Koffer: Die Reiseapotheke, die Judith Koch für den Urlaub mit ihrer Familie packt, ist mit Tinktur- und Ölfläschchen, Salbentiegel, Kräutersäckchen und einigen Teekräutern weder schwer noch umfangreich.

Die Zubereitung der Hausmittel, die auch bei höheren Tagestemperaturen nicht verderben, nimmt darüber hinaus nicht viel Zeit in Anspruch – und die Anwendungen sind unkompliziert.

Die Kräuterfrau: „Es klingt vielleicht merkwürdig, aber Urlaub ist für unseren Körper zunächst nicht erholsam, sondern mit Anstrengung, Nervosität und Stress verbunden. Deshalb stärken wir ihn am besten schon im Vorfeld einer Reise gezielt mit Vitaminen und Mineralien.“

Wichtige Helfer dabei sind die Klassiker Obst und Gemüse – und das „Unkraut“ im Garten und am Wegesrand. Für einen aufbauenden, kräftigenden und vitalisierenden Trunk benötigt man nicht mehr als zwölf bis fünfzehn junge Pflanzentriebe und Blüten täglich.
„Am Morgen der Reise würde ich aus Rücksicht auf den Magen allerdings sowohl auf den Kräutertrunk wie auf Obstsäfte und Kaffee verzichten und stattdessen Haferschleim mit etwas Honig gesüßt essen“, rät die Expertin. „Und für unterwegs backe ich Haferkekse als ebenso gesunden wie schmackhaften Reiseproviant.“

Haferflocken sind großzügig mit dem „Nervenvitamin“ B1 ausgestattet, das die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit fördert. Eine ausreichende Versorgung mit diesem wichtigen Nährstoff kann daher vor der klassischen Reisekrankheit mit Nervosität und Angstgefühlen schützen und eine positive Grundhaltung schaffen.

Zur Beruhigung vor und während der Reise hält die Natur einen weiteren Schatz bereit, dem die  Volksmedizin ungeheure Kräfte zuschreibt: die Melisse mit ihren schmerzlindernden und entspannenden Eigenschaften. Wer am Abend vor der Fahrt nicht einschlafen kann, sollte sich mit einem Melissenbad – eine Handvoll Blätter in einem Liter Wasser aufkochen und dem Badewasser zugeben – ins Reich der Träume schicken lassen.

Eine Tasse als Tee getrunken kann Stauungskopfschmerzen und Angstzustände lindern und nervösem Erbrechen vorbeugen. „Unterwegs ist ein mit Melisse gefülltes Kräutersäckchen eine echte Wohltat. Man kann daran riechen und den beruhigenden Duft wirken lassen – und es im Flugzeug bei Start und Landung wunderbar zerknautschen, wenn die Nervosität überhandnimmt“, so Judith Koch.

Sie empfiehlt, für die Kissen fachmännisch getrocknete Kräuter zu kaufen, weil die selbst getrockneten oftmals Schimmelpilze enthalten und diese auf keinen Fall eingeatmet werden dürfen.

Allheilmittel Pfefferminze
Solche Säckchen sind schnell genäht und lassen sich auch mit anderen wohltuenden Pflanzen füllen – beispielsweise mit Pfefferminze, die bei Kopfschmerzen und Müdigkeit gute Dienste leisten kann. Als eine Art „Allheilmittel“ – ihre Vielseitigkeit wurde schon vor Tausenden von Jahren gelobt – gehört sie in jede natürliche Reiseapotheke.

Zum Tee aufgebrüht soll sie bei Magen- und Darmbeschwerden schmerzstillend, krampflösend, blähungswidrig und keimtötend wirken. Das ansonsten hilfreiche Ingwerwasser (3 Scheiben auf 1 l kochendem Wasser, 10 Min. ziehen lassen) hat eine wärmende Wirkung und kommt daher im Sommer weniger zur Geltung.

Pfefferminze aber hat kühlende Eigenschaften. Babys, Kleinkinder und stillende Frauen sollten jedoch keine Minze zu sich nehmen. Ihnen steht bei diesen Beschwerden ein Tee aus Anis, Fenchel und Kümmel zur Verfügung.

Ebenfalls ein großes Einsatzgebiet erwartet die Spitzwegerichtinktur, die Judith Koch einige Wochen vor dem Urlaub ansetzt: „Wahrscheinlich haben schon die Steinzeitmenschen die frischen, etwas zerdrückten Blätter der Pflanze als Heilmittel für offene Wunden und Hautverletzungen benutzt.

Darüber hinaus helfen ihre Wirkstoffe, bei Insektenstichen den Juckreiz zu lindern und bei einer Verstauchung oder Zerrung die Schwellung zu beruhigen.“ Bei vielen Hautverletzungen hat sich zudem die Ringelblumensalbe bewährt – eine Art Universalmittel für Abschürfungen, Ausschläge und Blutergüsse. Die Inhaltsstoffe der Calendula fördern die Hautdurchblutung und damit die Zellneubildung, sodass die Salbe gleichermaßen nach einem Sonnenbrand Linderung verschaffen kann.

Schutz für Haut und Haar
„Trockene Luft, Sonne, Hitze, Chlor und Salzwasser – unsere Haut muss im Urlaub eine ganze Menge ertragen. Meine Favorit für ihren Schutz und ihre Regeneration ist neben der Ringelblumensalbe die tägliche Pflege mit Kokoscreme. Sie ist so blitzschnell und einfach hergestellt, dass sich selbst Menschen, die noch nie eine Creme angerührt haben, problemlos heranwagen können“, erklärt die Kräuterfrau.

Die Kombination des in Bio-Qualität sehr gut verträglichen Kokosfetts, das kühlend und beruhigend wirkt, mit neutraler weißer Vaseline hat den Vorteil, dass der Haut auch häufiges Baden im Pool oder im Meer nicht viel anhaben kann: Es macht sie samtig weich – und das Wasser perlt einfach an ihr ab.

Man kann Kokosfett genauso gut pur verwenden: Es schmilzt auf der Haut und zieht schnell ein. Damit hat man gleichzeitig eine wirksame Haarpflege im Gepäck: Einfach nach der Wäsche eine erbsengroße Menge ins handtuchfeuchte Haar streichen, vor allem in die Spitzen. Das lässt den von UV-Licht, Wind und Wasser arg strapazierten Schopf wieder glänzen. Der beste Schutz für Haut und Haar bleibt jedoch der Schatten – und ein schöner Sonnenhut.

 
Natürliche Reise-Apotheke - Text: Angelika Krause, Fotos: Peter Raider
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