Natürliche Pflege mit Nahrungsmitteln

Kartoffeln, Eier, Milch und Co. besitzen wertvolle Inhaltsstoffe. Natalia Wolf stellt mit den Vorräten aus der Speisekammer natürliche Kosmetik für Haut und Haare her.

Schon als Jugendliche hat sich Natalia Wolf mit der Herstellung und Anwendung von naturbelassenen Pflegemitteln für Haut und Haare beschäftigt. „Ich bin in Russland geboren und aufgewachsen“, erzählt sie. „Damals gab es nur wenige Kosmetika und für uns Frauen war es selbstverständlich, alles selbst herzustellen.“

Von Generation zu Generation wurden die Rezepturen von den Müttern an die Töchter weitergegeben. Gesichts- und Körperöle, Haarwasser, Peelings, Fußbäder und vieles mehr wurden aus Zutaten zubereitet, die in den Vorratskammern und Gärten zu finden waren: Kartoffeln, Eier, Mehl, Salz, Zucker, Honig, frisches Obst und Gemüse, Milchprodukte, Öle, Blüten, Kräuter – und sogar Wodka.

Dieses alte Wissen hat Natalia Wolf, die seit acht Jahren mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Deutschland lebt, mit den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus ihrem Beruf als Ernährungsberaterin überprüft.

„Unsere Vorfahren haben beispielsweise Rahm als Zutat benutzt, um trockener und spröder Haut zu neuer Zartheit zu verhelfen. Inzwischen hat die Forschung herausgefunden, dass er wegen seines hohen Fettanteils dafür besonders gut geeignet ist“, erklärt die Autorin, die den überlieferten Erfahrungsschatz in einem Ratgeber zusammengefasst hat. Neben den altbewährten finden sich darin ebenso neue Rezepte, die sie selbst entwickelt und ausprobiert hat.

Die meisten Hausmittel, die die Expertin verwendet, werden frisch zubereitet – und sind tatsächlich in zwei bis drei Minuten gebrauchsfertig. Das zeigte sie uns im LVR-Freilichtmuseum Kommern in Nordrhein-Westfalen, wo uns eine Vorratskammer aus dem 18. Jahrhundert für die Fotoaufnahmen zur Verfügung gestellt wurde (www.kommern.lvr.de).

Schnell und leicht hergestellt sind auch die Gesichtsmasken, auf die Natalia Wolf schwört: „Schon seit Hunderten von Jahren wird diese Form der Naturkosmetik erfolgreich angewandt. Sie versorgen die Haut mit wichtigen Vitaminen und Mineralien und verbessern die Durchblutung. Außerdem wirken sie entspannend und geben müder Haut Frische und Geschmeidigkeit zurück.“

Eine klassische Zutat, die die Ernährungstrainerin in viele Gesichtsmasken, aber genauso in Packungen für Haare, Hände und Füße mischt, sind Eier: Sie sind reichhaltiger an Nährstoffen als die meisten anderen Lebensmittel und schützen die Zellen vor den freien Radikalen, die die Haut altern lassen und Erkrankungen verursachen können.
Die beste Zeit für eine Maske
Bevor die Maske – mit einem Wattepad, einem Küchenpinsel oder den Fingerspitzen – aufgetragen wird, sollte das Gesicht gründlich gereinigt werden. Denn wenn noch Schminkereste, Schmutz oder zu viel Fett auf der Haut sind, kann diese die wertvollen Substanzen nicht optimal aufnehmen.

Augen- und Mundbereich benötigen eine besondere Pflege und bleiben deshalb ausgespart. Der beste Zeitpunkt für eine Maske ist der Abend vor dem Zubettgehen, da die Haut dann nicht mehr den Umwelteinflüssen oder einem Make-up ausgesetzt wird. Die meisten Gesichtspackungen sollten etwa 15 Minuten lang einwirken.

Wimperntusche und Lidschatten lassen sich sanft und dennoch gründlich mit Mandel- oder Olivenöl entfernen. Für die morgendliche und abendliche Reinigung der Haut empfiehlt Natalia Wolf ein Gesichtswasser. Dieses kann man beispielsweise aus einem Aufguss mit frischem Sellerie herstellen, der sich im Kühlschrank etwa drei Tage hält.

Auch schwarzer und grüner Tee oder mit etwas Wasser vermischter Gurkensaft säubern und erfrischen die Haut. Die Autorin: „Statt auf ein Wattepad trage ich die Flüssigkeit oft auf ein dünnes weiches Tuch auf, mit dem ich dann leicht auf mein Gesicht klopfe. Diese kleine Massage verbessert außerdem die Durchblutung.“

Zusätzlich wendet sie ab und zu ein Gesichtspeeling an, das sie beispielsweise aus Kaffeesatz und Joghurt oder aus Zucker, Olivenöl und einem Eigelb frisch anrührt. Von dem Gesichtsöl, das sie nach der Reinigung aufträgt (siehe links), hat sie immer einen kleinen Vorrat zur Hand: Dessen Haltbarkeit richtet sich nach dem Verfallsdatum der Öle.

Um die dünne und empfindliche Haut an den Augen frisch und elastisch zu halten, empfiehlt die Ernährungstrainerin, regelmäßig eine Augenmaske anzuwenden. Neben den klassischen Gurkenscheiben hat sich eine die Partie glättender und straffende Maske aus Milch und Hefe oder aus Milch und Haferflocken bewährt.

Zwei in etwas Lindenblütentee oder warmer Milch getränkte Wattepads auf den Lidern machen müde Augen wieder munter. Auch die ebenso sensible Haut der Lippen braucht eine Extraportion Pflege. Honig ist dafür besonders geeignet – er macht die Lippen zart und geschmeidig und hat darüber hinaus eine entzündungshemmende Wirkung. Diese dünn aufgetragene Maske wird nach etwa zehn Minuten wieder entfernt.

Für die Haare halten Speisekammer und Kühlschrank ebenfalls einige wirksame Zutaten bereit. „Statt täglich zu einem aggressives Shampoo zu greifen, sollte man sich die Haare ab und zu mit Ei waschen“, rät die Expertin.

„Einfach zwei Eier mit dem Schneebesen schaumig schlagen, zwei Esslöffel Wasser unterrühren – fertig.“ Das „Ei-Shampoo“ kann genauso gut als Packung benutzt werden, wenn man es unter einem Handtuch etwa 20 Minuten einwirken lässt. Danach mit klarem Wasser ausspülen.

Mit ihrem hohen Vitamin-B-Gehalt ist auch in etwas warmer Milch aufgelöste Hefe ein hervorragendes Stärkungsmittel für die Haare. Ein gutes Mittel gegen Haarausfall bietet eine Zwiebelpackung, die allerdings einen deutlichen und lang anhaltenden Geruch hinterlässt.

Die Fachfrau: „Für weiche und glänzende Haare empfehle ich, unmittelbar nach der Haarwäsche eine Spülung zu gebrauchen. Dafür gibt es viele alterprobte Rezepte mit einem Sud aus Kräutern – Rosmarin, Pfefferminze, Kamille oder Brennnessel.“ Ebenso hat sich ein Aufguss mit reifen Hagebutten oder mit Birkenblättern als Haarwasser bewährt. Beide braucht man nach der Anwendung nicht mehr mit klarem Wasser auszuwaschen.

Natalia Wolf verwendet heute mit Ausnahme der dekorativen Kosmetik nur noch ihre frisch zubereiteten Hausmittel. „Meine Haut hatte sich wirklich schnell daran gewöhnt. Problematisch war der Verzicht auf die hübschen gekauften Tiegel und die Fläschchen nur für die Psyche.“

Ein guter Zeitpunkt für die Umstellung der Pflege auf die natürlichen Produkte aus der Speisekammer ist übrigens der Frühling, wenn Früchte, Beeren, Kräuter, Salate und vieles mehr in Hülle und Fülle zur Verfügung stehen.
Aus der Speisekammer - Text: Angelika Krause, Fotos: Peter Raider
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