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Kraft der Karotte

Knackig und leicht süßlich ist die Möhre genau richtig zum gesunden Knabbern zwischendurch. Kräuterfrau Silja Parke aber weiß, dass die orange Wurzel und ihr Kraut noch einiges mehr können.

Macht man sich den Namen eines Wildkrautes zu eigen, muss man dazu wohl eine besondere Beziehung haben: Für ihre Arbeit als Kräuterpädagogin gab sich Silja Parke das Pseudonym „Wilde Möhre“ – ein Zeichen dafür, dass „die Pflanze mir so gut gefällt und mich seit Jahren begleitet“. Für sie ist die Pflanze nicht nur wegen ihrer gesunden Inhaltsstoffe interessant, sondern auch aufgrund ihrer Signatur: „Ich mag an der Natur vor allem das Wilde“, erzählt die gebürtige Bremerin, die mittlerweile aber im Salzburger Land lebt. „Nach der Blüte schließen sich außerdem die Körbchen und zentrieren sich auf den Mittelpunkt – für mich ein Symbol dafür, durch die Natur zur eigenen Mitte zu finden und das Wesentliche zu erkennen.“


Ein Schuss Öl muss mit

So zögerte sie nicht lange, ihr Wissen rund um die Wilde, aber auch die kultivierte Möhre und deren Heilwirkungen mit uns zu teilen. Neben der Ausbildung zur Kräuterpädagogin nach der Gundermannschule lernte sie in Salzburg beim Diplomlehrgang Volksheilkunde die Welt der Heilpflanzen neu und besser kennen – so auch die Karotte. Gesund sind an der knackigen Wurzel vor allem die enthaltenen Betacarotine, an denen die orange Sorte besonders reich ist. „Sie sind wichtig für die Bildung von Vitamin A, das der Körper für viele seiner Funktionen wie Zellwachstum, den Sehvorgang und das Abwehrsystem braucht“, so die Expertin. Als fettlösliches Vitamin ist es für den Körper am besten zu verwerten, wenn die Rübe gut zerkleinert und zusammen mit Öl verzehrt wird – bereits ein Schuss Öl im Karottensalat oder in der Suppe tragen zur verbesserten Aufnahme des Stoffes bei.


Alt bewährtes Hausmittel

Abgesehen von der kulinarischen Verwendung nutzen die Menschen die Karotte aber schon seit Jahrhunderten auch als Heilpflanze – so kennt die Volksheilkunde eine Wundauflage mit frischer Karotte  oder ihrem Saft als entzündungshemmendes und wundheilungsförderndes Hausmittel. Besonders bekannt ist aber vermutlich die Morosche Suppe gegen Durchfall: „Früher gab es noch keine Antibiotika. Bei Durchfallerkrankungen wurde dann die Suppe vor allem bei Kindern eingesetzt und so deren Sterblichkeit erheblich reduziert. Durch die Karottenpektine werden die Bakterien gebunden, sodass diese nicht mehr an den Rezeptoren der Darmwand andocken“, erklärt Silja Parke. Sie empfiehlt die Karotte aber nicht nur im Akutfall: „Die Karotte ist einfach gesund. 3–4 Karotten oder etwa 250 ml Saft tun dem Körper gut und wirken blutreinigend, antioxidativ, stoffwechselfördernd und haben eine positive Wirkung auf den Blutzuckerund Cholesterinspiegel.“ Allgemein empfiehlt sie für die Zubereitungen frischen anstatt gekauften Saft zu verwenden und dafür die Rüben fein zu reiben und durch ein Tuch zu pressen: „Die Reste kommen dann in die köstliche Karottenbutter.“
 

Karotten-Erkältungssirup  

bei Erkältungskrankheiten, grippalen Infekten, Bronchitis, Halsentzündung

Zutaten:
  • 400–500 g Bio-Karotten zur Gewinnung von 150 ml Karottensaft
  • 1 Zwiebel
  • 1 Bio-Zitrone
  • 1 EL Anissamen (oder 3–4 Sternanis)
  • 250 g Rüben-Zucker
Zubereitung:
  1. Karotten fein raspeln und durch ein feines Baumwolltuch drücken. Den Saft auffangen und in einen Kochtopf geben.
  2. Die Zwiebel schälen, in kleine Würfel schneiden und zum Karottensaft im Kochtopf hinzufügen. Abrieb von einer Bio-Zitrone sowie ½ Bio-Zitrone in Scheiben geschnitten hinzufügen. 1 EL Anissamen im Mörser anquetschen und ebenfalls in den Kochtopf geben. Zum Schluss der Mischung noch 250 g Rüben-Zucker beifügen und sanft erhitzen. Unter Rühren den Zucker auflösen und zugedeckt 15 Minuten auf kleiner Stufe simmern lassen.
  3. Heiß in eine sterile Flasche abfüllen.
Anwendung:
3–4 Mal täglich einen Esslöffel Sirup einnehmen. Den Sirup immer in kleinen Mengen frisch zuzubereiten. Der Sirup hält sich im Kühlschrank einige Tage und sollte entsprechend schnell verbraucht werden. Wirkt entzündungshemmend, schleimlösend, desinfizierend, antibiotisch und entkrampfend.

Weitere Rezepte finden Sie in der aktuelle Ausgabe der LandAPOTHEKE. 


 
Text von Dagmar Bartosch
Landapotheke Ausgabe 04/19 Jetzt abonnieren!
Fotos: 
Peter Raider
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