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Klosterfasten

Ordensleute mussten sich zu bestimmten Zeiten beim Essen und Trinken einschränken. Die Ernährungsexpertin Dr. Iris Eisenmann-Tappe erklärt, wie wir diese Tradition für unsere Gesundheit nutzen können.
Klosterfasten © Peter Raider

 

Verzicht auf Fleisch und Süsses

Eine motivierende Information gleich vorweg: „Fasten nach den überlieferten Riten und Konventionen der christlichen Klöster bedeutete nur in Ausnahmefällen den völligen Verzicht auf Nahrung“, erklärt die Heilpraktikerin und Ernährungsberaterin Dr. Iris Eisenmann-Tappe, die sich als Mitglied der Forschergruppe Klostermedizin eingehend mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. „In der Regel bekamen die Ordensleute in dieser Zeit eine Mahlzeit am Tag, die den Hunger gut stillte. Enthaltsamkeit wurde dennoch geübt, denn sie durften weder Fleisch noch Süßes essen, keinen Alkohol trinken und keine aromatischen Gewürze benutzen.“

Schlicht, aber sättigend

In der für Veranstaltungen buchbaren Küche von Schloss Darstadt, in der sie auch Kochseminare abhält, bereitet die Würzburger Expertin in der Ernährungsheilkunde für uns die sechs Gerichte einer Fastenwoche zu. Sie wurden nach modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen mit den traditionellen Zutaten aus der Klosterküche zusammengestellt. Diese Mahlzeiten sind schlicht, aber sättigend – und vor allem sehr gesund. Sie basieren auf Hafer, Hirse und Buchweizen; Kartoffeln wurden erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts im großen Stil in Europa angebaut. „Die Anwendung und Zubereitung dieser altbewährten Grundlebensmittel, die früher auch den Speiseplan der Menschen auf dem Land bestimmt haben, sind heute weitgehend in Vergessenheit geraten“, so die Heilpraktikerin. „Das ist wirklich schade, denn sie sind ausgesprochen nahrhaft und vielfältig einsetzbar und bringen schmackhafte Abwechslung in die fleischlose Küche. Nicht zuletzt liefern sie unserem Organismus eine ganze Reihe von wertvollen Vitalstoffen.“

Hafer, Hirse & Buchweizen

So ist Hirse mit 9,8 g Eiweiß, 4 g Fett und 69 g Kohlenhydraten pro 100 g Korn ein echtes Kraftpaket. Hafer hat ebenfalls einen hohen Eiweißgehalt, viele Mineralstoffe und Ballaststoffe, die den Darm gesund halten. Buchweizen dagegen ist sehr fettarm, sättigt aber dauerhaft und ist daher bei Übergewicht von Vorteil. Zu jedem dieser Grundlebensmittel hat Dr. Iris Eisenmann-Tappe zwei Rezepte entwickelt, um uns eine Idee für ihre Verwendung in der modernen Küche an die Hand zu geben. Neben dem Bewusstsein, etwas für die Gesundheit zu tun, bietet das Fasten mit den schlichten Klostergerichten auch die Gelegenheit, die einfachen Zutaten wieder kennen, schmecken und schätzen zu lernen. Bei allen Fastenspeisen außer dem Brot lassen sich Hafer, Hirse und Buchweizen übrigens notfalls sehr gut durch Kartoffeln ersetzen, die ebenfalls satt machen und reich an Vitalstoffen sind. Saisonal frisch erhältliche Gemüsesorten ergänzen die Zutatenliste.

Stabiles Fundament

Die ausgewählten Rezepte kann man in beliebiger Reihenfolge zubereiten. „Wer montags mit seiner klösterlichen Fastenwoche begonnen hat, darf dann am Sonntag ohne schlechtes Gewissen ein anderes Gericht – nach Geschmack sogar mit Fleisch – auf den Tisch bringen“, ergänzt die Expertin. „Dieser Rhythmus von Wochen- und Sonn- bzw. Feiertagen mit den jeweils typischen Mahlzeiten ist heute noch ein stabiles Fundament für die Gesundheit von Körper, Geist und Seele.“ Es wird geraten, pro Tag außer dieser einen Mahlzeit aus der Klosterküche nichts zu essen, um die Verdauungsorgane zu entlasten und die Fettverbrennung anzuregen. Wer das gar nicht schafft, nimmt morgens etwas eiweißreiche Kost zu sich. Falls der Hunger zwischendurch übermächtig ist, darf etwas Obst oder rohes Gemüse verzehrt werden. Nach 18 Uhr sollte man nichts mehr essen. Kaffee ist ungesüßt erlaubt; darüber hinaus ist besonders auf die Einnahme von viel Flüssigkeit in Form von Wasser oder Kräutertee zu achten. So kann man beispielsweise über den Tag verteilt einen Liter einer Teemischung mit Löwenzahn und Artischocke trinken, um die Leber bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Auch eine stoffwechselanregende Mischung mit Goldrute, Zinnkraut, Birke und Brennnessel ist hilfreich.

Zur Ruhe kommen

„Es bietet sich an, den Verzicht auf Überfluss beim Essen in der Fastenwoche in spiritueller Hinsicht zu ergänzen“, meint Dr. Iris Eisenmann-Tappe abschließend. „Eine kleine Auszeit von Handy, Fernseher, Computer und anderen allgegenwärtigen Ablenkungen hilft dabei, zur Ruhe zu kommen, in sich hineinzuhorchen und neue Kraft zu tanken.“


Buchweizenknödel         

vegetarisch

Zutaten für 4 Personen:
  • 150 g altbackenes Brot
  • 1 Tasse Milch
  • 1 kleine Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen
  • Öl zum Anbraten
  • 100 g Buchweizenmehl
  • 50 g Hartkäse
  • 1 Ei
  • Salz
  • Pfeffer
  • nach Geschmack Kümmel oder fein gehackte Kräuter
  • eventuell Dinkelmehl
 
  1. Brot klein schneiden, Milch darübergießen und einweichen lassen.
  2. Zwiebel und Knoblauch schälen und würfeln. In Öl anschwitzen, abkühlen und zugeben.
  3. Buchweizenmehl und die übrigen Zutaten zugeben und alles vermischen. 
  4. Einen Topf mit Salzwasser zum Sieden bringen (nicht sprudelnd kochen lassen!). Aus der Masse einen Probeknödel formen. Wenn er zerfällt, der Masse noch etwas Dinkelmehl zugeben, bis sie die richtige Konsistenz hat.
  5. Alle Knödel formen und ins Wasser geben. Kurz aufkochen, dann etwa 20 Minuten ziehen lassen. Mit dem Schaumlöffel herausnehmen.
Zubereitungszeit: 20 Minuten 
Garzeit: 20 Minuten

 
Apfel-Rettich-Salat

vegan

Zutaten für 4 Personen:
  • 1 EL Apfelessig
  • 3 EL Öl
  • Salz
  • Pfeffer
  • 1 TL Senf
  • 2 Rettiche
  • 3 Bio-Apfel
 
  1. Aus Essig, Öl, Salz, Pfeffer und Senf ein Dressing herstellen. 
  2. Geschälte Rettiche und entkernte Äpfel raffeln und sofort ins Dressing geben.
Zubereitungszeit: 10 Minuten

Weitere Rezepte für Fastentage finden Sie in der aktuellen Ausgabe der LandIDEE. 

Naturheilpraxis 
Dr. Iris Eisenmann-Tappe

Lehmgrubenweg 19
97199 Ochsenfurt
Tel.: +49 (0)170/5 35 75 26
E-Mail: info@heilpraktikerin-tappe.de
www.heilpraktikerin-tappe.de

 
Text von Angelika Krause
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Fotos: 
Peter Raider
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