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Hilfe bei Kopfschmerzen

Das Hämmern und Pochen hinter Stirn und Schläfen führt oft zu erheblichen Beeinträchtigungen im täglichen Leben. Die saarländische Kräuterexpertin Lilian Franz kennt alte Hausmittel, die sanfte Linderung verschaffen.


Die Ursachen sind vielfältig und nicht endgültig erforscht – und es gibt kaum jemanden, der sie nicht aus eigener Erfahrung kennt: Über 70 Prozent aller Deutschen leiden zeitweise unter Kopfschmerzen, manche nur selten, andere regelmäßig. Die Volkskrankheit beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich. Tabletten können helfen, doch sie haben Nebenwirkungen – im Gegensatz zu den alten Hausmitteln, mit denen sich die Beschwerden oft natürlich lindern lassen.

Einfache Anwendungen

„Gerade bei Spannungskopfschmerzen, die neben Migräne am häufigsten auftreten, kann man sich meist mit ganz einfachen Methoden Erleichterung verschaffen“, erklärt die Gesundheitspraktikerin Lilian Franz, die in der Biosphäre Bliesgau im Saarland die Kräuterschule „Wildblumenpfad“ leitet. „Schnell und ohne Vorbereitung durchzuführen sind kalte Kniegüsse, warme Fußbäder und andere Kneippsche Wasseranwendungen. Sie regen den Kreislauf an, erweitern die Gefäße und fördern die Durchblutung des Gehirns.“ 
Kompressen sind ebenfalls leicht herzustellen, für eine Auflage zur Lockerung der Verspannungen im Nacken benötigt man nur ein Stück frischen Meerrettich und ein kleines Gazetuch. Wer unter Kopfschmerzen als Folge von Erkältungen leidet, nimmt stattdessen die Zwiebel aus dem Gemüsefach und wickelt sie klein gehackt in den Stoff: Sie hat schmerzlindernde Eigenschaften, darüber hinaus befreien ihre ätherischen Öle die Atemwege. Auch im heimischen Pflanzenreich lässt sich sanfte Unterstützung finden. Besonders bewährt hat sich die Pfefferminze, deren Inhaltsstoffe die Bildung von Schmerzstoffen hemmen und die Muskulatur entspannen. Ihre Wirksamkeit konnte durch moderne medizinische Studien sogar wissenschaftlich bestätigt werden.

Erste Hilfe für Unterwegs

Als Erste Hilfe – für zuhause und unterwegs – kann man ihr durchblutungsförderndes und entkrampfendes ätherisches Öl mit Jojobaöl gemischt in einen Roll-on einfüllen und bei Bedarf mehrmals täglich auf Stirn, Schläfen und Nacken auftragen. Die Zutaten und das Rezept dazu sind in dem Bestellset „Kopfwohl“ erhältlich. Etwas anspruchsvoller ist die Herstellung eines besonders effektiv kühlenden Gels, für das unter anderem eine Minztinktur benötigt wird. Statt diese nach der traditionellen Methode in einem Glasgefäß vier Wochen lang ausziehen zu lassen, wendet die Phytotherapeutin ein alternatives Verfahren an: die Turbo-Extraktion, die nur 24 Stunden dauert. Die Voraussetzung ist allerdings, dass man im Besitz eines leistungsstarken Mixers ist.

Weide & Mädesüss

Ein anderes wichtiges Hausmittel, das schon in der Antike eingesetzt wurde, hält die Weide für uns bereit. „Die Rinde ihrer jungen Zweige verfügt über Wirkstoffe, die in unserem Körper zu Salicylsäure umgewandelt werden. Diese wiederum hat – ähnlich der im Aspirin enthaltenen chemisch produzierten Acetylsalicylsäure – schmerzlindernde Eigenschaften. Auch das duftende Mädesüß, dessen Anwendung zur unterstützenden Behandlung von Erkältungskrankheiten wissenschaftlich anerkannt ist, weist diese Substanzen auf. Allerdings ist der Anteil etwas geringer als in der Weidenrinde“, so die Gesundheitspraktikerin, die ihr Wissen auf geführten Kräuterwanderungen in der Biosphäre Bliesgau und in abwechslungsreichen Workshops an alle Interessierten weitergibt. Besonders beliebt sind die Seminare über die traditionelle Kunst des Destillierens, die sie zusammen mit ihrem Mann Dirk abhält. 
Nicht zuletzt kann bei Kopfschmerzen in vielen Fällen auch der Lavendel Unterstützung bieten. Der Einsatz seiner ausgleichenden und entspannenden Wirkstoffe ist sinnvoll, wenn Überreizung oder Stress die Ursache der Beschwerden sind. Lilian Franz hat die getrockneten Blüten deshalb iner Kräutermischung beigefügt, die bei Bedarf in einem Kissen ihren wohltuenden Duft entfalten. Die Zutaten für diese Mischung und weitere hilfreiche Rezepturen aus ihrer Hausapotheke verrät sie uns auf den folgenden Seiten. 


Nackenauflage     

bei Kopfschmerzen durch Verspannungen im Nacken

Zutaten: 
  • 1 frische Meerrettichwurzel
  • evtl. etwas Olivenöl
Zubereitung:
  1. Ein kleines Stück der frischen Wurzel waschen und fein reiben. 
  2. Etwa 1 EL geriebenen Wurzelbrei auf ein dünnes Baumwolltuch geben. Das Baumwolltuch nun falten wie ein kleines Päckchen, sodass der Brei fest im Tuch eingewickelt ist. 
Anwendung: 
Die Auflage mittig im Nacken auflegen und sich in einer möglichst entspannten Position hinsetzen oder hinlegen. Die Auflage nach spätestens 15–20 Minuten entfernen. Die Senföle des Meerrettichs wirken stark wärmend und reizend auf unsere Haut und regen so die Durchblutung an. Das löst die Verspannung. Bei empfindlicher Haut vorher 1 TL Olivenöl in den Nacken einreiben.

Viele weitere Rezepte finden Sie in der aktuellen Ausgabe der LandAPOTHEKE 03/2020.
 

Kontakt

Lilian Franz
Wildblumenpfad
Dudweilertal 33a • 66386 Sankt Ingbert
Tel.: +49(0)68 94/9906818
Mail: lilian.franz@wildblumenpfad.de
Internet: www.wildblumenpfad.de


Kursangebote
Die Kräuter-Apotheke
Basiswissen Heilpflanzenkunde
(2-tägiges Seminar)
Termin: 22./23. August 2020
jeweils von 10 bis ca. 17 Uhr


 
Text von Angelika Krause
Landapotheke Ausgabe 03/20 Jetzt abonnieren!
Fotos: 
Peter Raider
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