Gesundheit

Erste Hilfe aus der Natur

Blutergüsse, Schnitte und Schürfwunden lassen sich im Alltag nicht vermeiden. Die Kräuterfrau Bertlies Adler weiß, welche Hausmittel die Heilung unterstützen können. 
Erste Hilfe © Birgid Allig


Nur kurz nicht aufgepasst und schon ist es passiert: ein Schnitt im Finger mit dem Gemüsemesser, Abschürfungen an der Hand beim Unkrautjäten, ein blauer Fleck nach dem Zusammenstoß mit der offenen Spülmaschinentür. Die kleinen Blessuren, die der Alltag mit sich bringt, sind selten gefährlich, aber oft schmerzhaft und lästig. Pflaster, Verbände, Eisbeutel & Co. leisten schnell Erste Hilfe, doch man kann noch mehr tun: Im Garten und auf der Wiese finden wir viele Gewächse, die den Heilungsprozess fördern und beschleunigen können.


Hübsche Wundheilerin

„Für Risse, Schnitte, Abschürfungen sowie oberflächliche und tiefere Hautverletzungen hat uns die Natur die hübsche Ringelblume geschenkt“, erfahren wir von der Heilpflanzenexpertin Bertlies Adler, die den alten Pfarrhof von Ingenried zu einem schönen Kräuterhof mit Seminarzentrum aufgebaut hat. „Wenn in der Hausapotheke keine Salbe vorrätig ist, kann man mit den frischen oder getrockneten Blüten einen Sud als raschen Nothelfer herstellen. Damit wird die Wunde abgetupft oder abgedeckt, um Entzündungen zu hemmen und die Neubildung der Haut anzuregen.“ Zur sofortigen Reinigung nach der Verletzung eignet sich auch der Sud einer anderen Pflanze – des eher unscheinbaren und nicht so bekannten Gundermanns, der aber auf jeder Wiese wächst. Die herzförmigen Blättchen, die sich über den Boden ranken, besitzen desinfizierende und zusammenziehende Wirkstoffe. Dass er schon von unseren Vorfahren als Heilkraut genutzt wurde, verrät der Name: Er leitet sich vom germanischen „gund“ ab, was so viel wie Eiter oder Beule bedeutet. 
Ebenfalls häufig sind Hautverletzungen durch Splitter und Stachel. „Wer wie ich viel im Garten arbeitet und dabei keine Handschuhe trägt, weiß, dass das ständig passiert. Besonders schlecht lassen sich Dornen von Rosen und Brombeeren entfernen. Oft bleibt ein Stück in der Haut zurück, das lange pikst oder sich gar entzündet. Wenn ein Splitter festsitzt und sich mit der Pinzette nicht fassen lässt, behandle ich die Stelle mit einer Zugsalbe, die ich nach einem alten Familienrezept herstelle und immer zu Hause habe“, so die Phytotherapeutin.


Klassische Hausmittel

Die Klassiker für die Versorgung von Hautverletzungen entdecken wir in ihrer Hausapotheke ebenfalls. Dazu gehört eine Tinktur, in der Spitzwegerich ausgezogen wurde – der mit seinen desinfizierenden und schmerzstillenden Inhaltsstoffen zu den wirksamsten Wundheilern der Natur gehört. Schon in der Antike war ein weiterer Helfer bekannt: das Johanniskraut. Das entzündungshemmende und reizlindernde Öl aus den Blüten (siehe Seite 125 in der aktuellen Ausgabe der LandAPOTHEKE) fördert das Zusammenwachsen des Gewebes bei frischen Wunden und hat sich darüber hinaus bei der Narbenpflege bewährt. Man kann es außerdem gut bei anderen Beschwerden einsetzen – etwa Nervenschmerzen, Muskelzerrungen, Verrenkungen und allen Arten von stumpfen Verletzungen. Bei Letzteren kann auch der Beinwell hervorragend Beistand leisten. Die Kräuterfrau: „Das ist die Pflanze, die ich am häufigsten bei Verletzungen des Bewegungsapparates verwende und mit der ich schon erstaunlich gute Erfahrungen gemacht habe. Sie ist sozusagen meine Universalpflanze für Verstauchungen, Quetschungen, Knochenbrüche, Hautschäden, schlecht heilende, eitrige Wunden, Schnitte, Risse und Geschwüre. Da die Wurzel schmerzstillend, reizmildernd und entzündungshemmend wirkt, ist der Beinwell genauso mein Favorit bei Blutergüssen, Arthrose, Arthritis, Narbenschmerzen, Phantomschmerzen, Tennisarm, Sehnenscheidentzündungen und Schleimbeutelentzündungen.“


Erste Hilfe am Wegesrand

Ist das Allheilmittel Beinwellsalbe (siehe Seite 125 in der aktuellen Ausgabe der LandAPOTHEKE) nicht zur Hand, finden wir am Wegesrand Erste Hilfe. Huflattich wächst fast überall und seine Blätter enthalten zusammenziehende, austrocknende und entzündungshemmende Substanzen, die die Heilung fördern. Fast das ganze Jahr hindurch blühen die Gänseblümchen, deren Inhaltsstoffe blut- und schmerzstillend wirken und den Hautstoffwechsel anregen. Wie sich diese beiden Pflanzen bei Blutergüssen, Prellungen, Quetschungen und blauen Flecken schnell und unkompliziert anwenden lassen, verrät Bertlies Adler auf den nächsten Seiten – neben einem weiteren Rezept aus ihrer Familie: ein Öl mit Majoran und Günsel zum Einreiben der betroffenen Körperpartien. 



Zugsalbe
bei Splittern oder Dornen in der Haut

Zutaten:
  • 25 g gereinigtes Fichtenharz (wird auch Burgunderharz genannt)
  • 25 g Ringelblumenöl (Zubereitung siehe Rezept Majoran-Günsel-Öl)
  • 25 g Butter
  • 25 g Schweinefett
  • 12 g Bienenwachs
  • 8 Tropfen ätherisches Öl der Kiefer
Zubereitung:
  1. Burgunderharz, Ringelblumenöl, Butter und Schweinefett in ein hitzebeständiges Becherglas geben. Das Gefäß nicht zu klein wählen, weil die Zutaten etwas aufschäumen!
  2. Das Glas direkt auf dem Herd oder im Wasserbad erwärmen und so lange unter dem Siedepunkt halten, bis alles geschmolzen ist.
  3. Die Mischung durch ein Stofftaschentuch oder eine Windel abseihen und das ätherische Öl einrühren.
  4. Die noch flüssige Masse in die vorbereiteten Tiegel füllen. Kühl gelagert hält sich die Salbe mindestens 6 Monate.
Anwendung:
Wenn in der Haut ein Splitter festsitzt, kann die Zugsalbe Schmerzen und Entzündungen vorbeugen. Sie wird dick auf ein Pflaster aufgetragen und dieses auf dem Splitter platziert. Das Pflaster täglich erneuern. Wirkt antibakteriell, entzündungshemmend, abschwellend und schmerzlindernd, fördert die Durchblutung des Gewebes und beschleunigt den Abtransport des Fremdkörpers.


Ringelblumensud 
für eine Waschung bei leichten Brandwunden, Entzündungen und Vereiterungen der Haut, bei schlecht heilenden Wunden

Zutaten:
  • 3 TL frische oder 2 TL getrocknete Ringelblumenblüten
Zubereitung:
  1. Die Blüten in eine kleine Teekanne geben und mit 200 ml kochendem Wasser übergießen.
  2. 10 Minuten ziehen lassen, dann den Sud möglichst steril abgießen. Auf Hauttemperatur abkühlen lassen.
Anwendung:
Ein dünnes Tuch in dem Sud tränken und die betroffene Stelle damit vorsichtig abtupfen. Man kann das Tuch auch als Umschlag auflegen und mit einem Leinentuch abdecken. Alle Zubereitungen mit Ringelblume fördern die Granulationsbildung beim Wachstum neuer Haut, deshalb ist auch eine Salbe mit Ringelblumen bei der Regeneration nach Verletzungen und Schnitten, bei Blutergüssen, Narbenwucherungen oder offenen Beinen, Quetschungen, Sonnenbrand und Zerrungen hilfreich. Zubereitung wie im Rezept Beinwellsalbe, aber statt der Wurzeln die Blütenköpfe verwenden.


Gundermannsud 
für die Säuberung von schlecht heilenden und eiternden Wunden

Zutaten:
  • 3 TL frisches oder 2 TL getrocknetes Gundermannkraut
Zubereitung:
  1. Das Kraut mit 200 ml kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen.
  2. Nach dem Ziehen den Sud möglichst steril abgießen und auf Hauttemperatur abkühlen lassen.
Anwendung:
Zur Säuberung einer eiternden oder schlecht heilenden Wunde ein Tuch in dem Sud tränken und die betroffene Partie damit vorsichtig reinigen. Der Sud eignet sich auch zur Säuberung einer Wunde gleich nach der Verletzung. Für eine Kompresse ein Gazetuch darin tränken, auswringen und auf die betroffene Partie auflegen. Bei Bedarf mit einem Handtuch fixieren. Gundermann hat desinfizierende und entzündungshemmende Wirkstoffe, die die Heilung unterstützen.



Majoran-Günsel-Öl 
für eine Einreibung bei Quetschungen und Prellungen

Zutaten:
  • eine Handvoll Günsel (Blätter) und Majoran (Blätter und Blüten) zu gleichen Teilen
  • 250 ml Olivenöl
Zubereitung:
  1. Die Pflanzen klein schneiden und in ein verschließbares Glas geben.
  2. Das Olivenöl dazugießen und das Gefäß in die Sonne stellen. Jeden Tag schütteln ist wichtig, damit das Öl nicht schimmelt.
  3. Nach 2 bis 3 Wochen gießt man das Öl durch ein Taschentuch oder eine Windel ab. Dunkel und kühl gelagert ist es mindestens 6 Monate haltbar.
Anwendung:
Bei Bedarf vorsichtig in die betroffene Partie einreiben. Je schneller man das Öl nach einem Stoß verwendet, desto weniger blau wird die Stelle. Lindert die Schmerzen, hemmt Entzündungen, wirkt antibakteriell und fördert die Heilung. 


Gänseblümchentinktur
für einen Umschlag bei stumpfen Verletzungen wie Quetschungen, Prellungen oder Verrenkungen

Zutaten:
  • eine Handvoll Gänseblümchenblüten
  • 250 ml 50%iger Alkohol (z.B. Wodka oder Doppelkorn)
Zubereitung:
  1. Die Blüten mit einem Keramikmesser grob zerkleinern und locker in ein Schraubglas füllen.
  2. So viel Alkohol dazu gießen, dass alle Pflanzenteile gut bedeckt sind.
  3. Das Gefäß an ein Fenster stellen und vier Wochen ziehen lassen. Dabei täglich schütteln.
  4. Danach abseihen und in eine saubere Flasche füllen. Dunkel und kühl gelagert ist die Tinktur mindestens 3 Jahre haltbar.
Anwendung:
Für einen Umschlag 1 TL Tinktur mit 100 ml Wasser verdünnen. Ein Stück Gazetuch oder Wickel darin tränken und auf die betroffene Stelle legen. Mit einem festen Tuch befestigen. Fördert die Heilung, regt den Hautstoffwechsel an und lindert die Schmerzen. Wenn es schnell gehen muss, kann man auch einen starken Sud für den Umschlag verwenden. Bei Schock oder Schreck nach der Verletzung verhilft die verdünnte Tinktur zur Beruhigung.
 

Huflattichauflage
bei Blutergüssen und Prellungen

Zutaten:
  • frische Huflattichblätter – Menge je nach Größe der Verletzung
Zubereitung:
  1. Die Blätter auf dem Tisch oder einem Brett ausbreiten und mit einem Nudelholz bearbeiten, um sie weich zu machen.
Anwendung:
Die gewalkten Blätter auf die betroffene Körperpartie auflegen und mit einem Wickel oder einem Verband fixieren. Die Auflage mindestens 20–30 Minuten wirken lassen, dann sollten bei Bedarf die Blätter erneuert werden. Häufig verbessern sich die Beschwerden schon nach einem Tag und die Verletzung heilt schneller ab.





 
Text von Angelika Krause
Landapotheke Ausgabe 02/19 Jetzt abonnieren!
Fotos: 
Birgid Allig
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