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Die Heilkraft der Zwiebel

Seit dem Altertum wird die Zwiebel wegen ihrer gesunden Wirkstoffe hochgeschätzt. Die Heilpraktikerin Annelies Wiedenbauer-Schmidt ist Expertin für das natürliche Hausmittel.

Zeitweilig stand sie sogar in dem Ruf, ein richtiges Allheilmittel zu sein: Allium cepa, so der botanische Name der Zwiebel, wurde von den Römern schon vor 2000 Jahren sowohl zur Linderung von Atemwegsinfektionen und Asthma wie auch zur Behandlung von Herzkrankheiten, Rheuma und Insektenstichen eingesetzt. Die heilkundigen Mönche, die die Gemüsepflanze später in ihren mittelalterlichen Klostergärten kultivierten, wandten sie darüber hinaus bei Problemen im Magen- Darm-Bereich, Mundgeruch, Zahnschmerzen, Wassersucht, Ödemen, eitrigen Wunden, Sehschwäche, Ohrensausen, Kopfschmerzen, Antriebslosigkeit und vielen weiteren gesundheitlichen Beschwerden an. Sogar der Pest und der Cholera versuchten sie mithilfe der scharfwürzigen Knollen Einhalt zu gebieten.
Einfache Anwendung
„Es ist wirklich erstaunlich, wie viel die Menschen früher schon über die gesundheitsfördernden Kräfte der Zwiebel wussten“, sagt Annelies Wiedenbauer-Schmidt, die in der oberbayerischen Gemeinde Egling als Heilpraktikerin und Homöopathin arbeitet. „Viele der alten Anwendungen dienen heute noch als bewährte Hausmittel.

So habe ich für meine Kinder früher oft einen Sirup aus Zwiebeln und Honig gekocht, wenn sie Husten hatten oder eine Erkältung drohte – nach einem ganz einfachen Rezept, das schon meine Großmutter an meine Mutter weitergegeben hatte.“ Nicht nur der Hustensirup, auch alle anderen Zubereitungen aus dem essbaren Liliengewächs sind für die innere und äußere Anwendung schnell und unproblematisch hergestellt.

Ein weiterer Vorteil des Heilmittels Zwiebel: Sie ist das ganze Jahr hindurch erhältlich, lässt sich gut aufbewahren – und im Gemüsebeet mühelos selbst anbauen. „Zwiebeln mögen einen sonnigen, nicht windgeschützten Platz mit einem leichten und durchlässigen Boden. Sie brauchen nicht viel Pflege, aber man sollte regelmäßig Unkraut zupfen“, rät die Heilpraktikerin, in deren prachtvollem Bauerngarten die Achtung vor der Natur und die große Liebe zur heimischen Pflanzenwelt für jeden Besucher deutlich zu erkennen sind.

Darauf angesprochen, gibt sie lachend zu, dass sie schon als Schülerin ihr erstes selbst verdientes Geld in nichts anderes als Blumen und Kräuter für den Garten der Familie investierte, in dem ihr ein paar Beete überlassen worden waren. Das Wissen über „ihre“ Pflanzen, das sie seit der Kindheit aus Büchern und in Gesprächen mit kundigen Menschen gesammelt hat, bringt sie heute nicht nur in ihre Arbeit als Heilpraktikerin ein: Als Kreisrätin von Bündnis 90/Die Grünen macht sich Annelies Wiedenbauer-Schmidt im Umweltausschuss aktiv für den Schutz der heimischen Natur stark.

Für ein starkes Immunsystem

In ihrem Garten pflanzt die leidenschaftliche Köchin neben Lauchzwiebeln, Roten und Weißen Zwiebeln hauptsächlich die gelblichbraunen Küchenzwiebeln an: „Die einzelnen Sorten unterscheiden sich zwar deutlich im Geschmack, aber zur Herstellung eines Hustensirups oder einer entzündungshemmenden Auflage kann man sie alle verwenden. Wichtig ist nur, dass sie weder faulige Stellen aufweisen noch ausgetrieben haben – dabei büßen sie ihre wertvollen Inhaltsstoffe ein.“

Zu diesen gehören neben Vitaminen, Spurenelementen, Mineralstoffen und ätherischem Öl insbesondere schwefelhaltige Substanzen, die beim Zerschneiden durch die Reaktion mit dem Sauerstoff der Luft für den charakteristischen Geruch und das Augentränen verantwortlich sind. „Diese Sulfide beeinflussen aber gleichzeitig auf vielfältige Weise positiv unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden“, erklärt die Pflanzenexpertin.

„Sie haben entzündungshemmende und keimtötende Eigenschaften. Daher können sie uns vor Infektionen und Erkältungskrankheiten schützen, die Abwehrkräfte stimulieren und das Immunsystem stabilisieren.“ In großer Menge kommen in Zwiebeln außerdem Flavonoide vor. Das sind gelbe Pflanzenfarbstoffe, die die Zellen sowohl vor Schädlingen wie auch vor der Entstehung der gefährlichen freien Radikalen bewahren.

Antibitoitsche Wirkung
Wissenschaftlich bestätigt ist inzwischen die Anwendung von Allium cepa zur Vorbeugung von altersbedingten Gefäßveränderungen. Dazu werden sie am besten roh gegessen – etwa in einem Salat oder drei bis vier Mal täglich ein Teelöffel pur. Diese Kur kann ebenfalls bei Appetitlosigkeit Abhilfe verschaffen. Sie regt gleichzeitig die Verdauung und die Nierentätigkeit an, hat eine entschlackende und entwässernde Wirkung und sorgt für eine gesunde Darmflora.

Darüber hinaus soll sie Herz und Kreislauf helfen, indem sie die Durchblutung fördert, den Blutzucker reguliert und die Blutgerinnung positiv beeinflusst. Annelies Wiedenbauer- Schmidt: „In der Volksmedizin gibt es noch viele weitere Anwendungen, die seit Jahrhunderten erprobt sind. Dazu gehört beispielsweise die Auflage von frischen Zwiebelscheiben als Erste Hilfe bei Stichen von Wespen, Bienen und anderen Insekten. Das lindert die Schwellung, den Schmerz und den Juckreiz und verhindert eine Infektion.“

Aufgrund dieser antibiotischen Eigenschaften, die das Wachstum von Pilzen, Viren und Bakterien hemmen, kann das Lauchgewächs zudem bei Hautentzündungen, Abszessen, Furunkeln und Akne helfen und den Heilungsprozess beschleunigen.

Erfolgreich gegen Erkältungen
Zu den traditionellen Anwendungsgebieten des Hausmittels Zwiebel gehören darüber hinaus – aufgrund ihrer schleimlösenden und antibakteriellen Inhaltsstoffe – alle Erkältungskrankheiten. Neben dem klassischen Zwiebelsirup sind Zwiebelwickel, -kompressen und -auflagen bei Husten, Bronchitis, Halsschmerzen, Schnupfen, Fieber und Kopfschmerzen heute noch gebräuchliche Anwendungen.

Dafür wird die Knolle klein geschnitten, in einer Pfanne ohne Fett erhitzt und anschließend so in ein dünnes Wickeltuch eingepackt, dass sich zwischen Zwiebeln und Haut nur eine Stofflage befindet. Alternativ kann man auch die kalten Zwiebelstückchen im Wickeltuch über dem kochenden Wasser im Dampf erwärmen. Anschließend wird die Kompresse je nach Art der Beschwerden um den Hals, auf die Brust oder die Fußsohlen gelegt und mit einem Baumwollhandtuch befestigt.

Vorher nicht vergessen, die Temperatur zu kontrollieren! „Bei allen Anwendungen empfiehlt es sich, die rohe Zwiebel jeweils frisch zu hacken oder in Scheiben zu schneiden, damit die Wirkstoffe an der Luft nicht verloren gehen“, rät die Expertin. Das hinterlässt allerdings an den Händen und an den betroffenen Hautpartien einen lang anhaftenden Geruch. „Da hilft Zitrone. Man reibt die Finger mit der halbierten Frucht ab und lässt den Saft vor dem Waschen mit Seife etwas einwirken“, so der abschließende Tipp von Annelies Wiedenbauer-Schmidt.


Die Heilkraft der Zwiebel - Text: Angelika Krause - Fotos: Birgid Allig
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