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Gesundheit

Das stärkt die Abwehrkräfte

Manche Menschen würden am liebsten von Dezember bis März Winterschlaf halten. Nicht so die Lenggrieser Heilpraktikerin Lucia Ossiander-Kukuljan: Sie liebt den Wechsel der Jahreszeiten und verrät uns, warum niedrige Temperaturen auch gute Seiten haben.
Auf Schneeschuhen durch die glitzernde Winterlandschaft © Peter Raider


Rote Schniefnasen, nasse Füße und das ganz große Bibbern – manche Menschen können den bevorstehenden Monaten nicht viel Positives abgewinnen und würden am liebsten einen Winterschlaf abhalten. Die Gesundheitsberaterin Lucia Ossiander-Kukuljan dagegen, die eine eigene Praxis in dem oberbayerischen Flößerdorf Lenggries führt, freut sich über den Wechsel der Jahreszeiten und kann die Kälte – meistens jedenfalls – sogar richtig genießen.


Es schneit! nichts wie raus

„Der erste Schnee hat für mich immer wieder eine besondere Magie“, verrät sie. „Ich liebe diese federleichten Flocken, die schwerelos in der Luft tanzen und auf dem Gesicht schmelzen. Das leise Knirschen unter den Schuhen beim Spazierengehen. Die friedliche Ruhe, die über der Landschaft liegt. Das alles finde ich so zauberhaft, dass ich mich gern wie ein Kind in das unberührte weiße Daunenbett auf der Wiese legen und einen Schnee-Engel machen würde. Und manchmal tue ich das dann tatsächlich – aber heimlich.“
Auch beim Skifahren, Snowboarden, Schlittschuhlaufen, Schneeschuhwandern, Rodeln, Eisstockschießen oder einer ausgelassenen Schneeballschlacht kann man den Winter abwechslungsreich genießen. Das Beste daran: Bewegung in der kalten Luft macht nicht nur Spaß, sondern fördert auch die Gesundheit. Der Kreislauf wird auf Trab gebracht, die Sauerstoffaufnahme verbessert, die Abwehrkräfte gestärkt und das Immunsystem mobilisiert.
„Wenn wir intensiven kalten Reizen ausgesetzt sind, reagiert der Organismus sofort regulierend auf den Temperaturunterschied, denn die Venen ziehen sich zusammen“, erklärt die Ernährungsberaterin und Dozentin, die den Teilnehmern ihrer Seminare zu mehr Vitalität und Lebensfreude verhelfen möchte. „Auch durch flottes Spazierengehen wird die Muskelpumpe aktiviert. Das ,schmeichelt‘ den Venen ebenfalls, regt die Durchblutung an und aktiviert den Stoffwechsel. So betrachtet sind die Wintermonate echte Fitmacher für den Organismus.“ Kälte ist allerdings nur gesundheitsfördernd, wenn man sich vernünftig anzieht – also Zwiebeltechnik, Mütze, Handschuhe und warme Schuhe.

 

Traditionelles Eisbaden

Als therapeutische Maßnahme sind Kälte-Anwendungen nicht erst seit dem Wirken von Sebastian Kneipp bekannt, der sich selbst bei Temperaturen um den Gefrierpunkt mit täglichen Bädern in der Donau von einer Tuberkulose heilte: In vielen Ländern wird das Winterschwimmen traditionell schon seit Jahrhunderten betrieben – auch Kaiser Karl der Große und Johann Wolfgang von Goethe sollen passionierte Anhänger gewesen sein.
Das Abtauchen in eisige Gewässer ist jedoch sehr gewöhnungsbedürftig und nicht jedermanns Sache. „Auch mit einer kalten Dusche am Morgen, mit Wechselduschen oder Wassertreten kann man die Regulierungsfähigkeit des Organismus trainieren“, meint die Naturheilpraktikerin. „Das Gleiche gilt für das Barfußgehen im Schnee. Diese Anwendung kann nicht nur die Infektanfälligkeit senken, sondern auch bei allgemeiner Abgeschlagenheit und Müdigkeit helfen. Aber bitte langsam anfangen und die anschließende Wiedererwärmung mit dicken Socken oder durch schnelles Gehen nicht vergessen.“
Etwas mehr Überwindung kostet es, die Füße in 12 bis 18 Grad kaltem Wasser einzutauchen. Dieses Bad sollte nicht länger als eine Minute dauern und nur mit warmen Füßen durchgeführt werden. Dabei die Zehen bewegen. Die Anwendung härtet ab und hat sich bei schweren und müden Beinen, Venenleiden und akuten Gichtanfällen genauso bewährt wie bei Knöchelprellungen.

 

Hilfe bei Sportverletzungen

Überhaupt spielt die Kälte eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Zerrungen, Quetschungen, Verstauchungen, Schwellungen, Blutergüssen, Schleimbeutelentzündungen und anderen Verletzungen des Bewegungsapparats. Dabei kommt sie meist in Form von Wickeln und Packungen gezielt auf der betroffenen Körperpartie zum Einsatz (siehe links). Diese Umschläge können auch bei leichten Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Heiserkeit eine abschwellende und schmerzlindernde Wirkung haben. Bei einer beginnenden Migräne hat sich eine kalte Auflage auf der Stirn bewährt.
In extremer Form nutzt man niedrige Temperaturen in sogenannten Kältekammern, die in Deutschland seit den 1980er-Jahren therapeutisch angeboten werden. Der Aufenthalt in diesen auf bis zu minus 110 Grad heruntergekühlten Räumen soll bei manchen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen zur Hemmung der Entzündungen und Linderung der Schmerzen beitragen. Sportlern dient die Kältekammer darüber hinaus zur Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit und Fitness.
Manche Besucher der Kältekammer schwärmen von dem Glücksgefühl, das sie nach der Anwendung empfinden – so wie auch schon ein langer Spaziergang durch die Winterlandschaft die Stimmung hebt und gute Laune macht: Es gibt nichts Schöneres, als danach ins Warme zu kommen und sich mit einer Tasse Tee auf dem Sofa einzukuscheln. Dazu verrät uns Lucia Ossiander-Kukuljan auf den folgenden Seiten, was unseren Organismus bei Kälte richtig einheizt und uns vor Infekten schützt.

 

Das heizt bei Kälte ein, schützt vor Infekten und versorgt uns mit Vitamin D

Die kalten Hände an einer Tasse mit einem heißen Getränk wärmen – das ist ein wunderbares Gefühl. Wer dabei auch noch etwas für die Gesundheit tun will, mischt sich einen Tee mit Kräutern, die gut für die Schleimhäute der Atemwege sind. „Mein persönlicher Favorit für die Winterzeit, der Zwiebeltee, schmeckt zwar wirklich nicht so besonders“, gibt die Ernährungsberaterin zu, „aber das ist ein altes Hausmittel aus meiner Familie. Mein Vater hat ihn uns Kindern früher bei Erkältung und Husten verabreicht. Die Zwiebel – ich verwende am liebsten die rote – wird seit vielen, vielen Jahren nicht nur als Gemüse, sondern wegen ihrer antibakteriellenWirkstoffe auch als Heilpflanze geschätzt.“

 

Gesunde Winterwurzeln

Von außen heizen am besten Bäder ein. Oft genügt es schon, die Füße in herrlich warmes Wasser zu tauchen. Noch schöner wird das Baden aber mit den geeigneten Zusätzen. Sie machen es zu einem duften den Erlebnis für die Sinne – und tragen mit ihren wirkungsvollen Substanzen zu Gesundheit und Wohlbefinden bei. Mit gesunden Inhaltsstoffen kann im Winter auch das Wurzelgemüse punkten. Lucia Ossiander-Kukuljan: „Meerrettich, Sellerie, Kartoffeln, Karotten, Lauch & Co. waren seit Menschengedenken die Hauptnahrungsmittel in der kalten Jahreszeit. Sie haben einen hohen Anteil an Vitaminen und Spurenelementen und versorgen uns mit wertvollen Vitalstoffen. Bei mir kommen diese Wurzeln im Winter häufig auf den Tisch, aber ich lege mir außerdem immer einen Vorrat als Würze an. Sie passt in fast alle Gerichte, vor allem aber in Suppen, Soßen und Eintöpfe. 

“Wer es verträgt, kann im Winter seine Speisen öfter mit anregenden Gewürzen zubereiten. Ingwer, Chili & Co. haben ein großes Wärmepotenzial: Sie wirken schweißtreibend, heizen dem Stoffwechsel ein und aktivieren die Lebensenergie. 
Wenn in der dunklen Jahreszeit der Heißhunger auf Knabberzeug kommt, sollte man es sich in Maßen (!) gönnen. „Nüsse sind nicht gerade kalorienarm, aber sie enthalten wie viele Kerne und Samen Tryptophan. Das ist eine Aminosäure, die unser Organismus nicht herstellen kann, die aber für die Produktion des Glückshormons Serotonin von Bedeutung ist“, erklärt Lucia Ossiander-Kukuljan. 
Auch Licht ist wichtig für den Serotoninspiegel und eine positive Gemütslage. Die Heilpraktikerin lässt deshalb so oft wie möglich ein paar Minuten täglich die Reflexzonen auf Handteller und Fußsohlen von der Wintersonne bescheinen – darüber „freut“ sich der Solarplexus. Das hebt nicht nur die Laune, sondern versorgt uns auch mit dem wichtigen Vitamin D.

 
Text von Angelika Krause
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Fotos: 
Peter Raider
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