Anleitung

Balsam für die Seele

Bei vielen psychischen Alltagsbeschwerden kann die Natur sanfte Unterstützung leisten.
Die Heilpraktikerin Aruna Siewert weiß, welche Kräuter, Wurzeln und Blüten sich bewährt haben. 
Tees und Tinkturen © Peter Raider
 


Sanfte Hilfe aus der Natur

Es gibt solche Tage. Man fühlt sich schon morgens überfordert, kann sich nach der Arbeit trotz des freien Abends nicht zum Sport aufraffen und findet nachts keinen Schlaf, weil sich das Gedankenkarussell immer weiterdreht.
„Das gehört zum Leben dazu“, meint die Heilpraktikerin Aruna Siewert. „Jeder macht mal eine angespannte Phase durch, in der Ängste, Unsicherheit, Selbstzweifel und Perspektivloskeit vorherrschend sind und das seelische Gleichgewicht durcheinanderbringen.
Wenn diese Phase aber andauert und sowohl das körperliche Wohlbefinden wie auch die Lebensqualität beeinträchtigt, sollte man etwas dagegen unternehmen und vor allem möglichst schnell professionelle Hilfe von einem Arzt oder Psychotherapeuten in Anspruch nehmen.“
 

Altbewährte Heilkräuter

Bei vielen leichteren oder beginnenden psychischen Störungen können altbewährte Heilkräuter helfen, die innere Balance wiederzufinden. Als sanfte Begleiter von therapeutischen Maßnahmen werden sie ebenfalls hochgeachtet. „Dabei profitieren wir heute enorm von dem überlieferten Erfahrungsschatz der Kräuterkundigen früherer Zeiten. Sie wussten um die Wirkungen bestimmter Pflanzen auf Körper, Geist und Seele, ohne ihre Inhaltsstoffe im Einzelnen zu kennen“, erklärt Aruna Siewert, die in ihrem Gesundheitsratgeber „Natürliche Psychopharmaka“ (Gräfe und Unzer Verlag, 12,99 Euro) die wichtigsten Pflanzen für die Seele vorstellt und einen Überblick über psychische Beschwerden und ihre verschiedenen Behandlungsmethoden gibt.
Einer der verlässlichsten Helfer aus der Natur ist das Johanniskraut. Es wird vor allem bei depressiven Verstimmungen eingesetzt, die etwa durch Stress, psychische Belastungen oder Lichtmangel in den Wintermonaten ausgelöst werden. Die Kraft und Energie spendende Pflanze kann in Kapselform eingenommen oder wie fast alle Heilkräuter klassisch als Tee (tägl. 3 Tassen, nach 6 Wochen pausieren) oder Tinktur (tägl. 3 x 20 Tr. oder 1 knapper TL auf 1 Glas Wasser angewandt werden.
Ein Tee lässt sich auch aus der Wurzel der Engelwurz aufkochen. „Wenn man das Gefühl hat, dem beruflichen oder privaten Umfeld schutz- und hilflos ausgeliefert zu sein und keinen Anker in seinem Leben zu haben, kann diese alte Heilpflanze Trost spenden, Sicherheit geben und Geborgenheit vermitteln“, so die Autorin, die heute im Wendland lebt. 
 

Wegbegleiter für die Psyche

„Ein Hautöl oder ein Balsam mit den Wirkstoffen dieser ‚Angstwurz‘ hat sich ebenfalls bewährt. Es wird bei Bedarf im Herzbereich, in die Handgelenke oder Schläfen einmassiert, sodass das Gefühl des Geschütztseins den Tag hindurch wie ein Mantel auf dem Körper liegt.“ 
Auch das Selbstwertgefühl lässt sich mit einer äußeren Anwendung stärken – mit einem Körperöl, in dem ätherisches Eisenkrautöl und Pflanzenöl vermischt werden (2 Tr. auf 10 ml). Es wird wie der Engelwurzbalsam aufgetragen. Alternativ dazu kann man sich mit der Pflanze eine Tinktur ansetzen.
 

Mit Tee ins Reich der Träume

Oft werden psychische Beschwerden von Problemen beim Ein- und Durchschlafen begleitet. Neben einer Teemischung aus beruhigenden, harmonisierenden und entspannenden Heilkräutern, die eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen getrunken wird, kann eine sogenannte Heilreise ins Reich der Träume führen. Aruna Siewert: „Dabei schicke ich mit jedem Atemzug imaginär Sauerstoff in jeden einzelnen Teil des Körpers – angefangen bei den Füßen bis hin zur Kopfhaut. Dann lasse ich den Tag in umgekehrter Reihenfolge Revue passieren und versuche, mich an jede Kleinigkeit zu erinnern. Dabei schlafe ich meist schon ein. Wenn nicht, schreibe ich in ein Notizbuch, was mir noch auf der Seele liegt. So ist es zumindest für diese Nacht abgehakt.“
Fantasiereisen hat die Autorin in ihrem Buch auch für andere seelische Störungen entwickelt. Etwa für Antriebslosigkeit, die durch Müdigkeit, Unlust, Unzufriedenheit, Interesselosigkeit, Gereiztheit, Langeweile und einen Mangel an Energie gekennzeichnet ist. Anregende Gewürze wie Chili, Galgant, Muskat und Zimt können bei diesen Beschwerden gleichfalls auf der körperlichen und psychischen Ebene unterstützen. Aus dem Heilpflanzen-Reich empfiehlt sich dafür neben Rosenwurz, Schachtelhalm, Taigawurzel und Wermut ein Kraut, das schon im Mittelalter als Stärkungsmittel gepriesen wurde: der Rosmarin.
 

Rosmarin aktiviert 

„Rosmarin hilft nicht nur, Begeisterungsfähigkeit zu entfachen und die Dinge wieder in die Hand zu nehmen, sondern verschafft auch einen klaren Kopf. Deshalb kann er bei Erschöpfungszuständen und Konzentrationsproblemen ebenso eingesetzt werden“, ergänzt die Phytotherapeutin. Für die innere Anwendung wird das Kraut als Tee, Tinktur oder Wein zubereitet. Das ätherische Öl setzt man in der Duftlampe oder als aktivierendes Körperöl (4 Tr. auf 2 EL Pflanzenöl) ein. 
 

Teemischung bei Schlafstörungen

Zutaten: 
  • Hopfenzapfen
  • Melisse
  • Passionsblume
  • Baldrianwurzel
  • Lavendel und Hafer zu gleichen Teilen

Zubereitung: 
1 TL der Mischung mit 250 ml kochendem Wasser  übergießen und 8–10 Min. zugedeckt ziehen lassen. Danach abseihen. 

Anwendung: 
30–60 Min. vor dem Zubettgehen 1 Tasse möglichst warm trinken. Hopfen unterstützt bei morgendlicher Müdigkeit und abendlichem Wachsein, Melisse bei Angst, Herzklopfen, innerer Unruhe, Sorgen und Überarbeitung, Baldrianwurzel bei geistiger Überanstrengung und zu vielen Eindrücken, Lavendel bei Kopfkarussell, beruflichem oder persönlichem Stress, Hafer bei geistiger und körperlicher Überforderung.
Je nach Bedarf kann man diese Mischung variieren und 1–2 Hauptkräuter bestimmen. Diese dann im Verhältnis 1:1 mit den restlichen Kräutern mischen.

Weitere Rezepte für Teemischungen, Tinkturen, Kapseln und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Ausgabe der LandIDEE.

 
Text von Angelika Krause
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Fotos: 
Peter Raider
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