Aromatische Pflege für Haut & Haar

Weintrauben versüßen uns den Spätherbst und sind sehr gesund. Die Heilpraktikerin Heike Maringer schätzt sie auch für die Pflege von Haut und Haar.

Die volle Kraft des Sommers scheint in den saftig-prallen grünen und blauen Beeren zu stecken, die unwiderstehlich zum Naschen verlocken. „Greift zu!“, meint Heike Maringer einladend. „Weintrauben schmecken köstlich und sind sehr gesund. Sie besitzen einen hohen Anteil an immunstärkendem Vitamin C und einige B-Vitamine, die gut für das Gehirn und die Nerven sind.

Ihre Mineralien – darunter viel Kalium, das regulierend in den Wasserhaushalt eingreift – und Spurenelemente kurbeln den Stof wechsel an. Und nicht zuletzt enthalten sie eine Menge Fruchtzucker, der den Körper schnell mit Energie versorgt.“

Äußerliche Anwendungen

Darüber hinaus schätzt die Heilpraktikerin, die Ausbildungen sowohl in der Phytotherapie als auch in der Ernährungslehre gemacht hat, die äußerliche Anwendung von Trauben – in Cremes, Masken, Peelings und anderen kosmetischen Produkten. Um uns zu zeigen, wie man die natürliche Pflege für Haut und Haar selbst herstellen kann, empfängt sie uns auf dem Weingut Holler.

Rund um den in der Nähe von Aschaf enburg gelegenen Hof führt sie ihre beliebten Wanderungen durch, bei denen Wildkräuter gesammelt und anschließend in einem Imbiss verkostet werden. Die Termine auf dem Weingut Holler sind ab Anfang 2014 auf ihrer Homepage zu f nden (siehe Kontakt). „Weintrauben sind ein wunderbares Geschenk der Natur für unsere Körperhülle“, meint die Mutter zweier Kinder.

„Sie besitzen nachweislich viele hochaktive Substanzen, die die Beeren vor Umwelteinf üssen, Pilzen, Bakterien und anderen Schädlingen schützen. Diese Inhaltsstof e können wir gezielt für Schutz, Pf ege und Regeneration der Haut nutzen.“ Mit nur wenigen Zutaten wie Honig und Traubenkernmehl kann man sich aus frischen Trauben im Handumdrehen eine wunderbar erfrischende und hautglättende Packung für das Dekolleté oder das Gesicht anrühren (siehe Seite 61).

Wer eine feine Konsistenz bevorzugt, püriert die Masse am besten gleich mit dem Handmixer. reGenerierenDe WirKUnG Die Kräuterfrau: „Die regenerierende Wirkung dieser Masken ist hauptsächlich auf die AHA-Fruchtsäuren in den Trauben zurückzuführen: Diese tragen die abgestorbenen Zellen ab und fördern die Neubildung der Haut.

Die ebenfalls vorhandenen Mineralien regen den Stof wechsel von Haut und Gewebe an, der Honig sorgt darüber hinaus mit seinen antibakteriellen und beruhigenden Eigenschaften für ein schnelleres Abheilen von Pickeln, Entzündungen und kleinen Verletzungen.“ Es empf ehlt sich, für diese Anwendungen ungespritzte Trauben in Bioqualität zu kaufen.

Trotzdem sollte man sie vor dem Gebrauch gründlich waschen. Eine stumpfe Schicht auf der Schale ist aber normal – der „Nebeltau“ entsteht durch die Verdunstung von Luftfeuchtigkeit. Neben den frischen Früchten verwendet Heike Maringer für die Zubereitung von pf egenden Produkten häuf g das Öl, das man aus den Traubenkernen gewinnt und das schon im Mittelalter zu kosmetischen Zwecken eingesetzt wurde.

Für die Herstellung eines Liters in einer aufwendigen, die kostbaren Bestandteile schonenden Kaltpressung benötigt man 50 Kilogramm Kerne. Das entspricht etwa 2,5 Tonnen Trauben – daher ist es relativ teuer. „Traubenkernöl enthält im Vergleich zu allen anderen Pf anzenölen den höchsten Anteil an ungesättigten Fettsäuren – etwa 90 Prozent.

Diese Fettsäuren sind nicht nur für die Ernährung interessant. Äußerlich angewandt können sie die Elastizität der Haut verbessern und ihre Spannkraft erhöhen. Die dazu gehörende, reichlich vorhandene Linolsäure wirkt darüber hinaus Verhornungen entgegen“, so die Phytotherapeutin. Ein weiterer Inhaltsstof sorgt dafür, dass das Traubenkernöl sehr gut in die Haut einzieht.

Das macht nicht nur die Anwendung angenehm, sondern hilft auch dabei, fettlösliche Substanzen – wie beispielsweise das zellschützende Vitamin E – tief in das Gewebe einzuschleusen. Und es kommt noch besser: In den Kernen, die auch zu Mehl und Schrot weiterverarbeitet werden, haben Wissenschaftler – wie in der Schale der Weintrauben – das Molekül OPC entdeckt, das zu den wirksamsten pfanzlichen Stofen gegen vorzeitige Hautalterung zählt.
„60 Prozent dieser sogenannten oligomeren Proanthocyanidine stecken in den Kernen, in den Schalen 20 Prozent. OPC gilt als Radikalenfänger und wirkt 18 Mal stärker als Vitamin C und 50 Mal stärker als Vitamin E, die beide in der Hautpfege eingesetzt werden, um den Alterungsprozess hinauszuzögern“, erläutert die Expertin.

Ähnliche Eigenschaften wurden bei einem weiteren Inhaltsstof der Trauben nachgewiesen: Resveratrol ist ein Bestandteil der Schalen und vor allem in den blauen Beeren in beträchtlicher Konzentration vorhanden. Diese biochemische Verbindung wirkt ebenfalls als ein natürliches Antioxidans, das schädliche Umwelteinf üsse abwehren kann. Darüber hinaus ist sie in der Lage, bestimmte Enzyme zu aktivieren, die wie die AHA-Säuren die Erneuerung der Hautzellen stimulieren.

Tägliche Hautpflege

Dieser wohltuende Wirkstoffmix lässt sich in der täglichen Hautpf ege ganz einfach anwenden: Pur oder mit ein paar Tropfen eines ätherischen Öls vermischt aufgetragen, macht Traubenkernöl die Haut glatt und geschmeidig. Verhornte Stellen werden wieder weich, wenn man sie mit einem Peeling aus gemahlenen Kernen oder Schrot und Öl behandelt und danach mit einer Körperbutter (siehe Seite 63) pflegt.

Die verwendeten Zutaten sind in Geschäften für naturkosmetische Produkte erhältlich – etwa bei „Manske“ (www.manske-shop.com) oder „Duft und Schönheit“ (www.duft-und-schoenheit.de). „Neben den Trauben hält ein Rebstock weitere wunderbare Substanzen für uns bereit – und zwar in seinen Blättern.

Das rote Weinlaub besitzt Bestandteile, die entzündungshemmend wirken, die Durchblutung steigern und die Gefäßwände stärken. Ein kühlendes Gel mit diesen Ingredienzien bringt müde, schwere und geschwollene Beine wieder auf Trab und hilft darüber hinaus bei Besenreisern, Krampfadern und Venenentzündungen“, erklärt Heike Maringer.

„Und das hier“, ergänzt sie später, als wir nach getaner Arbeit noch bei einem Schoppen sitzen, „wirkt sich auch positiv auf die Gesundheit aus: Rotwein soll das Herz schützen und gegen Krebs vorbeugen – natürlich nur in Maßen genossen.“
Aromatische Pflege für Haut und Haar - TEXT: Angelika Krause, FOTOS: Rainer Dittrich
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